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Kolumne der Redaktion

27.06.2021

Warum das Bashing des Ex-Armeechefs André Blattmann verlogen ist

Angeführt von der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) tobt seit einer Woche eine Beschimpfungskampagne gegen den früheren Chef der Schweizer Armee, Korpskommandant a D André Blattmann. Dabei müsste sie sich, wenn überhaupt, gegen die «NZZ» richten.


25. Juli 2015. Korpskommandant André Blattmann, damals Chef der Armee (links, zusammen mit Oberst Peter Tschantré von der Schweizerischen Offiziersgesellschaft) unterwegs zum Rütlirapport 2015.

Siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»: Eintrag vom 25. Juli 2015.

Bild: Herbert Fischer

Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen irren seit letztem Montag hohe und höchste Militärs und bürgerliche PolitikerInnen von Mikrofon zu Mikrofon, traktieren wutentbrannt die Tastaturen ihrer Computer zwecks Abfassung erzürnter Leserbriefe und Statements und tun so ihre Abscheu über eine «Ungeheuerlichkeit» kund, die sich der frühere Armeechef André Blattmann erlaubt haben soll; haben soll.

Denn genau genommen ist in vorstehender Causa nicht Korpskommandant André Blattmann der «Schuldige». Sondern die «NZZ», genauer ein Redaktor und veritabler Oberst im Generalstab namens Georg Häsler Sansano, der dort das Thema Sicherheitspolitik behandelt.

Doch der Reihe nach.

Die Schweizer Armee soll bekanntlich neue Kampfflugzeuge erhalten. Blattmann hat dazu eine eigene Meinung, die sich nicht mit dem Vorgehen deckt, wie es nun in Bundesbern aufgegleist ist. Er formulierte seine Einwände in einem neunseitigen Papier, das laut ihm nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war.

Zwischenruf: Es geht in diesem Kommentar hier auf lu-wahlen.ch nicht um die Frage, ob Blattmanns Kritik berechtigt ist, oder nicht; da kann und will der Kommentator nicht mitreden. Es geht um die Frage, was daraus gemacht wird, wie die Wahrheit gebogen, beziehungsweise ein wichtiger Teil von ihr ausgeblendet wird und wie letztlich gelogen wird. Und wie Blattmann nun gebasht wird, dass sich der Teufel graust. Und zwar unberechtigterweise.
 
Wenn ein früherer Armeechef in einer solch heiklen Frage engagiert Position bezieht, hat das Gewicht, grosses Gewicht sogar. Weicht seine Position gar von der «offiziellen Linie» des Beschaffungsprojekts in Bundesbern ab und richtet sich die Kritik gegen zentrale Inhalte desselben (zum Beispiel: Anforderungsprofil, Anzahl zu beschaffender Kampfjets, Berechnungsmodell für die wahren Kosten während der gesamten Lebensdauer der Flieger), so tickt eine Zeitbombe. Dies unter anderem, weil die Linke nur darauf wartet, das Projekt abzuschiessen.

Das muss – oder müsste – André Blattmann gewusst haben. Immerhin formulierte er seine Bedenken nicht öffentlich, sondern liess das Papier nur ausgewählten Persönlichkeiten zukommen. Es war aber – gelinde gesagt – naiv von ihm ausser acht zu lassen, dass seine Einwände, wie auch immer, in Hände geraten könnten, die nur darauf warten, daraus genüsslich zu zitieren und ihn als Kronzeugen gegen die Flugzeugbeschaffung vorzuführen.

So viel Kritik an Blattmann muss sein! Aber damit hat es sich auch schon. Jetzt aber beginnt der widerliche, um nicht zu sagen ekelerregende Teil dieser Geschichte.

Wäre nämlich Blattmanns Papier zur «WOZ» gelangt oder zu republik.ch oder zum «Blick» oder zum «Tagesanzeiger»: ihre RedaktorInnen hätten euphorisch darüber berichtet. Sie wären womöglich heftig kritisiert worden, es gehe doch nicht an, unerlaubterweise ein solches Dokument zu veröffentlichen. Das hätte ihnen jedoch niemand wirklich verübeln können, denn sie gehören – zusammen mit der Rundschau» von SRF – zu den noch ganz wenigen Medien, die solche Stories recherchieren und veröffentlichen. Das hätte allerdings Blattmann vom Vorwurf der Naivität nicht reingewaschen und die Brisanz seiner Vorbehalte nicht entkräftet.

Das Blattmann-Papier aber – man höre und staune – hat die «NZZ» öffentlich gemacht und zwar mittels eines ganzseitigen Berichts letzten Montag (siehe unter «Dateien»). Jene «NZZ», deren Redaktion unter den Deutschschweizer Tageszeitungen als letzte Bastion des eidg. dipl. Wehrwillens gilt; die – je nach Lage und Auftrag – lustvoll den Zweihänder schwingt, um Armeegegner wie die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee zur Schnecke zu machen.

Mit anderen Worten: Die ganze Kritik, die sich jetzt über André Blattmannn ergiesst, sollte richtigerweise über der «NZZ» niederprasseln. Sie hat eine Quelle angezapft, die – jedenfalls so – nicht für sie bestimmt war. Und die – dies vor allem – höchst vertraulich zu behandeln gewesen wäre.

Unter anderem der Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, Generalstabsoberst Stefan Holenstein, beschimpft Blattmann seit Tagen übelst, erwähnt aber jeweils in seinen Tiraden mit keinem Wort die «NZZ» als Multiplikatorin seines inkriminierten Papiers (siehe unter «Dateien»).

Noch verlogener wird das Blattmann-Bashing durch Holenstein und Konsorten, das eigentlich die «NZZ» im Visier haben sollte, dadurch, dass der Autor des besagten Artikels Georg Häsler Sansano ist, der seinerseits – man höre und staune – in der Schweizer Armee im Rang eines Obersten im Generalstab wirkt. Man fragt sich: warum tat er dies?

Will er so mithelfen, den «F 35» abzuschiessen? Wenn ja: warum? Würde er einen anderen Kampfjet bevorzugen? Wenn ja: welchen und warum? Oder hat Ex-Korpskommandant André Blattmann bei ihm eine alte Rechnung offen? Will Georg Häsler Sansano Verteidigungsministerin Viola Amherd schwächen? Wenn ja: warum? Fragen über Fragen!

Vor allem aber: Warum macht ausgerechnet die ansonsten so armeetreue «NZZ» so etwas, warum ausgerechnet nützt sie der Linken?

Merkwürdigerweise hat bislang – soweit hierwärts erkennbar – kein einziges Deutschschweizer Medium diese brisanten Fakten referiert und gebührend verortet.  

Vor allem stellt sich doch die zentrale Frage: Warum wird Blattmann als Sünder vorgeführt, der aber eigentlich Häsler Sansano ist – eben und nochmals: weil er es war, der das Blattmann-Papier publik gemacht hat.

Wer diese Fakten jetzt kennt, wird zustimmen: das Blattmann-Bashing ist verlogen. Und zwar, weil es (bisher) mit keinem Wort erwähnt, wer den ganzen Wirbel entfacht hat.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, mit André Blattmann weder persönlich bekannt, verwandt noch verschwägert, noch sonst irgendwie «verbandelt», Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/