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Kolumne der Redaktion

26.04.2021

Extreme «Agrar-Initiativen» schaden viel und nützen nichts

Die «Trinkwasser»- und die «Pestizidfrei-Initiative» sprechen wichtige Themen an, schiessen aber am Ziel vorbei. Die beiden Initiativen schaden viel und nützen nichts. Sie schränken die Produktion einheimischer Lebensmittel stark ein und führen zu mehr Importen. Sie gefährden Arbeitsplätze und setzen Existenzen aufs Spiel.


Sie erklärten heute Montag (26. April) den Medien, warum sie gegen die «Agrar-Initiativen» sind (von links): Damian Müller, Priska Wismer, Urs Brücker, Markus Kretz, Angela Spiess und Peter With.

Am 13. Juni kommen die beiden Initiativen «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» vors Volk. Die Initiativen sprechen wichtige Themen an, schiessen aber am Ziel vorbei.

Markus Kretz, Präsident des Luzerner Bäuerinnen und Bauernverband, stellt klar: «Die Trinkwasserinitiative hat mit Trinkwasser nicht viel zu tun. Sie zielt ausschliesslich auf die Direktzahlungen.» Die Initiative will alle Betriebe von den Direktzahlungen ausschliessen, die Pflanzenschutzmittel einsetzen oder Futter für ihre Tiere zukaufen. «Damit sind auch Biobetriebe direkt betroffen», so Kretz. Die Pestizidfrei-Initiative wolle den Einsatz von synthetischen Pestiziden in der Land- und Ernährungswirtschaft gesamthaft verbieten und schliesse auch die Importe mit ein.

Bessere Lösung ist erarbeitet

Für Bäuerin und Nationalrätin Priska Wismer (CVP) ist völlig klar: «Es liegt in unserem Interesse und es ist unser Wille, die natürlichen Grundlagen unserer Arbeit zu bewahren.» Fast 20 Prozent der Landwirtschaftsfläche in der Schweiz dient heute der Förderung der Biodiversität. Das entspricht mehr als der dreifachen Fläche des Bodensees. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der konventionellen Landwirtschaft hat sich seit 2008 um über 40 Prozent reduziert, der von Antibiotika gar halbiert.

Trotzdem sei festzustellen, dass die beiden Initiativen offenbar ein vorhandenes Unbehagen in der Bevölkerung aufnehmen. Darum habe das eidgenössische Parlament die beiden Initiativen nicht einfach abgelehnt, sondern eine bessere Lösung erarbeitet. «Mit dem neuen Pestizid-Gesetz müssen die Risiken durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln für Gewässer, Trinkwasser und naturnahe Lebensräume bis 2027 um 50 Prozent sinken», so Priska Wismer weiter.

Arbeitsplätze nicht unnötig gefährden

Schweizweit stellt die Land- und Ernährungswirtschaft über 300 000 Arbeitsplätze sicher. Mehr als die Hälfte hängen direkt von der einheimischen Lebensmittelproduktion ab, darunter auch Käsereien, Metzgereien, Handels- oder Verarbeitungsbetriebe. Peter With erinnert als Präsident des Luzerner KMU- und Gewerbeverbandes daran, dass verschiedene erfolgreiche Verarbeitungsbetriebe ihren Sitz im Kanton Luzern haben. «Speziell die Pestizidfrei-Initiative ist für die Luzerner Ernährungswirtschaft hochproblematisch.»

Mit der Initiative dürfen nur noch Lebensmittel in die Schweiz kommen, die ohne synthetische Pestizide produziert worden sind. Es sei zum Beispiel fraglich, ob Verarbeitungsbetriebe genügend Bio-Kaffee- oder Kakaobohnen auf dem Weltmarkt finden. Pestizide brauche es zudem, um eine einwandfreie Lebensmittelqualität sicherzustellen. «Unrealistische Auflagen und Beschränkungen gefährden erfolgreiche Unternehmen und unsere Arbeitsplätze.»

Wahl zwischen Pest und Cholera

«Die Pestizidfrei-Initiative bringt ein weiteres Problem mit sich», erläutert FDP-Ständerat Damian Müller. Die Importauflage sei ein Verstoss gegen die WTO-Verpflichtungen. Letztlich gäbe es zwei Varianten: «Entweder tritt die Schweiz aus der Welthandelsorganisation aus. Das führt zu einem Angebotsdiktat und zu Einkauftourismus, gleichzeitig aber zu einem klaren Nutzen für die Umwelt. Oder die zweite Variante ist, dass wir die Forderung einseitig nur für die Schweizer Produktion umsetzen. Das führt zu einer Verdrängung der einheimischen Rohstoffe und Landwirtschaftsbetriebe vom Markt und erhöht unseren ökologischen Fussabdruck im Ausland. Eine Wahl also zwischen Pest und Cholera», bringt es Damian Müller auf den Punkt.

Mehr Eier aus Industriehallen in Ungarn

Als Präsident der Futtermittelfabrikanten weist Damian Müller zudem auf die marktfremde Forderung der Trinkwasserinitiative betreffend Fütterung hin: Die wenigsten Betriebe mit Hühnern oder Schweinen verfügen über ausreichend Ackerland, um ihre Tiere zu füttern. Sie müssten ihre Produktion einschränken oder ganz aufgeben. Das bestätigt Bio-Bäuerin Angela Spiess. Ihren Betrieb in Herlisberg hat die Familie Spiess bereits 1994 vollständig auf Bio umgestellt. «Es ist völlig unrealistisch, dass wir als Biobetrieb unsere Hühner mit selbst produziertem Futter versorgen können, so wie es die Trinkwasserinitiative verlangt. In der Hügelzone ist das unmöglich.» Ihr Biobetrieb müsse bei Annahme der Initiative die Eierproduktion stark reduzieren oder gar ganz darauf verzichten. Die Folge ist für Angela Spiess klar: «Weniger Bio-Eier aus Schweizer Familienbetrieben, dafür mehr Eier aus den grossen Industriehallen von Ungarn, Italien oder Deutschland!»

Kein Nutzen für die Umwelt

Diese Befürchtung teilt auch glp-Kantonsrat Urs Brücker. Diese Initiative nütze dem Trinkwasser nichts. Mit einer Studie habe Agroscope wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Initiative der Umwelt insgesamt sogar schade. Die Folge einer Annahme wäre, dass noch mehr Landwirtschaftsprodukte aus dem Ausland kämen. Der einheimische Raps, der Speiseöl liefert, ist zum Beispiel auf gewisse Pflanzenschutzmittel angewiesen. Noch mehr importiertes Palmöl dürfe nicht die Alternative sein. Urs Brücker: «Wir alle wollen sauberes Trinkwasser und eine intakte Umwelt. Mit dieser Initiatuve erreichen wir das nicht.»

(Dies ist eine Medienmitteilung des Luzerner Komitees Extreme «Agrar-Initiativen» Nein)


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/