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Kolumne der Redaktion

25.07.2022

Journalist Hanns Fuchs mit 79 Jahren gestorben

Der bekannte Radiomann, Rudersport-Experte und Redaktor Hanns Fuchs ist im Unispital Zürich nach einer schweren Herzoperation gestorben. Mit ihm verlieren der Medienplatz Luzern und die Ruderwelt einen herausragenden Akteur, die populäre «Hafechäsmusig» ihren Bassisten und ein grosser Freundeskreis eine liebenswürdige Persönlichkeit.


17. November 2016. Hanns Fuchs vor der Matthäuskirche, wo soeben die Trauerfeier für Hans Peter Jaeger, während Jahrzehnten in der Redaktion des «Luzerner Tagblatts» eine prägende Figur, stattgefunden hat. Rechts hinter Fuchs: Hugo Bischof, Redaktor der «LZ», der als Journalist - wie Hanns Fuchs - ebenfalls beim «Tagblatt» gestartet war.

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel» (Eintrag vom 17. November 2016): Würdiger Abschied von Hans Peter Jaeger.

25. November 2015. Hanns Fuchs (links) war verheiratet mit der Journalistin Barbara Stöckli, die als Studienleiterin am MAZ arbeitet. Dieses Bild entstand am 25. November 2015 bei einer Buch-Vernissage in der ZHB. Zweiter von rechts: Beat Bühlmann, der für die Stadt das Projekt «60 plus» leitet; ein Freund des Ehepaars. Rechts: Historiker Werner Schüpbach.

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel» (Eintrag vom 25. November 2015): Neues Buch über Luzerns Geschichte erschienen (1).

20. Mai 2015. Hanns Fuchs spielt in der «Kornschütte» des Luzerner Rathauses bei einem Auftritt der «Hafechäsmusig», deren Mitgründer er ist, den Bass.

3. September 2011. Über die Entstehung der Uni Luzern ist ein Buch von Hanns Fuchs erschienen («Der Aufbruch»), das er hier an dessen Vernissage in der Uni-Bibliothek zeigt.

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel» (Eintrag vom 4. September 2011): Wie Luzern zu seiner Uni kam (1).

Bildkommentare und Bilder: Herbert Fischer

Hanns Fuchs als Berichterstatter des «Regionaljournals» 1991 in Brunnen, wo im Rahmen der Feiern zum 200 jährigen Bestehen der Eidgenossenschaft (CH91) ein Festumzug stattfand.

Bild: Emanuel Ammon / AURA

5. März 1979, als Fasnächtler Unter der Egg.

Bild: Hans Peter Jaeger / AURA

6. März 1970, im Büro von Tagblatt-Redaktor Hans Peter Jaeger, einem exzellenten Kenner der Fotografie und ihrer Geschichte, die er selber auf höchstem Niveau praktizierte. Er hatte die Angewohnheit, Mitarbeitende in unterschiedlichen Posen und Befindlichkeiten abzulichten und diese Bilder - wie eine Galerie - an der Wand zu zeigen. So entstand ein enorme Sammlung von Gesichtern aus der Stadt Luzern.

Meisterfotograf Emanuel Ammon, der Hanns Fuchs in den Siebziger Jahren im «Tagblatt» kennen und schätzen lernte, hat das Archiv von Hans Peter Jaeger geerbt und erschliesst es für die Nachwelt.

Bild: Hans Peter Jaeger / AURA

Wieder gilt es Abschied zu nehmen von einem Kollegen auf dem Medienplatz Luzern. Hanns Fuchs, der am 6. Januar 79-jährig geworden war, ist letzten Mittwoch (20. Juli) auf der Intensivstation des Zürcher Uni-Spitals nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit erwacht; dies, nachdem er bei einer Wanderung im Wallis vor vier Wochen zusammengebrochen ist und in Zürich eine achtstündige Herzoperation erfolgen musste.

Mit ihm geht für immer eine starke Persönlichkeit von seltenem Format und Profil; ein journalistisches Schwergewicht; ein Menschenfreund; geradlinig, bodenständig, anständig – das Gegenteil eines Schlitzohrs. Gewiss: Derlei Lob wäre ihm peinlich. Aber was gesagt sein muss, muss gesagt sein.

Der damalige Redaktor Hans Graber von der «Neuen Luzerner Zeitung» (heute «LZ») hat es am 5. November 2005 fertiggebracht, ein präzises Porträt dieses vielseitigen, farbigen und lebensfrohen Mannes zu zeichnen; vermutlich so, wie Fuchs diese Aufgabe erfüllt hätte, wenn er seinerseits eine andere Persönlichkeit seines Kalibers hätte nachzeichnen sollen. Besser als es Graber gemacht hat, lässt sich eine so spannende und ergiebige Figur wohl kaum auf so wenigen Zeilen charakterisieren (siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»).

Weil Fuchs authentisch war, war er nahbar, dachte, redete und schrieb er auffällig verständlich. Das ist nicht bei allen «Journis» so. Und obschon er als langjähriger Bundeshaus-Redaktor von Radio SRF (damals DRS) und als dessen Bonner Korrespondent (1993 bis 1998) zuhauf mit Eminenzen und Exzellenzen, Evidenzen, Impertinenzen und Penetranzen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport zu tun hatte, blieb er bodenständig und bescheiden, unaufgeregt, «cool» halt.

Das zeigt sich auch, aber nicht nur, daran, dass er für luzern60plus.ch neben «Promis» immer wieder auch Leuten «aus dem Volk» begegnete und sie feinsinnig und stimmig beschrieb. Sein Porträt beispielsweise über Ruedi Bürgi («Blumen Bürgi») auf besagter Plattform zeugt von dieser typischen Fuchs-Qualität: genau beobachten, unaufgeregt, aber lebendig erzählen, gegossen in eine flüssige Sprache, die wohldosiert und gekonnt auch mit träfen Helvetismen spielt. Denn auch das war Fuchs: ein feinfühliger, brillanter Schreiber (siehe unter «Links»).

Er praktizierte solides journalistisches Handwerk der alten volksnahen und unverschnörkelten Art, wie es heute kaum mehr anzutreffen ist. Denn «Fochshanns» war gut geerdet durch die Lebensrealitäten «gewöhnlicher Leute», selber «bloss gelernter Stromer», wie er mitunter selbst bekundete, keinerlei akademische Weihen. Er war der Sohn von Johanna Hodel, einer in Luzern allseits respektieren Frau, die sich unter anderem für die ausländischen Mitarbeitenden im Gastgewerbe und für die Alimentenbevorschussung engagierte; aktiv bei den Luzerner Liberalen und zwar explizit im «sozialen Flügel» verwurzelt; befreundet mit Franz Kurzmeyer und Walter Horcher; verpflichtet zentralen urliberalen Werten wie Toleranz nach allen Seiten und Schutz der Schwachen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt fordernd und fördernd. Das waren noch Zeiten.

Sohnemann Hanns erbte diese Haltung von seiner weitsichtigen und warmherzigen Mutter und dies kommt gut zum Ausdruck in einem Beitrag, den er am 4. September 2010 auf luzern60plus.ch über sie publizierte (siehe unter «Links»).

In den letzten Jahren freilich irritierte Hanns Fuchs immer wieder, indem er Positionen verinnerlichte und vertrat, die bei ihm noch wenige Jahre zuvor völlig undenkbar gewesen wären. Doch auch hier ging er seinen Weg unbeirrt, liess sich nicht biegen und beugte sich schon gar nicht. Ausgerechnet er, der wie seine Mutter während Jahrzehnten klar sozial- und gesellschaftsliberal zu verorten war, rückte immer mehr nach rechts. Das verstanden viele Leute in seinem Umfeld überhaupt nicht. Und rätselten über die Gründe, die ihnen jedoch rätselhaft blieben.

Wie andernorts schmelzen und schwinden die Printmedien bekanntlich auch in unserem Marktgebiet. Dies zeigt sich an schrumpfenden Umfängen der Zeitungen. Oder am Leistungsabbau der Redaktionen. Oder am wachsenden Desinteresse in der Bevölkerung an den klassischen Medien überhaupt. Wenn Leute wie Hanns Fuchs für immer weg sind, verblasst auch die Ausstrahlungskraft der einzelnen Titel, verkörpert durch so markante und respektierte MacherInnen wie ihn.

Dies fällt umso mehr auf, als kaum adäquater, kantiger Nachwuchs nachrückt mit Mut zu eigenen Positionen und starkem Rückgrat. Auch diese Zeiten so ist zu befürchten sind vorbei.  

Hanns Fuchs ist nicht mehr. Genauer: Er ist nicht mehr unter uns. Aber die Werte, die er vorgemacht und vorgelebt hat, überdauern ihn. Lebewohl, lieber Fochshanns, Du bist und bleibst mir ein Vorbild.

Herbert Fischer, mit Hanns Fuchs seit 1969 bekannt, Gründer und Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern

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In der «LZ» vom Dienstag, 26. Juli 2022, ist eine Todesanzeige der Angehörigen von Hanns Fuchs zu lesen. Darin heisst es: «Wir werden Hanns zu einem späteren Zeitpunkt verabschieden.» Siehe unter «Dateien».

Ebenfalls unter«Dateien»: Fuchs-Porträt von Herbert Fischer im «tv plus» vom 25. Mai 1992.

 

 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/