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Kolumne der Redaktion

08.10.2020

Doch, das WEF soll auf den Bürgenstock kommen, aber mass- und rücksichtsvoll

Es war so sicher wie das Amen in der Kirche, dass sich die hiesige Linke darüber empören wird, dass sich im Mai 2021 auf dem Bürgenstock das WEF zu versammeln gedenkt; wenn auch - im Vergleich zur Homebase Davos - in abgesteckter Form; von wegen «Corona».


Die SP will bekanntlich «den Kapitalismus überwinden» und da würde es kaum verstanden, wenn - zum Beispiel - die SP des Kantons Luzern sich nicht dazu vernehmen liesse, was sie davon hält, dass sich auf dem Bürgenstock bald die globale Top-Elite aus Wirtschaft und Politik - für sie schlechthin der Inbegriff des Bösen - ein Stelldichein gibt. Die Ankündigung dieses Meetings ist für die SP geradezu ein Steilpass, sich darüber auszulassen. Und, dies vor allem, zu entsetzen. Ihre beiden Kantonsräte Simone Brunner und Hasan Candan stellen deshalb dem Luzerner Regierungsrat konkrete Fragen (siehe unter «Dateien»).

Die linke Kritik am WEF ist so alt wie das WEF und es gehört zur liberalen Demokratie, dass sie immer und überall geäussert werden kann und soll; null Problemo! Nur ist sie inzwischen etwas gar abgelutscht, diese Kritik. Und kaum taucht irgendwo das Reizwort WEF auf, weiss man - zumindest allermeistens - schon im voraus, wie es aus selbiger Küche zurückhallt. Mit anderen Worten: Bellt mal schön und laut Ihr Linken – die Karawane zieht weiter.

Nun aber ist es etwas komplizierter sonst, als im üblichen «Anti-WEF-Muster».

Der Tourismus, speziell das Gastgewerbe kämpft bekanntlich ums Überleben; abermals: von wegen «Corona». Und es ist um jeden Franken froh, der sich verdienen lässt, aber wirklich und definitiv um jeden «Schtutz»!

Das WEF auf dem Bürgenstock wird dem Gastgewerbe - und nicht nur ihm - in unserer Region fraglos Einnahmen in Hülle und Fülle bescheren, die es dringendst braucht, um überhaupt überleben zu können. Die Lage ist sehr, sehr ernst! Das von «Corona» brutal gebeutelte Gastgewerbe lechzt und hechelt nach Verdienst aus Beherbergungen und Bewirtungen, wie sie ganz bestimmt aus dem WEF auf dem Bürgenstock nur so sprudeln werden. Denn es ist ja nicht allein die Crème de la Crème, die oben auf dem Berg der Bonzen Hof hält. Dieser Mega-Event verursacht eine auch personalintensive Infrastruktur, die unmöglich allein auf dem versnobten Bürgenstock untergebracht und verköstigt werden kann. Davon werden auch Luzern und seine Region profitieren.

Vergessen wir nicht: Unzählige Gastrobetriebe kämpfen «nicht nur» um ihr eigenes Überleben. Es sind auch tausende von Arbeitsplätzen, die es auf Teufel komm raus zu erhalten gilt. Mit aller Kraft!

Das ist der eine, der vordergründige Teil dieser Diskussion, die jetzt anzulaufen beginnt und die heftig geführt werden wird. So etwa nach dem Motto: «Wollen wir das WEF und wenn ja: warum und für wen»?

Der andere, nicht minder wichtige Teil allerdings sind die Fragen, welche die SP-Kantonsräte Simone Brunner und Hasan Candan - beides übrigens keine abgehobenen Ideologen oder Fundamental-Sozis, sondern bestens ausgebildete Köpfe und gut geerdet in den Niederungen der gesellschaftlichen Realitäten - der Regierung stellen (siehe unter «Dateien»).

Auch das nämlich ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Dass das WEF auf den Bürgenstock und damit in die Tourismus-Destination Luzern kommt, erfreut keineswegs alle Menschen in dieser Region; eine Mehrheit womöglich sogar gar nicht.

Es macht darum Sinn, diesen Event sehr, sehr sorgfältig zu planen und umzusetzen und seine Auswirkungen auf den Alltag und die Befindlichkeit der «einfachen Leute» und der tourismus-kritischen Bevölkerung unbedingt zu berücksichtigen. Vergessen wir zudem nicht: Unzählige Menschen befinden sich wegen «Corona» seit Monaten in einem Psycho-Dauerstress. Sie sind entsprechend gereizt und erschöpft.

Gelingt das nicht, hat der Tourismus, der existenzgefährdete, ein weiteres Problem in der Luzerner Bevölkerung, von der eine Mehrheit ihn gelinde gesagt langsam aber sicher satt hat; der Overkill ist erreicht.

Es sind nun - einmal mehr - die weitsichtigen und vernunftgesteuerten Köpfe und Kräfte gefordert, diese anspruchsvolle Aufgabe mit Augenmass und Fingerspitzengefühl so zu meistern, dass die Operation «WEF auf dem Bürgenstock» dem Tourismus langfristig nicht mehr schadet als nützt.

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffungslos.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/