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Kolumne der Redaktion

15.02.2018

50 Jahre 68-er-Bewegung: Was ist geblieben?

Etwa 150 Besucher fanden den Weg in den Saal des Hotels Kreuz in Schüpfheim. Erstmals unter der Leitung der neuen Präsidentin des Vereins Politischer Aschermittwoch im Entlebuch, Jeannette Riedweg-Lötscher, wurden interessante Referate über das Thema 68er-Bewegung geboten. Die anschliessende Diskussion zwischen den beiden Referenten alt SP-Nationalrat Andi Gross und Nationalrat sowie CVP-Präsident Gerhard Pfister liess jene Jahre aufleben.


Die Eröffnung des Anlasses durch Präsidentin Jeannette Riedweg liess erahnen, dass der politische Aschermittwoch über Parteigrenzen hinweg Beachtung findet. Sie konnte nebst Regierungspräsident Guido Graf auch Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann begrüssen. Diese liess es sich nicht nehmen, ein Grusswort an die zahlreichen Zuhörenden zu richten. In ihrem Eingangsvotum leitete Jeannette Riedweg kritisch in das Thema der 68er-Bewegung ein. Dabei zitierte sie verschiedene Exponenten dieser Zeit und stellte die Frage, ob diese «pseudo-linke Politik» überhaupt etwas bewegt habe.

Als erster Referent trat alt SP-Nationalrat Andi Gross auf. Er stellte gleich zu Beginn klar, dass er selber kein «68-er» im eigentlichen Sinne sei – sicherlich jedoch ein Kind dieser Bewegung.

Andi Gross hob in seiner Rede vor allem die positiven Aspekte der Bewegung hervor. So sei vieles, was heute selbstverständlich sei, daraus entstanden. Beispielsweise würden seither Machtansprüche kritischer hinterfragt. Zudem habe die 68er-Bewegung «die Demokratisierung der Demokratie» bewirkt, indem die Demokratie nicht nur als Staatsform, sondern auch als Lebensform aufgegangen sei. Gross betonte, dass die Beweggründe der 68er-Bewegungen nicht überall dieselben waren. Während es in den USA vor allem darum ging, gegen den Vietnamkrieg zu demonstrieren, seien in Frankreich tausende auf die Strasse gegangen, weil sie nicht mehr nur ein «Rädchen in der Fabrik» sein wollten.

Kritischer gegenüber der 68er-Bewegung stand CVP-Präsident und Nationalrat Gerhard Pfister, welcher zum wiederholten Male als Referent beim politischen Aschermittwoch im Entlebuch auftrat.

Einleitend rang er der Bewegung jedoch gleich etwas Positives ab. So hätte man sich vor dieser Zeit kaum vorstellen können, dass ein Nationalrat eine Rede ohne Krawatte gehalten hätte, wie er es heute tue. In seiner Kritik am Erbe der 68er-Bewegung erwähnte Pfister vorwiegend, dass das Gewaltmonopol in Frage gestellt worden sei. Vandalen-Akte wie jeweils an den 1. Mai-Demos oder die Probleme mit der Reithalle in Bern seien durchaus als Auswuchs der «68er» zu betrachten. Zudem sei es verheerend, dass Gewalt von Linksextremen nicht mit derselben Schärfe verurteilt werde, wie jene von rechts. Dies vor dem Hintergrund, dass man fälschlicherweise davon ausgehe, dass die von der linken Seite ja «eher gut gemeint» sei. 

Unter der Leitung von «BaZ»-Bundeshausjournalist Dominik Feusi kreuzten im Anschluss die beiden Referenten die Klingen. Einige pointierte Aussagen führten zu einer lebhaften und interessanten Gesprächsrunde. Die beiden Kontrahenten liessen es sich nicht nehmen, einander mit kleineren oder auch grösseren Seitenhieben «anzustacheln». So warf der Sozialdemokrat Andi Gross der CVP von Gerhard Pfister «Denkfaulheit» vor. Deshalb habe sie viel Einfluss eingebüsst. Gerhard Pfister gab sich diesbezüglich durchaus selbstkritisch. Er selber gab zu bedenken, dass die 68er-Bewegung verursacht habe, dass vieles zu lange diskutiert werde. Er vermisse «gute Kritik». Diese sei heute nur noch in «links-liberale Watte» gepackt. 

In ihrem Schlusswort wies Präsidentin Jeannette Riedweg auf die Generalversammlung des Vereins vom 16. November 2018 hin. Abgerundet wurde der «Politische Aschermittwoch im Entlebuch» durch die traditionellen Käseschnitten mit Bier und ausgiebigen Gesprächen und Anekdoten aus eigenen «68er-Erlebnissen».

(Dies ist eine Medienmitteilung des Veranstalters) 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/