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Kolumne der Redaktion

18.03.2024

Konrad Graber, Urs P. Gasche, Beat Bieri, Kuno Kälin und Christian Müller erinnern sich an René Regenass

Die Redaktion lu-wahlen.ch hat Persönlichkeiten, die ihn kannten, gebeten, ihre Erinnerungen an René Regenass zu beschreiben. Hier folgen fünf Reaktionen.


René Regenass (1935 bis 2024).

Bild: Herbert Fischer

René Regenass ist am gestrigen Sonntag im Kantonsspital Luzern kurz vor seinem 89. Geburtstag gestorben. Er genoss allseits grosses Ansehen als unabhängiger Journalist mit hohem Berufsethos und als integre Persönlichkeit. Mehr als 30 Jahre hatte er als Redaktor der «Luzerner Neusten Nachrichten» und nachher bei «Luzern heute» gewirkt.

Christian Müller, von 1980 bis 1988 Chefredaktor der LNN, heute Herausgeber der Plattform globalbridge.ch (siehe unter «Links»), Monteggio TI:
René war ein Journalist, wie man ihn sich wünschte: unabhängig durch und durch, keiner politischen Partei und keinem privatwirtschaftlichen Interesse verpflichtet.

Kuno Kälin, alt Grossrat (Grüne), Luzern:
Wir kannten uns seit den 80-er-Jahren. René war Redaktor im Ressort Kanton Luzern der damaligen «LNN», ich war Grossrat der Grünen. In den 90-er-Jahren begegneten wir uns über gemeinsame Bekannte auch privat. Daraus entstand allmählich eine Freundschaft, die bis zu Renés Tod am letzten Sonntag währte. So entstand vor vielen Jahren auch ein «Jassgrüppli» mit Beata Pedrazzini, Margaretha Reichlin und uns beiden. Wir trafen uns vierteljährlich abwechselnd zu Hause zu einem gemütlichen Essen und anschliessendem Kartenspiel.

Beruflich konnte ich René zwischen 2014 und 2018 als gewieften Journalisten für die «Quartierzeitung Obergrund» engagieren, die ich im Vorstand des Quartiervereins redaktionell verantwortete. Seine hintergründigen Reportagen und Portraits zeugten von grossem Können und reicher Erfahrung und sie wurden gerne gelesen. Nachdem René in die Alterswohnung im «Eichhof» eingezogen war, trafen wir uns ein paar Mal, obwohl er inzwischen mit körperlichen Einschränkungen und Schmerzen zu kämpfen hatte. Noch wenige Tage vor seinem Tod trug er sich mit dem Gedanken, einen Bericht über die Flüchtlinge im Betagtenzentrum Viva Eichof zu schreiben.

René Regenass bleibt für mich das Beispiel eines hochprofessionellen, engagierten Schreibers, der immer der Sache verpflichtet war, der neugierig und wissbegierig blieb, nie jemanden persönlich unfair angriff, der eine eigene Meinung vertrat, stets aber auch bemüht war, sie zu hinterfragen. So, wie es sich für einen Doyen seiner Zunft eben gehört.

In der «Quartierzeitung Obergrund» (Ausgabe April 2018) hat Kuno Kälin über René Regenass einen Beitrag geschrieben (Seiten 12 und 13). Siehe unter «Dateien».

Beat Bieri, Dokumentarfilmer, Luzern:
René war mein Lehrmeister, damals, als ich 1976 als ahnungsloser Praktikant bei den «Luzerner Neusten Nachrichten» mein Journalistenleben begann. Es waren weniger irgendwelche gestalterischen Tricks oder sprachliche Finessen, die er mir vermittelte. Denn René Regenass war in seiner Schnörkellosigkeit kein Blender. Da war vielmehr diese klare Haltung: Ein journalistisches Verständnis, welches auf Integrität, Wahrhaftigkeit und Unabhängigkeit basierte. Ja, dies mag pathetisch klingen, aus der Zeit gefallen. Denn heute muss mit allerlei Klamauk um die schwindende Aufmerksamkeit des Publikums gerungen werden. Doch so war René Regenass – unbeugsam in diesem Bemühen.

Oft eckte er an mit seinen scharfen politischen Kommentaren, doch selbst die kritisierten Politiker zollten seiner Gradlinigkeit Respekt. Am 29. Dezember 1995 traf ich, damals Reporter bei «10vor10», René im Archivkeller der «LNN». Es war der letzte Tag dieser letzten unabhängigen Tageszeitung der Zentralschweiz. Und René erinnerte nochmals an das Statut dieser Zeitung, welches die Redaktion zu einem unabhängigen, sozialen Engagement verpflichtete: Gibt es heute sowas noch? Dieses Engagement führte René Regenass noch bis vor kurzem für die Onlinezeitung Luzern60plus weiter – 89 Jahre alt, ein Journalist bis zum Lebensende.

Siehe unter «Links»: der Beitrag von Beat Bieri zum Ende der «LNN» im «10vor10» vom 29. Dezember 1995.

Urs P. Gasche, Redaktor infosperber.ch, Bern:
René bleibt mir in bester Erinnerung. In wichtigen Stunden hatte er mich als jungen Redaktor bei den «LNN» unterstützt. Er war ein unabhängiger, engagierter, weltoffener und toleranter Mensch mit viel Herzlichkeit.

Konrad Graber, alt Ständerat (Die Mitte), Kriens:
Ich habe René Regenass im Grossen Rat (heute Kantonsrat) als Journalist der «LNN» kennen gelernt. Ich erinnere mich auch gerne an ein Interview, das er später als Redaktor von «Luzern heute» mit mir als Präsident der kantonalen CVP (heute: Die Mitte) verfasste. Damals wusste ich noch nicht, dass wir uns dann später vor allem bei Orientierungslauf-Wettkämpfen treffen würden. Ich mag mich noch gut an einen 5-Tage-OL in Fontainbleau (Frankreich) erinnern, wo wir uns nach einer Etappe zu einem kurzweiligen Nachtessen trafen.

Neben seinen sportlichen Erfolgen war René dem OL sehr verbunden, unter anderem als verantwortlicher Redaktor der OL-Fachschrift. So trafen wir uns immer wieder an Orientierungsläufen oder am frühen Samstagmorgen beim Einkauf auf dem Luzerner Markt. Neben dem sportlichen Fachsimpeln folgte dann jeweils auch eine kurze politische Auslegeordnung. Ich war dabei jeweils beeindruckt von seiner zwar kritischen Grundhaltung aber auch seiner Offenheit für andere Meinungen und Sicht der Dinge. All diese Begegnungen werden in schöner Erinnerung bleiben.

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Die Abschiedsfeier für René Regenass findet am 9. April 2024 um 15h in der Abdankungshalle des Friedentals statt. Unter «Dateien»: die Todesanzeige seiner Familie in der «LZ» vom Freitag, 22. März 2024.


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch.


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1. Dezember 2021: Hanns Fuchs schreibt über Herbert Fischer:
http://www.luzern60plus.ch/aktuell/artikel/ein-strurbock-im-medienzirkus

Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:
www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/