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Kolumne der Redaktion

01.02.2024

«Franz, Du hesch miis Läbe beriicheret»

In der Hofkirche findet zur Stunde die Trauerfeier für Franz Kurzmeyer statt, Stadtpräsident von Luzern von 1984 bis 1996, verstorben am 10. Januar im 88. Altersjahr im Kurhaus Sonnmatt. Eben hielt die bekannte Theaterfrau Lisa Bachmann eine berührende Trauerrede, die hier im Wortlaut zu lesen ist.


Die Theaterschaffende Lisa Bachmann und Kim Emanuel Stadelmann im Stück «De Zeppelin flüügt nümme», geschrieben von Lisa Bachmann, luki*ju theater luzern.

Liebi Familie Churzmeyer, liebi Mit-Truurendi,

Sicher hend Sie und iehr i de vergangene Wuche all die Würdigunge i de Medie g’läse und g’hört, Würdigunge, wo s’öffentliche Läbe vom Franz Churzmeyer usfüehrlich darg’stellt hend.

Dass jetzt usg’rächnet ich hüt do bi dere Abschiedsfiir für de Franz darf rede, und mini ganz persönliche Gedanke darf üssere, het en spezielle Grund: Ich bi im letschte Herbst drüü Woche i de REHA i de Sonnmatt obe g’sy, und ha det no sehr viel Zyt mit em Franz dörfe verbringe. Mer hend üs praktisch täglich g’seh, hend zäme Musig g’lost, hend sogar zäme g’sunge, hend zäme g’ässe und viel mitenand g’redt. Wie Sie und iehr sicher alli wüsset, isch de Franz zu dere Zyt scho fescht underwägs gsy is Land vom Vergässe. Mängisch het är zu mier g’seid:

«Weisch, wäge dem Alzheimer han ich so nes G’nosch im Chopf».

Trotzdem isch es mier g’lunge, ihm immer wieder de Zuegang z’verschaffe zu Erläbnis und Erinnerige us sim öffentliche Läbe für und i de Stadt Lozärn. I dere Zyt im Septämber, isch au s’füfezwänzg jährige Jubiläum vom KKL g’fiiret worde. Ich ha mit em Franz die Ziitigsartikel ag’luegt, und ha ihm die Föteli zeigt. Är het sie interessiert a’gluegt und het na dis na alli erkönnt. Und denn isch sie uf eimal wieder spürbar worde, die grossi Fröid, wo de Franz bim Z’ruggdänke a die Zyt verspürt het. Und es isch au wieder ganz düütlich erkönnbar g’sy, dass är stolz g’sy isch, uf s’Glinge vo dem Projekt. Är het bi mene Mittagässe i de Sonnmatt – sini langjährigi Kommunikationsverantwortlichi Marlise Egger isch au deby g’sy – zu öis g’seid: «Gällid, das hemmer guet g’macht, damals».

«Hemmer» het er g’seid. Und das zeigt, dass är unglaublich dankbar g’sy isch, dankbar i all dene, wo mit ihm zäme das Riiseprojekt g’stemmt hend. «Weisch, ohni euch alli, wär das ja gar nid möglich g’sy.»

Dankbar het är sich au det obe i de Sonnmatt immer wieder zeigt, gägenüber im Personal, dene, wo Musig g’macht, dene wo ihn b’suecht hend. Die Dankbarkeit – eini vo sine wunderbare Eigeschafte.

Ich ha de Franz au immer wieder als barocke Mönsch, als G’niesser dörfe erläbe, als eine, wo ne grossi Läbesfreud usg’strahlet het. Am Schluss, vo sim Läbe, isch das leider weniger möglich g’sy, aber wenn är sini Desserts, also sini Crème Schnitte, sini Schwarzwälder- oder ab und zue sini Kirschtorte hed chönne ässe, isch er sehr glücklich g’sy. Und denn isch mer wieder i Sinn cho, wie das damals g’sy isch, bim Zämeschaffe mit em Franz.

Es isch es Telefon cho vom Mafi, so hemmer sinere damalige Sekretärin dörfe säge: «Lisa, los de Franz bruucht dich. Chasch verby cho?» Was wie ne Befähl tönt, isch aber en Bitt g’sy. Und so hemmer e Termin abg’macht, meistens churz vor em Mittag. Und denn isch klar g’sy, z’erscht gömmer zäme go ässe. Zum Bispiel is Galliker, i Wildi Ma oder is Rössli uf Adligenswil. Und denn hemmer z’erscht üse gröschti Hunger g’stillt … de Franz het sine Salot gärn zu mier übereg’schobe. «D’Wanda Zucha», sini damaligi Huusärztin, «d’Wanda seid z’wor, ich setti chly g’sünder läbe, aber dier tuet de Salot au guet» … und wäret em Ässe hemmer denn über das diskutiert, was sis A’liege g’sy isch.

Es isch um Kultur g’gange, um Fraue- oder Jugendfroge, oder über nes Thema, wo’när sich nid so guet uskönnt het, und drum –interdisziplinär – d’Informatione und d’Meinige vo Lüüt ig’holt het, wo übers  entsprächende Fachwüsse verfüegt hend. Mängisch simmer drüü g’sy, mängisch füüf oder no meh … De Franz het immer alli i’glade. Nie het er e Quittig welle, alles het er sälber berappt und am Schluss isch er usserordentlich grosszügig g’sy, wenn’s ums Trinkgäld g’ange isch.

Grosszügigkeit – au eini, vo sine wunderbare Eigeschafte, im Gäh und im Dänke. Erstuunlich isch g’sy, dass är sich kei Notize g’macht, aber immer nochhär no genau g’wüsst het, was mier g’redt oder abg’macht hend. Do isch sini enormi Intelligänz zum Träge cho. Und de Wääg z’rugg i siis Büro het mängisch lang duuret, do es Grüezi a d’Helen, det es Schwätzli mit em Kurt, es churzes Hallo für s’ Ehepaar Meier, es nätts Wort für ne Unbekannti, wo sich bi ihm für sini Arbet bedankt het. Es offnigs Ohr und es fründlich Wort für alli, es het für ihn kei Mehbesseri gäh, Dünkelhaftigkeit het är nid könnt. Är het für sich au kei Privilegie welle in A’spruch näh.

De Franz het au kei Berüehrigsängscht g’ha. Legendär isch g’sy, wo’när anstatt a nes Musigfäschtwuche Konzärt im Kunsthuus inne, lieber dusse zu de Protestierende g’gange isch, und mit ihne s’Gpräch g’suecht het. Und das, wills für ihn immer wichtig g’sy isch, z’wüsse, was d’Mönsche i «sinere Stadt» bewegt. De Martin Gössi – Sädelurgestein, Punk und Comiczeichner – het sini Betroffeheit über de Tod vom Franz folgendermasse beschriebe:

«Sein Herz war grösser als alle Sehenswürdigkeiten Luzerns zusammen und er hat sich bis zuletzt eingesetzt für die Menschen, welche die Sonne selten sehen in ihrem Leben»: Mit welne Wort chönd mer s’Wese vom Franz besser beschriebe? De Franz het im Begriff Charisma es G’sicht gäh.

Ich muess zwar ehrlich gestoh, am A’fang hemmer im Herr Churzmeyer no nid so richtig trouet, mer sind nid ganz sicher g’sy, öb är üs, die us de damals so g’nannte «Alternativkultur», wirklich ärnscht nimmt, oder üs nume wott i’spanne für sini Zwäck. Är isch im Fall vo üs au nid so begeisteret g’sy, das het är mier spööter emol gestande. Är het uf ne Art Angscht g’ha und nid so rächt g’wüsst, wien’är mit eus seli umgah. Denn aber het är e wiiteri schöni Eigeschaft zum Trääge broocht: De Franz isch unglaublich lernfähig g’sy, er hett welle lehre. Und är het mier au g’seid, «weisch, vor allem vo de Fraue han ich dörfe lehre, die hemmer so viel biibroocht». Demit het er sini ängste Mitarbeiterinne g’meint. Aber sini innigst g’liebti Anna, isch i sym Läbe immer die wichtigste Frau und Berateri g’sy.

Ei letschti positivi Eigeschaft wett ich no erwähne: Är isch nid nachtragend g’sy. Oft sind ihm Stei i Wääg g’leid worde, mängisch vo dene, won’ärs nid erwartet het. Aber nie, wirklich nie het är über anderi schlächt g’redt. Im Gägeteil, är het en Erklärig g’suecht für s’Verhalte vo «dene» und au Verständnis zeigt.

Dankbarkeit, Grosszügigkeit, Offeheit, Intelligänz, Lernfähigkeit, Härzlichkeit und chönne Verzeihe…

Franz, du hesch miis Läbe beriicheret. Und grad no einisch ganz am Schluss vo diim Do-Sy: Danke für alles vo Härze.

Lisa Bachmann, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch.


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1. Dezember 2021: Hanns Fuchs schreibt über Herbert Fischer:
http://www.luzern60plus.ch/aktuell/artikel/ein-strurbock-im-medienzirkus

Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:
www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/