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Kolumne der Redaktion

11.01.2020

«Festival des Wissens» erneut mit hochkarätigen ReferentInnen und spannenden Themen

Der frühere Journalist und heutige Theaterschaffende Christoph Fellmann ist einer der Erfinder von «aha», dem «Festival des Wissens», das am 24. und 25. Januar 18 WissenschafterInnen in den «Südpol» bringt. Ein Gespräch mit ihm über den Geist der Zeit, ihre Irrungen und Wirrungen und über Hoffnungen.


Christoph Fellmann (*1970) lebt als freischaffender Autor und Theatermacher in Luzern. Der gebürtige Horwer war nach der Matura an der Kantonsschule Alpenquai Journalist und Redaktor, unter anderem beim «Luzerner Tagblatt», den «LNN», der «Luzerner Zeitung», bei «Luzern heute», der «NZZ am Sonntag» und im Kulturressort des «Tagesanzeigers». Er ist Kolumnist beim «Regionaljournal SRF» und beim «Willisauer Boten».

Siehe auch unter: www.christophfellmann.com

Herbert Fischer: «Ein Festival des Wissens»: Was muss ich mir darunter vorstellen?

Christoph Fellmann: Am «aha» referieren am 24. und 25. Januar achtzehn Wissenschafterinnen und Forscher im «Südpol» auf vier Bühnen über ihre Fachgebiete. Wir veranstalten also keinen Kongress, der sich mit einem einzigen Thema befasst, sondern eben ein Festival, an dem ganz verschiedene aktuelle Themen zur Sprache kommen.

Es richtet sich darum auch nicht an ein Insiderpublikum, sondern an normale, interessierte Menschen, denen wir einen niederschwelligen Zugang zu Forschung und Wissen ermöglichen wollen. «Man trifft sich» am «aha» – es gibt Austausch zwischen BesucherInnen und ReferentInnen.

Was bietet «aha 2020» nicht?

Christoph Fellmann: Wie gesagt sind wir kein Kongress. Wir sind aber auch kein Unterhaltungsformat. Der Zugang zu den Themen ist wissenschaftlich.

Angesichts der Themen (siehe unten unter «Links») entsteht der Eindruck, das Angebot sei vor dem Hintergrund der «Fake News-Debatte» entstanden. Wir haben ja heute unglaublich vielfältige und breite Informationsangebote, die immer und überall zugänglich sind; «dank» des Internets. Ihm «verdanken» wir allerdings auch, dass nicht alle Quellen dieser Informationsangebote immer transparent sind; erst recht nicht ihre Eigeninteressen. «aha» bietet demgegenüber offensichtlich «authentische Informationen», weil ihre Quellen in Gestalt der ReferentInnen physisch präsent sind: Sehe ich das richtig?

Christoph Fellmann: Eindeutig! Das haben wir bei der ersten Ausgabe von «aha» vor einem Jahr gemerkt: Informationen, die aus erster Quelle vermittelt werden, haben eine hohe Glaubwürdigkeit, die ReferentInnen sprechen direkt über ihre alltägliche, reale  Forschungsarbeit. Das schafft Nähe und Glaubwürdigkeit.

Das hat eine andere Authentizität und damit auch Qualität, als wenn ich diesen Inhalten im Internet begegne. Oder wenn ich mir zu irgendeinem Thema etwas «zusammen google».

Jetzt stehen wir vor der zweiten Auflage von «aha». Es war ja vermutlich ein ziemliches Wagnis, so etwas überhaupt auf die Beine zu stellen. Wie sieht die Zukunft aus? Letztlich geht’s ja immer auch um Geld.

Christoph Fellmann: Es ist finanziell tatsächlich nicht ganz einfach. Wir sitzen mit dem Festival ein bisschen zwischen Stuhl und Bank. Wissensstiftungen wollen häufig Forschung unterstützen. Und manche Kulturförderer sagen, das «aha» sei kein Kulturprojekt. Beides ist ja auch irgendwie verständlich. Aber für uns heisst das, dass wir auf Stiftungen und Förderer angewiesen sind, die ihren Fokus etwas weiter öffnen. Erfreulicherweise gibt es doch einige davon.

Unvermeidliche Frage: Was kostet dieses Projekt konkret?

Christoph Fellmann: Für 2020 sind rund 90 000 CHF budgetiert.

Hoppla! Wer trägt das Risiko? Habt ihr die 90 000 zusammen?

Christoph Fellmann: Das Risiko tragen wir als Veranstalter. Aber ja, wir sind für dieses Jahr knapp ausfinanziert.

Wie gehts weiter? Wo liegt das Risiko der zweiten Auflage?

Christoph Fellmann: Wie gesagt, das Festival ist finanziell mehr oder weniger gedeckt. Das Hauptrisiko ist nun, dass zuwenig Leute kommen. Aber der Erfolg des letztjährigen «aha» stimmt uns optimistisch.

Warum?

Christoph Fellmann: Wir merken, dass das Festival auch über Luzern hinaus im Gespräch und bekannt ist.

Was ist dein eigenes Motiv, dich so zu engagieren?

Christoph Fellmann: Mich interessieren eigentlich all die Fragen, die das Festival 2020 stellt, auch persönlich sehr. Ich war lange Journalist, habe mich schon immer für die Welt und die Menschen interessiert, und zwar für alle möglichen Themen und Aspekte. Es ist toll, Fachleute einladen und treffen zu können, die auf ihrem Gebiet sehr gut sind.

Du warst also «lange Journalist», hast somit erlebt, worüber du eigentlich gerne (auch noch) recherchiert und geschrieben hättest, konntest aber nicht – warum auch immer. Wenn du noch immer «Journi» wärst: Was wären denn heute jene Themen, die du gerne anpacken würdest, falls sich die konkrete Möglichkeit ergäbe?

Christoph Fellmann: Der ganze «Fake-News-Komplex» interessiert mich sehr. Oder auch die Entwicklung und das neue politische Powerplay von China in Afrika, aber auch in Europa. Aber um sowas zu recherchieren, hätte ich ja Auslandkorrespondent werden müssen, und das war nie so mein Ding.

Zum «Fake News-Komplex» gehört die unvermeidliche Frage, warum ein seniles, dauergeiles und unterbelichtetes Grossmaul, das täglich mehrmals sein Volk und die Welt belügt, seit drei Jahren ungehindert wirken und wüten kann.

Christoph Fellmann: Ich nehme an, du sprichst von Donald Trump.

Ich finde, der Punkt ist nicht, dass er lügt. Der Punkt ist, dass es egal ist, ob er lügt, dass das offenbar keine Rolle mehr spielt. Die Realität spielt keine Rolle mehr, sie wurde hochoffiziell aufgelöst und für beendet erklärt. Fakten bleiben folgenlos.

Jemand hat mal gesagt: «Früher glaubten die Menschen, sie könnten ihre eigenen Meinungen haben, aber nicht ihre eigenen Tatsachen». Das ist vorbei. Viele, zu viele Menschen leben mit ihren «eigenen Tatsachen» ganz gut.

Eine sehr pessimistische Sicht der Zukunft!

Christoph Fellmann. Ich bin manchmal auch, aber nicht immer nur pessimistisch. Es ist nicht alles Politik. Die Wissenschaft kann viel. Der Kapitalismus kann viel. Auch die Zivilisation kann viel. Es ist nicht zwingend und auch nicht unbedingt plausibel, dass wir in der gegenwärtigen Situation stecken bleiben.

Welches sind denn deine konkreten Hoffnungen?

Christoph Fellmann: Ich glaube einfach, dass früher oder später eine Gegenbewegung kommt. Und zwar nur schon darum, weil man ja sieht, wie unfähig und irrlichternd diese Populistenführer sind, wenn man ihnen die Macht in die Hand gibt. Und vor allem glaube ich, dass die Leute schon bald genug davon haben, sich im Internet anzuschreien.

Hass ist intensiv, und darum ist er attraktiv.

Aber er ist auf Dauer nicht so attraktiv wie der gesittete, direkte, durchaus auch deutsch und deutliche Austausch mit anderen Menschen. Wie man bei der Klimajugend sieht, haben junge Menschen jetzt schon die Nase voll von einer polarisierten, ideologischen Politik, die letztlich blockiert und damit untätig ist.

Sind das für dich Hoffnungsträger?

Christoph Fellmann: Auch, aber nicht nur diese Jungen. Der grösste Teil der Älteren ist ja auch nicht blöd.  

Interview: Herbert Fischer

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Interviewer und Interviewter duzen sich, weil sie sich als Berufskollegen seit 30 Jahren kennen.


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/