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Kolumne der Redaktion

10.05.2017

Kirchen leisten viel in den Quartieren und in der Integration von Flüchtlingen

Zum dritten Mal haben heute Mittwoch (10. Mai) sechs Religionsgemeinschaften in die «Kornschütte» des Rathauses zu einem Event eingeladen, um sich und vor allem ihre Gemeinsamkeiten vorzustellen. Nachdem 2013 und 2015 der kantonale Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss (CVP) gesprochen hatte (siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»), war heute Stadtrat Martin Merki an der Reihe.


FDP-Stadtrat und Sozialdirektor Martin Merki überbrachte heute Mittwochabend die Grüsse des Stadtrates und würdigte die Rolle der Religionen in der Integration von Flüchtlingen und in der Quartierarbeit.

Bilder: Herbert Fischer

Stadtrat Merki hat sein Redemanuskript lu-wahlen.ch vorab zur Verfügung gestellt, weshalb es bereits jetzt hier gelesen werden kann.

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Geschätzte Organisatorinnen und Organisatoren, liebe Gäste, sehr verehrte Damen und Herren

Ich danke Ihnen herzlich für die Einladung und ich überbringe Ihnen die Grüsse des ganzen Stadtrates. 

Welcher Religionsgemeinschaft gehören Sie an?

Jeder und jede hat darauf eine persönliche Antwort und eine persönliche Geschichte. Ich bin Christ, ich bin in Luzern aufgewachsen und katholisch erzogen worden. Meine Eltern haben mich stark beeinflusst. Ich habe eine selbstverständliche religiöse Sozialisation in meiner Kindheit und Jugend erfahren. Das prägt bis heute meinen religiös-geistigen Hintergrund und beeinflusst mich sicher in vielen Bereichen.

Wie ist das bei Ihnen?

Meine Frau und meine beiden Söhne sind reformiert. Wir sind eine bikonfessionelle Familie, wie viele in der Schweiz ein konfessioneller Hybrid. Ich kenne Juden und Muslime im Bekanntenkreis und von der Arbeit. 

Dieser Anlass heute Abend bietet uns Gelegenheit zum Austausch auf kleinem Raum. Wir können über das Gespräch einen Weg finden zum Verständnis einer anderen Religion und Kultur und damit auch unsere eigene Religion besser kennen lernen. Auch Atheisten können profitieren. Die Möglichkeit, kleine kulinarische Happen dabei zu essen, erleichtert vielleicht den Einstieg.  

Auch der Ort und seine spezielle Aura tragen zum Verständnis und in einem nächsten Schritt zur Verständigung bei. Hier wurde in früheren Jahrhunderten Korn – als wichtigster Bestandteil für das Grundnahrungsmittel Brot – verkauft und gehandelt. Brot ist in fast jeder Religion ein spezielles, ein heiliges Nahrungsmittel. In diesem Raum fand wirtschaftlicher und damit auch anderer Austausch statt. Kommunikation gehörte immer dazu. Wer sich austauscht, muss Regeln beachten und sich einlassen auf die Begegnung.

Ich danke jenen, die diese Begegnungsmöglichkeit seit Jahren organisieren. Ich möchte eine Person hervorheben: Carmen Jud. Sie setzen sich mit Herzblut seit Jahren für diesen Anlass ein. Ich danke Ihnen herzlich.

Wir sind in der Sozialdirektion der Stadt Luzern auch sehr nahe an der Gesellschaft. Die gesellschaftliche und soziale Integration ist eine unserer Grundaufgaben. Wir bürgern ein. Ich freue mich, dass vom kommenden Jahr an die Integration und die Bevölkerungsdienste, zuständig für die Einbürgerungen, zur Sozialdirektion gehören werden. Die Begrüssungsveranstaltungen von Neuzugezogenen finden auch hier in der Kornschütte statt. Eng ist die Zusammenarbeit mit den christlichen Kirchen, die in der Überlebenshilfe von Suchtmittelabhängigen und in der Integration von Flüchtlingen, aber auch in der Quartierarbeit seit Jahren sehr viel leisten. Sie engagieren sich sehr stark für eine offene Stadt mit lebendigen Quartieren. 

Im letzten Jahr hat die Frage, ob der religiöse Schmuck der Abdankungshalle im Friedental abgedeckt werden soll, hohe Wellen geworfen. Es hat sogar ein Referendum gegeben. Ursprünglich, vor hundert Jahren, ist die Abdankungshalle konfessionsneutral gestaltet worden. Der christliche Schmuck ist später, Anfang der 70-er-Jahre dazugekommen. Die Lösung, die gefunden werden konnte, ist allgemein auf Zustimmung gestossen. Der Wandschmuck kann nun sichtbar weiterhin offen bei einer Abdankung einsehbar da sein, er kann aber auch abgedeckt werden, ganz nach dem Empfinden der kleinen Gemeinschaft, die sich in der Abdankungshalle einfindet, um Abschied zu nehmen. Es ist für den Stadtrat eine grosse Befriedigung gewesen, dass das Referendum gegen das Friedhofsreglement abgelehnt worden ist.

Der Stadtrat ist religiös neutral, politisch sind wir nicht neutral. Religiöse Neutralität ist auch eine politische Aufgabe. Dafür werde ich mich auch weiterhin einsetzen. Unsere Arbeit ist noch lange nicht abgeschlossen. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. 

Stadtrat Martin Merki (FDP.DieLiberalen), Sozialdirektor, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/