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Kolumne der Redaktion

22.05.2021

Wir dürfen stolz sein auf den Pioniergeist, auf die Weitsicht und auf den Erfindergeist

Eigentlich hat Simonetta Sommaruga mit der Rigi seit ihrer Kindheit ein Problem. Allerdings nicht, wenn sie sie von Vitznau her erreichen will. Warum das so ist, erzählte sie gestern beim Start des Festes zumm 150-Jahre-Jubiläum der Rigi Bahnen, deren Erfindern, Begründern und Erbauern sie grossen Respekt zollte. Hier ist die Rede im Wortlaut zu lesen.


Bundesrätin Simonetta Sommaruga gestern Freitag (21. Mai) in Vitznau. Neben ihr Karl Bucher, Verwaltungsratspräsident der Rigi Bahnen AG, und (ganz rechts) Vincent Ducrot, CEO der SBB. Die Geleise im Boden dienen den Lokomotiven der Rigibahnen dazu, zu wenden; sei es, um wieder auf den Berg, oder um ins Depot zu fahren.

Bild: Herbert Fischer

Über das ganze Jubiläumswochenende kamen 8000 Gäste auf die Rigi. Das ist angesichts der Wetterprognosen für das Pfingstwochenende und erst recht trotz «Corona» ein schöner Erfolg.

Die Parallelfahrt der Lokomotiven 16 und 17 zwischen Rigi Staffel und Rigi Kulm filmen und fotografieren zu können, war für viele Bahnfans ein aussergewöhnliches Erlebnis.

Die drei Dampflokomotiven 16 (1923) 7 (1873), und 17 (1925) nebeneinander auf Rigi Staffel.

Bilder: Katharina Bertaggia / Rigi Bahnen AG

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Wirtschaft und der Bahnen, liebe Rigianerinnen und Rigianer, liebe Anwesende

Wir feiern heute 150 Jahre Rigi Bahnen. Das ist wunderbar und ich freue mich sehr, dass ich an diesem ganz besonderen Moment zusammen mit Ihnen hier sein kann.

Für mich persönlich ist aber auch noch ziemlich wichtig, was vor 30 Jahren geschah: Da haben nämlich die Arth-Rigibahn und die Vitznau-Rigibahn fusioniert. Ohne diesen Zusammenschluss, wäre es für mich heute etwas schwierig gewesen, dabei zu sein.

Warum? Weil ich in einen ziemlichen Loyalitätskonflikt hineingeraten wäre.

Ich bin – wie Sie wissen – im Freiamt aufgewachsen und habe in Immensee die Schule besucht. Das heisst: Ich gehöre aufgrund meiner Kindheit und Jugend eher auf die Arth-Rigi-Seite, und ich gebe es gleich zu: Ich habe die Arth-Rigi-Bahn schon viel öfter benutzt.

Wobei: Die Erinnerungen an die Arth-Rigi-Seite sind nicht ganz ungetrübt. Ich erinnere mich nämlich daran, dass ich als 8-Jährige einmal in einem Ferienlager im Rigi-Klösterli war – und furchtbar Heimweh hatte (also: nichts wie weg wollte!). Solche schweren Erinnerungen belasten mich auf der Vitznau-Rigi-Seite nicht.

Und dann gibt’s natürlich noch etwas, das für die Vitznau-Rigi-Bahn spricht: Sie war ganz einfach zuerst da. 1871: die erste Zahnradbahn in Europa. Darauf kann man stolz sein.

Wobei: Sie hatte es damals nicht ganz bis Rigi-Kulm geschafft, sondern nur bis Rigi-Staffel. Der letzte «Bitz» war halt auf Schwyzer Boden – und diesen Vorteil behielten die Arther für sich.

Und bei der Elektrifizierung hat die Arth-Rigi-Bahn wiederum die Nase vorn gehabt.

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Meine Damen und Herren

Sie sehen, warum ich zu Beginn gesagt habe, ich wäre hin- und hergerissen gewesen, wenn sich die beiden Bahnen vor 30 Jahren nicht zusammengeschlossen hätten.

Aber heute müssen wir nicht mehr darüber reden. Heute können wir uns einfach freuen – und auch ein bisschen stolz sein. Auf den Pioniergeist in unserem Land, auf die Weitsicht, auf den Erfindergeist. Alles Qualitäten, die unser Land in diesen 150 Jahren weitergebracht haben.

Gerade wenn wir die Bahnen und ihre Infrastruktur anschauen, die wir in unserem Land haben – da sieht man – bis heute – was unser Land prägt:

Menschen mit Köpfchen, Menschen mit Ideen, Menschen, die unser Land weiterbringen wollen, technisches Know-how, ein gutes Handwerk und eine Berufsbildung, auf die wir auch heute stolz sein können.

Niklaus Riggenbach – ihm haben wir schliesslich diese erste Bergbahn Europas zu verdanken – hat als Mechanikerlehrling angefangen – und Grosses zustande gebracht.

Wenig später haben unsere Ingenieure auch den Bürgenstock, den Pilatus und das Stanserhorn, die Bündner und die Walliser Berge erschlossen. Und für unsere Eisenbahnen Viadukte und Tunnels bis in die hintersten Täler gebaut. Dieser Pioniergeist kommt uns auch heute noch zugute: Mit Lötschberg, Gotthard und Ceneri haben wir unlängst eine Flachbahn durch die Alpen erstellt, die uns rascher von Nord nach Süd bringt – und den Alpenschutz stärkt!

Klar: Es braucht auch immer wieder Menschen in der Wirtschaft und in der Gesellschaft, die bereit sind, solche guten Ideen zu unterstützen und ihnen zum Durchbruch zu verhelfen. Und es braucht die Politik, die die richtigen Rahmenbedingungen setzt.

Es ist übrigens genau das, was ich auch bei meinen Besuchen in den verschiedenen Betrieben sehe, wenn es um den Bau von Zügen geht, aber auch um Elektro-Lastwagen, um Energie oder um klimafreundliche Technologien: Auch heute haben wir ein Potenzial in unserem Land, auf das wir stolz sein dürfen.

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Meine Damen und Herren

Ich überbringe Ihnen die besten Wünsche des Bundesrates, ich gratuliere herzlich zum 150-jährigen Jubiläum der Rigi Bahnen und danke allen, die zu diesem wichtigen Kulturgut auch weiterhin Sorge tragen!

Simonetta Sommaruga, Bundesrätin 

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Diese Rede der Verkehrsministerin ist auch unter «Dateien» zu lesen.

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel»: Bilder und Bericht vom Festauftakt am Freitag in Vitznau (Eintrag vom 21. Mai, 10:43h).


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/