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Kolumne der Redaktion

09.09.2017

Wie sich Edwin Beeler soeben für den Innerschweizer Kulturpreis 2017 bedankte

Der Filmer und Historiker Edwin Beeler ist im Verkehrshaus heute Samstagvormittag mit dem Innerschweizer Kulturpreis ausgezeichnet worden. Er bedankte sich dafür mit einer Rede, die hier zu lesen ist. Sobald wie möglich folgt dazu hier mehr.


Josef Schuler (Mitte) ist Kulturbeauftragter des Kantons Uri.

Käthi Lötscher-Stadelmann ist die Tochter von Sepp Stadelmann, des früheren Sektionschefs von Escholzmatt, der in Beelers Film «Arme Seelen» mitgewirkt hat.

Louis Naef (links), hier im Gespräch mit Fredi M. Murer, hat zusammen mit Edwin Beeler einen Film realisiert: «Grenzgänge - eine filmische Recherche zum Sonderbundskrieg 1847».

Den Schriftsteller und Eisenbahnfreak Pedro Lenz lernte Edwin Beeler im Zusammenhang mit seinem Film «Gramper und Bosse» kennen.

Der frühere CVP-Politiker Kurt Irniger besucht regelmässig Edwin Beelers Werkstattgespräche an der Seniorenuni.

Links: Dieter Gemsch (Agronom und Eigentümer des «Maihof» in Schwyz), rechts: seine Freundin Trudy Truttmann.

Von links: Urs Sibler (selber Kulturpreisträger 2012 und ehemaliger Leiter des Museums Bruder Klaus in Sachseln), Schauspieler Beat Brunner und Edwin Beeler.

Claudia Weizenegger mit Museums- und Eisenbahnexperte Kilian T. Elsaesser (rechts) und Stefan Schuler, Freund von Edwin Beeler seit Kindsbeinen.

Verena Stutzer (links) mit Gatte Beat Stutzer, ehemals Direktor des Kunstmuseums Chur. Rechts: Antoinette Gnos, die sich seit Jahrzehnten für die Kultur engagiert.

Von links: Schriftsteller Dominik Brun, Regierungsrat und Bildungsdirektor Beat Jörg (CVP / UR) sowie Historiker und Schriftsteller Pirmin Meier, 2008 ebenfalls Träger dieses Preises.

Diese Bilder entstanden im Verkehrshaus nach der Preisverleihung beim Apero in der Halle Eisenbahn.

Bilder: Herbert Fischer

Zu Zeiten meines Filmerstlings hiess es ja, ich sei ein Linksextremist und schade der Landesverteidigung.

Seit meinen zwei letzten Filmen heisst es, ich sei ein Geist- und Gottesdienstfilmer.

Und heute darf ich sogar eine Predigt halten.

Das tue ich gerne, nicht von der Kanzel herab, sondern in einem der schönsten Museen vor dieser riesigen Leinwand.

Danke, liebes Verkehrshaus, danke, sehr geehrter Herr Büttikofer, dass dieser Anlass hier stattfinden darf. 

Ich danke Dir, lieber Reto Wyss, für Deine herzlichen und anerkennenden Worte.

Und ich danke Dir, lieber Fredi Murer, für Deine witzige, brillante und feinfühlige Laudatio. Du hast mich auf meinem Weg als Filmemacher mit Deinen Filmen immer inspiriert, hast mir gezeigt, dass auch ein Kulturkatholik, der in der ländlich-voralpinen Innerschweiz aufgewachsen ist, es in diesem urbanen Metier zu etwas bringen kann.

Ich danke auch Dir, lieber Erwin Koller. Stets hast Du mein Schaffen gefördert und mich mit Deinem kritischen Geist begleitet. Ohne Dich hätte mein zweiter Film «Bruder Klaus» nicht realisiert werden können, nachdem der damalige Begutachtungs-Ausschuss des Bundes eine Förderung zweimal abgelehnt hatte. Du hast mir vertraut. Und Du hast mich nach Fertigstellung meines letzten Filmes «Die weisse Arche» angespornt, meinen Weg weiterzugehen.

Dass man auch als gebürtiger Nicht-Katholik in der Innerschweizer Diaspora aufwachsen und zum Filmemacher werden kann: Das hast du, lieber Erich Langjahr, vorgelebt.

Ich danke Dir und Deiner Frau Silvia. Ihr habt mich immer bestärkt, nicht an mir zu zweifeln, weiterzumachen, unabhängig zu bleiben, als Filmemacher und Autorenproduzent, der sein eigener Herr am Schneidetisch und über der Film-Kalkulations-Tabelle ist.

Es hat mir imponiert, wie Du, Erich, damals alleine ausgezogen bist, um mit Deiner Kamera die Landschaft Deiner Jugend zu ergründen. 

Das hat mir gefallen – ein Filmemacher, der die Kamera und Filmmontage selber besorgt – das Filmen von Landschaften also, das Ergründen von Seelenlandschaften, inneren und äusseren. 

Es ist mir bewusst geworden: Die Landschaften meiner Jugend haben mich geprägt.

Es sind Innerschweizer Landschaften, zum Beispiel:

. Rothenthurm mit seinem Hochmoor

. Das Ägerital 

. Immensee am Zugersee, umsäumt von Zugerberg, Rossberg, Rigi und Chiemen

. Das Muotathal

. Der Flüeli-Ranft und das Melchtal

. Das Isenthal

. Das Luzerner Hinterland oder das Entlebuch – beides Landschaften, deren Magie mir Louis Naef während unserer Arbeit am Film «Grenzgänge» offenbart hat.

So hat es also angefangen für mich, das praktische Filmemachen:

Autodidaktisch, mit vielen Besuchen in der damaligen Filmbuchhandlung Rohr im Zürcher Oberdorf, in Arthouse-Kinos und an der Filmstelle der ETH Zürich. 

Also:

Learning by watching –

Learning by reading –

Learning by doing.

Fredi hat davon erzählt:

Am Anfang stand mein «Rothenthurm-Film», stand der Widerstand der Waffenplatz-Gegner. Beim Letziturm haben sie ein Warnfeuer angezündet und skandiert:

«Waffenplatz nie!»

«Waffenplatz nie!»

Plötzlich war da ein Unbekannter mit einer Kamera.

Jemand mit einer Bolex-Federwerkskamera – damals meine Traum-16mm-Filmkamera. Dieser Unbekannte hat Aufnahmen gemacht, neugierig und offen für die unmittelbare Wirklichkeit. Dieser Unbekannte mit dem Caméra-Stylo warst Du, Erich.

Später war der «Waffenplatz-Nie-Slogan» in Deinem Film «Ex Voto» zu hören. Und ich habe langsam begriffen, dass man Filme machen kann, die gleichzeitig poetisch und politisch sein können, die berühren können durch persönliche Geschichten, von authentischen Filmfiguren erzählt, die wiederum sind, was sie sind, weil sie sind, wo sie sind.

In den Seelenlandschaften verstecken sich Erinnerungen und Zeitenläufe, verstecken sich auch ineinander verschachtelte Topographien und Räume, Sedimentiertes, Geheimnisvolles.

Und Film arbeitet ja mit Erinnerungen.

Und ja, ein Kinofilm ist wie ein Schlachtgelände.

In Jean-Luc Godards Film «Pierrot le Fou» antwortet der Filmregisseur Sam Fuller auf die Frage «what is movies»:

«A Film is like a battleground:

Love!

Hate!

Action!

Violence!

And Death!

In one word: Emotion!»

Fullers Worte klingen für mich fast wie die Litanei eines bekennenden Filmemachers. 

Pierrot le fou – Peterchen der Narr, Kind des Olymp. – 

Eigentlich muss ein Narr sein, wer das Martyrium auf sich nimmt und fast im Alleingang Filme machen will. Man begibt sich auf ein unter Hochspannung stehendes Terrain. Filme entstehen ja nicht nur in der Drehphase zwischen «Action und Cut», sondern auch während der langen Zeit davor und danach.

In jeder einzelnen Phase einer Filmproduktion bete ich deshalb immer wieder das Glaubensbekenntnis eines Filmemachers:

Ich glaube daran:

Der Film wird funktionieren!

Ich glaube daran:

Der Film wird berühren!

Der Film wird sein Publikum finden!

Und: Er wird mich ernähren!

Es ist wie ein Marathonlauf. Wir Filmschaffende müssen beharrlich kämpfen, dürfen uns nicht verbiegen, sondern sollten uns selber treu bleiben.

Ein Marathonläufer braucht Ansporn und Unterstützung. Deshalb danke ich allen Mitwirkenden meiner bisherigen Filme vor und hinter der Kamera, allen meinen Filmemacher-Freundinnen und -freunden, besonders auch vom Vorstand des Vereins Film Zentralschweiz. Ich danke auch allen Kinoleiterinnen und Kinoleitern, die meine Filme gezeigt haben und hoffentlich weiterhin zeigen möchten.

Grosser Dank gebührt auch Pirmin Meier, Kurt Lussi und Kurt Messmer, meinen geistigen Location-Scouts. Alle drei geben mir immer wieder fachmännische Tipps und kostbare Recherche-Hinweise.

Ein besonderes Dankeschön möchte ich Frau Dr. Annemarie S. Reynolds entbieten, besonders auch Stacy und Markus Wirth, Carl Elsener und Marlis Huber-Elsener, Hansruedi Seinet, der Ernst Göhner Stiftung, der Albert Koechlin Stiftung, der Markant-Stiftung, auch der Gemeinnützigen Gesellschaft und dem Fuka-Fonds der Stadt Luzern, den Kulturbeauftragten und Kulturkommissionen der Zentralschweizer Kantone, den Filmförderungen der Katholischen Landeskirchen und vielen anderen, die zur Entstehung meiner Arbeiten beigetragen haben, nicht zuletzt auch der Redaktion «pacte/doc» des Schweizer Fernsehens und der Redaktion der «Sternstunde».

Dank auch an all jene, die ich hier nicht mit Namen erwähnen kann.

Danken möchte ich vor allem auch meiner Familie, für ihren Grossmut und die Geduld, die sie mit mir hat. 

Ich möchte auch meine Freude als Träger des Innerschweizer Kulturpreises 2017 ausdrücken. Ich fühle mich sehr geehrt und bin sehr dankbar, dass mein Schaffen wahrgenommen und anerkannt wird. Andererseits bin ich auch etwas verlegen, denn viele andere Kunst- und Kulturschaffende hätten diesen Preis ebenso verdient.

So bin ich, um Louis Bunuel absichtlich falsch zu zitieren, wohl kein Atheist, sondern eher ein filmemachend-ureingeborener Innerschweizer von Gottes Gnaden. 

Übrigens: Wer meinen Filmerstling «Rothenthurm – Bei uns regiert noch das Volk» sehen will: das stattkino am Löwenplatz zeigt ihn in der 16mm-Original-Analog-Fassung morgen Sonntag um 11 Uhr. Nach dem Film – er dauert rund dreiviertel Stunden – gibt es dazu ein Filmgespräch mit Adolf Besmer, Rolf Wespe und mir. Ihnen beiden und auch Peter Leimgruber und Simon Koenig danke ich herzlich. 

Ich danke Ihnen allen, die heute hierher angereist sind.

Amen.

Edwin Beeler, Filmer, Emmen 

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel»: Was Fredi M. Murer heute in seiner Laudatio über Edwin Beeler sagte.


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/