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Kolumne der Redaktion

09.06.2022

«Heirassa» ist wie Heimkommen

Es ist fast wie beim ersten Mal im Jahr 2005. Kein Déjà-vu mit der Erstausgabe von damals, aber in jenem Rahmen und Umfeld aufbereitet, das die Freunde feinster Volksmusik vom 16. bis 19. Juni mit Sicherheit auch bei der 17. Auflage in grosser Zahl nach Weggis reisen lässt. Das Heirassa-Festival hat sich im Laufe der Jahre aber auch einen weiteren Nimbus erschaffen.


Was als Aushang seit Jahren über dem Weggiser Heirassa-Festival steht, kann auch bei der 17. Auflage Wort für Wort übernommen werden. Volksmusik vom Feinsten!

Für das Musikprogramm verantwortlich zeichnen wie seit Beginn des «Heirassa», wie der Anlass inzwischen familiär genannt wird, Carlo Brunner und Willi Valotti.

Die beiden sind nicht nur die kompetenten Regisseure eines erneut vielstündigen Musikspektakels, sondern auch feinfühlige Wahrnehmer von Entwicklungen und Veränderungen, die sich auch in der Volksmusik einstellen. Dass sich die Szene seit Beginn des Festivals gewandelt hat, ist offensichtlich. Das Publikum ist samt einem wesentlichen Teil langjähriger Heirassa-Musikanten älter geworden, andere, auch uns liebgewesene Menschen und Freunde, sind nicht mehr unter uns. Das OK darf nach den anfangs Jahr erfolgten Vertragsverlängerungen mit den Hauptsponsoren Raiffeisenbank Rigi, dem Raiffeisen Regionalverband Luzern-, Ob- und Nidwalden, dem Co-Sponsor Ramseier sowie der seit Beginn bestehenden Zusammenarbeit mit den Rigi-Bahnen aber zuversichtlich der Jubiläumsausgabe «20 Jahre Heirassa-Festival» entgegenblicken. Das beruhigt die Fans, insbesondere auch die jungen, die immer zahlreicher werden.

Das Festival wurde einst einem klar definierten Konzept unterstellt. Das bewährte sich und führte zum Erfolg. Es ermöglicht etablierten Musikern und Formationen, die im Stil der damaligen Kapelle Heirassa musizieren, ganz automatisch Auftritte am Festival. Die Leitplanken erlauben aber seit Jahren auch jungen Volksmusikanten, ihre ersten und weiteren Einsätze zu bekommen. Etliche unter ihnen sind studierte Musiker, leben von der Musik und befassen sich auch ausgiebig mit ihr. Nicht nur im Bereich der Volksmusik.

Grossen Wert legen die Organisatoren und die Musikverantwortlichen auch auf die Förderung des Nachwuchses. Die Symbiose zwischen traditioneller und weiter entwickelter Volksmusik ist eines der typischen Elemente des Heirassa.

Heirassa, das zeigt der Blick ins diesjährige Programm, hat nicht nur einen hohen musikalischen Anspruch, sondern auch eine sich immer stärker bemerkbar machende Aura. Heirassa ist so etwas wie zurück- und nach Hause kommen. Wenn oben von Wandel und Veränderungen die Rede ist, so soll noch ein anderer Vergleich für jene Ausstrahlung stehen, die das Heirassa als solches ausmachen: Neben der Zeit, die sich gewandelt hat, haben sich auch Zäsuren eingestellt. Wo sind sie geblieben, die tollen, heimeligen Beizen im ganzen Lande, die in ihren Lokalen regelmässig Ländlermusik präsentierten? Wie schmerzlich vermissen wir namhafte Musiker und Formationen? Was ist aus der Steiner-Chilbi geworden, an die über Tage hinweg Tausende von Fans strömten und ihrem Hobby Ländlermusik frönten?

Heirassa ist nicht der Ersatz für die Steiner Chilbi, hat aber im Laufe der Zeit doch auch die Eigenart des Anlasses im Stauffacherdorf übernommen. In Weggis trifft man sich meistens bei legendärem Heirassa-Wetter, hier geniesst man eine wunderbare Natur, lässt beim Flanieren, beim Ruhen auf Bänken in den Pärken oder in den Restaurants die Blicke über den See schweifen, hier tauscht man sich aus, hier erfährt man bei Speis und Trank Fröhlichkeit und Unterhaltung, hier werden neue Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen, hier erfreut man sich insbesondere jener Musik, die zu uns und zur Schweiz gehört.

Je älter das Festival wird, eilt ihm der Ruf nach dem eben erwähnten Heimkommen voraus. Es melden sich die Erinnerungen und auch die Sehnsucht nach vergangenen Tagen. An Zeiten, als viele Kapellen in vielen Beizen aufspielten und es dem Publikum erschwerte, eine Wahl vorzunehmen.

Der Vergleich von damals mit dem heute auf Weggis zutreffenden Begriff «ein Volksmusikdorf, eine grosse Beiz, eine Familie» ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Tausende sind gerade aufgrund solcher Heirassa-Qualitäten immer wieder Gäste in Weggis. Hier bietet sich die Gelegenheit, neben neuen auch längst nicht mehr gehörte Formationen aufzustöbern und endlich wieder zu hören. Im Dorf rundum, wie früher rundum im Lande.

Einzelne Konzerte zum Besuch zu empfehlen, ist schwierig. Die Geschmäcker sind auch hier verschieden. Tipp: Genau das auswählen, wozu Lust besteht, das herauspicken, was persönliche Rosinen sind. Es dürfte allerdings niemandem gelingen, überall Präsenz zu zeigen, weil aus planerischen Gründen auch gewisse Überschneidungen vorgegeben sind. Sie sind unter Berücksichtigung der Wünsche und insbesondere der Verfügbarkeit der Musiker nicht zu umgehen. Beispiele, um vielleicht noch besser einteilen zu können: Als Konsument traditioneller, aber auch neuer, innovativer Musik - und das entsprechende Angebot nutzen wollend - ist der Fan hin und her gerissen. Da hat er allenfalls das Orchestre Bernard Henchoz schon seit Jahren nicht mehr, die ziemlich neue Streichmusik »Gwandsenn» aber noch gar nie gehört. Sollen es die Kapelle Peter Hess oder RSGM (Res Schmid/Gebrüder Marti) am Freitagabend, Sepp Furrer oder Brand/Steiner am Samstagabend sein? Oder gleichentags schon vor Mittag: Die Kapellen Guido Distel, Wachter/Rutz oder Örgeliwirbel, die alle zeitgleich aufspielen? Und gleich anschliessend die kleinste Schwyzerörgeli-Grossformation Söck oder BöSCHmidig?

Die Fans werden sich mit Garantie zu helfen wissen, was kurioserweise auch mal zu vorübergehenden Trennungen von Gemeinschaften führt. Während Frau hier geniesst, sitzt Mann auch mal anderswo. Gut so! Durchaus möglich somit auch im Fall vom Sonntagmittag, wenn die Formationen «Gläuffig» und «Interfolk» gleichzeitig, aber auf verschiedenen Plätzen aufspielen. Willi Valotti und Carlo Brunner weisen im Zusammenhang mit Überschneidungen übereinstimmend auf die Alternative hin. Erfahrungsgemäss werden mitunter Plätze in den Restaurants reserviert. Lokalwechsel und somit Kurzbesuche von Konzerten generieren da und dort aber immer wieder freie Stühle.

Selbstverständlich ist auch das diesjährige Festival gespickt mit Spezial- und Jubiläumskonzerten. Sie nehmen ihren Anfang bereits an Fronleichnam. Der Feiertag in der Innerschweiz wurde erneut ins Programm aufgenommen und dürfte den Pavillon am See ab Mittag um 12 Uhr wohl aus allen Nähten platzen lassen.

Willi Valotti und seine Wyberkapelle feiern dieses Jahr ihr «20-Jahre-Bühnenjubiläum» und werden die Heirassafamilie mit einem rund dreistündigen Konzert beehren und ins Festival einführen. Die Kapelle Gebrüder Hess wird anschliessend übernehmen und die Startstimmung samt Publikum in den heiteren Abend führen, der dieses Jahr konzentriert in der Mehrzweckhalle stattfindet. Welch tolle Idee, dort einige Spitzenmusiker zu vereinen und sie entweder in ihren Formationen, oder wie angekündigt, in einer Heirassa-Stubete auch bunt gemischt aufspielen zu lassen. Wir dürfen uns auf die Kapellen Ribary/Wicky, Willis Wyberkapelle, Nicolas Senn & Sennemusig, Peter Schär sowie Claudia Muff (die neue Trägerin des Goldenen Violinschlüssels) freuen.

Der Freitagnachmittag ab 15 Uhr im Pavillon gehört der Kapelle Carlo Brunner!! Ausser dem doppelt gesetzten Ausrufezeichen ist dazu nicht mehr zu erwähnen. Die Abenderöffnung im Pavillon wird wie jene am Samstagabend von Formationen bestritten, die anschliessend in die Restaurants ausschwärmen und, wie anderswo erwähnt, da oder dort die Qual der Wahl auslösen.

Im Pfarreiheim gibt die Thomas Biasotto Bigband ein Konzert. Sie hat schon einige Male am Heirassa Festival gespielt, insbesondere am Sonntag an der Heirassa-Matinee zusammen mit der Superländlerkapelle Carlo Brunner. Die Solisten und die Big Band kombinieren bekannte Volksmusiktitel mit fettem Big-Band-Groove. Die Band war auch schon in «Viva Volksmusik» Gast und es gibt von ihr auf CDs Beiträge mit bekannten Volksliedern und Tänzen mit Titeln wie «Hopp de Bäse Kurt», «Metzgers Märtel», «Urnerbode Kafi» oder «Heirassa Bossa». Schweizer Volksmusik im Glenn Miller Sound: Ein Tipp für Geniesser auch anderer Musikstile.

In der Mehrzweckhalle geht derweil mit dem «quartett waschächt» und der Kapelle Urs Brühlmann die Post ab. Dort, wo bei ganz schlechter Witterung auch die Pavillonkonzerte durchgeführt würden, finden erfahrungsgemäss Tänzerinnen und Tänzer immer eine tolle Plattform. Eine Besuchergruppe übrigens, die leider auch nicht mehr in der Anzahl früherer Jahre vorzufinden ist.

Die Stauffenbergmusikanten eröffnen am Samstagvormittag den dritten Heirassa-Tag, bevor die Crew von SRF um 12 Uhr den Soundcheck und anschliessend die Live-Sendung im Radio präsentiert. Für viele Volksmusikfreunde immer wieder ein Erlebnis, weil sie damit die Gelegenheit haben, auch hinter die Kulisse solcher Livesendungen zu blicken.
In der «Hofmatt» dürften sich am Samstagnachmittag Besucherinnen und Besucher an den Klängen von Kindern und Jugendlichen erfreuen, welche ihr Rüstzeug in der Musikschule der Seegemeinden holen: «iiheimischs Gwächs», das sich dereinst zu blühenden Heirassa-Pflanzen und Blumen entwickeln könnte. Ebenso wie jene Nachwuchstalente, die Claudia Muff am frühen Sonntagnachmittag in der reformierten Kirche präsentiert. Der Samstag bietet weitere Höhepunkte: Tessinerklänge sollen im «Gotthard» erste musikalische Eindrücke vermitteln, wie sie dann am Eidgenössischen Volksmusikfest im Herbst 2023 in Bellinzona vermehrt zu hören sein werden.

In der katholischen Kirche laden die Mannen der Heirassa-Revival-Formation zu ihrem traditionellen einstündigen Konzert, und der musikalische Abend im Pfarrheim zum 70. Geburtstag von Walter Alder dürfte auch aus anderen Gründen begehrenswert sein: Drei Alder-Generationen werden zusammen musizieren: Erfreulicherweise ist mit den jüngsten Sprösslingen Benjamin (14, Klavier) und Josephine (12, Violine) bereits die sechste Altersgruppe dieser legendären Dynastie aus Urnäsch in Weggis mit dabei.  Lassen Sie sich - wie von vielem anderen - überraschen!

In der Mehrzweckhalle, wo sich die Ländlerfans schon früh am Abend treffen, aber nach besuchten Spezialkonzerten gegen Mitternacht auch die «Schlummerbecherfraktion» auftaucht, sorgen Edi Wallimann/Sepp Wipfli und das Handorgelduo Thedy und Dani Christen für volkstümliche Partystimmung.

Die Sonntagsmesse wird vom Ensemble «BergMusik» mit Maryna Burch, Dani Häusler und Severin Suter musikalisch umrahmt. Ein besonderes und würdiges Unterfangen mit Heirassa-Musik, zusammen mit der Orgel, der Königin aller Instrumente, im sakralen Umfeld. Dieser traditionell besinnliche Auftakt am Heirassa-Sonntag erfährt mit der Heirassa-Matinee mit Carlo Brunners Superländlerkapelle am Übergang zum finalen Nachmittagsprogramm wie seit Jahren jenen Höhepunkt, der die Fans zum grossen Schlussbouquet im Pavillon zusammenführt. Die einen bleiben dort sitzen, andere schwärmen nochmals zu weiteren Nachmittagskonzerten aus.

Ob das interessante Projekt AKKORDEONissimo» mit ganz jungen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten eine Einladung wird, dass sie sich künftig wieder vermehrt auch zu klassischen Akkordeonduos zusammenzulegen, wird die Zukunft zeigen. Einige aktuelle Duos sind im Musikprogramm aufgeführt und folglich am Festival akustisch präsent. Es zirkuliert jedoch verstärkt die Erkenntnis, dass die Fans neben den etlichen Handorgelduos, die im sehr beliebten und entsprechend boomenden sogenannten Illgauerstil (zwei Handorgeln und Bass) aufspielen, solche im Innerschweizer-Stil (Heirassa-Musik) mit erwähnter Besetzung plus Klavierbegleitung vermissen. Erinnerungen an Ensembles wie Betschart/Rogenmoser, Bucheli/Della Torre, Näf/Häusermann, Grob/Nauer, Echo vom Hemberg, Toggenburgerbuebe, usw. werden wach. Es gibt sie zwar noch, die Hählen/Perreten, Betschart/Müller, Suters, Wachters, «waschächt», Valotti/Ulrich in der Wyberkapelle, Fredy/Sigi Reichmuth, Meier/Gwerder und so weiter. Vielleicht geben aber auch die extra für das Festival gebildeten Duos Urs Meier/Willi Valotti oder Markus Nauer/Fredy Reichmuth Anregungen für heutige Protagonisten der Akkordeonszene, sich zusammen zu legen. Die Szene würde die durchaus runde, lüpfige, feinfühlige, konzertante Akkordeonmusik auch im Heirassa-Stil bestens ertragen.

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Die «Biberegg-Sitzung» fixiert das Heirassa-Programm

Es ist seit vielen Jahren das gleiche Ritual: Ungefähr Ende Januar treffen sich die musikalischen Leiter des Heirassa-Festivals, Carlo Brunner und Willi Valotti, zusammen mit dem Präsidenten des Heirassa-Vereins, Beni Nanzer, und dem OK-Präsidenten, Josef Odermatt, im Restaurant Biberegg in Rothenthurm zur Programm-Sitzung. Die grosse Arbeit ist dann allerdings bereits getan. Die beiden Musikchefs beginnen jeweils mit der Planung im Herbst. Wer kommt in Frage? Wer ist frei? Gibt’s neue Talente? Welche Kombination von Stil und Besetzung ist ideal für die Gäste? Welches Lokal passt zu welcher Formation? Diese und viele weitere Fragen sind an der Biberegg-Sitzung meist schon geklärt, sonst werden sie dann besprochen. «Ich bin jedes Jahr gespannt, was uns Carlo und Willi wieder Gutes präsentieren. Und jedes Jahr erfreut!», sagt Beni Nanzer. Dann kommen jeweils organisatorische Punkte zur Sprache, z.B. Öffnungszeiten, Moderationen, Kassawesen, Festwirtschaft, Terminplanung usw. Josef Odermatt, OK-Präsident: «Das ist immer eine wichtige und auch inspirierende Sitzung. Da werden oft schon Weichen für spätere Heirassa-Festivale gestellt. Das werden wir so beibehalten, ganz nach dem Motto der CD zum 70. Geburtstag von Seebi Reichmuth (1933 – 2016) von der Biberegg: ‘Einmal Biberegg – immer Biberegg!’».

(Dies ist eine Medienmitteilung des OK)


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/