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Kolumne der Redaktion

12.12.2016

Demo gegen Sparpolitik: Das sagten die RednerInnen

An der heutigen Kundgebung gegen die massiven Ausgabenürzungen im öffentlichen Haushalt traten sechs Persönlichkeiten mit Kurzvoten auf. Hier ist zu lesen, was sie genau sagten.


Stefanie Sager sprach an der heutigen Demo vor dem Regierungsgebäude als Lehrperson für Integrative Förderung (IF).

Beni Rindlisbacher sprach als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Luzern.

Lorena Stocker sprach für die «Lernenden gegen die Sparwut»

Urs Bugmann sprach als Präsident der IG Kultur.

Franz Grimm sprach als Präsident des Verbandes der Musikschulen des Kantons Luzern.

Naemi Lauber sprach für den Verein der Studierenden an der Hochschule Luzern - Soziale Arbeit (Vesta).

Bilder: Herbert Fischer

Stefanie Sager, Lehrperson:

Als Lehrpersonen sind wir manchmal Weltenöffner, manchmal Schweizermacher, zwischendurch auch Psychologen, Diagnostiker, Organisatoren, immer wieder Polizisten, Schulentwickler, Familienberater und Weiterbildungsbesucher. Späte Telefonempfänger, Konfliktlösetherapeuten und Lehrplanumsetzer. 

Es ist nicht einfach, in der heutigen Zeit – mit all den genannten Anforderungen – eine gute Lehrperson zu sein. Aber wir mögen unseren Beruf und wir führen ihn aus, jeder so gut wie sie, wie er es kann, weil die Kinder und somit die Zukunft unserer Gesellschaft - uns am Herzen liegen!

Seit längerer Zeit wird jedoch in der Bildung stetig gespart. Mit einem erneuten Abbau im Bildungsbereich wird uns der Gürtel so eng geschnallt, dass wir unsere Arbeit nicht mehr optimal ausführen können. 

Darum wehren wir uns vehement gegen dieses Sparpaket. 

• Wir sagen NEIN zu einer Finanzpolitik dieser Art!

• Und NEIN zu Sparen bei den Schwachen und auf dem Buckel der Angestellten.• Wir sagen, dass Lohnkürzungen auch Leistungsabbau bedeuten. Wir sind nicht bereit, für weniger Lohn das Gleiche oder immer noch mehr zu leisten. 

• Wir sind loyal gegenüber dem Kanton und den Gemeinden, solange sie sich auch loyal uns gegenüber verhalten.

Zusammen setzen wir heute ein lautes und kräftiges Zeichen. Und wenn man sieht, wie viele Leute heute den Weg zu dieser Kundgebung gefunden haben, so lässt sich sagen, dass wir auch bereit sind, weiter für unsere Anliegen zu kämpfen und einzustehen.

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Franz Grimm, Präsident Verband für die Musikschulen:

Musikschule für Alle - Nein zur Halbierung der Kantonsbeiträge! So der Titel für unser geplantes Referendum, wenn denn der Kantonsrat in den nächsten Stunden wirklich die Halbierung der Beiträge beschliessen sollte. Das Referendum ist vorbereitet. 

Das aktive Musizieren an Musikschulen ist Teil einer ganzheitlichen Bildung. Alle Kinder und Jugendlichen sollen – unabhängig von Wohnort und Einkommen der Eltern – unser Bildungsangebot nutzen können. Eine Halbierung gefährdet den Zugang zur musikalischen Bildung und die Chancengleichheit im Kanton Luzern. 

Die Halbierung der Kantonsbeiträge führt zu massiv höheren Schulgeldern. Familien werden mehr zur Kasse gebeten. Man kann sich‘s nicht mehr leisten. Die Schülerzahlen gehen zurück. Es trifft auch die Musiklehrpersonen, die sonst schon im schwierigen Umfeld stehen – ich erwähne die geplante Tiefereinreihung und längere Unterrichtsverpflichtung. Sie verlieren ihre Existenzgrundlagen!

Der Musikkanton Luzern ist zu Recht stolz auf seine Musikformationen, professionell oder im Laienbereich. Sie alle brauchen gut ausgebildeten Nachwuchs. Ein Abbau bei den Musikschulen ist auch ein Angriff auf unsere gelebte Musikkultur. Ohne Basis keine Spitze!

Die Luzerner Bevölkerung hat mehrmals und deutlich Ja gesagt zu starken, in den Gemeinden verankerten Musikschulen. Setzen wir uns gemeinsam weiterhin dafür ein! Danke! 

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Urs Bugmann, Präsident IG Kultur:

Es sind die Leuchttürme, die durch die Kürzungen beim Zweckverband Grosse Kulturbetriebe in ihrem Bestand angezweifelt und bedroht werden: Das Luzerner Theater, das Luzerner Sinfonieorchester, Lucerne Festival, das Kunstmuseum Luzern und das Verkehrshaus der Schweiz. Das ist nicht nur ein schlechtes Signal, das für landesweites Kopfschütteln über die Luzerner Sparwut sorgt. Es ist die mutwillige Zerstörung einer über die Jahre aufgebauten und gepflegten Kultur. Durch die Vereinbarungen mit dem Zweckverband sind die Institutionen gesichert, werden die von ihnen geforderten Leistungen durch Subventionen von Stadt und Kanton entgolten.  

Eigenfinanzierung, private Zuwendungen und öffentliche Gelder tragen zu den Budgets bei, die wenig Spielraum lassen. Ihre bislang gut funktionierende Balance wird durch den Sparhammer der Regierung in Frage gestellt. Wenn ein Grundstein wackelt, kann das ganze Gebäude einstürzen. 

Die IG Kultur Luzern setzt sich für eine lebendige Kulturszene ein. Deshalb wenden wir uns entschieden gegen die vom Regierungsrat vorgesehenen Subventionskürzungen beim Zweckverband Grosse Kulturbetriebe. Diese Kürzungen sind unsinnig und kurzsichtig. Sie beschädigen nachhaltig den Ruf des Kulturstandorts Luzern. Sie werden Folgewirkungen zeitigen, die uns teuer zu stehen kommen, und dies nicht nur in der Wirtschaft und im Tourismus, für die eine attraktive Kulturszene von unschätzbarer Bedeutung ist. 

Der Schnitt in die Lebensadern trifft mit den Leuchttürmen die Grossen, mit ihnen und über sie aber auch die Kleinen, bis hin zur Blasmusik, zum Theaterverein auf dem Land. Sie brauchen Beispiele und Vorbilder, brauchen die Ausstrahlung und Anziehung einer inspirierenden Umgebung mit ihrer ganzen reichen Vielfalt an kultureller Teilhabe, an kreativer Arbeit und Aktivität. Wenn in einer Region, in einer Gesellschaft die Kultur fehlt, fehlt viel – nicht zuletzt das Gefühl von Identität, Orientierung und Zusammengehörigkeit. 

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Naemi Lauber, Verband der Studierendenorganisationen:

Liebe Anwesende, liebe Bürgerinnen und Bürger des Kantons Luzerns, geehrte Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Ich stehe heute hier im Namen aller Studierenden der Hochschule Luzern. 

Bisher zeichnete sich ein Studium an der Hochschule Luzern durch Praxisnähe, kompetente Begleitung durch Fachexperten und individuell geförderte Lernprozesse aus. Diese Qualitätsmerkmale eines Studiums sind durch die geplanten Sparmassnahmen massiv gefährdet. 

Qualitätsverluste in der Bildung werden dazu führen, dass wir nicht über das nötige Können und Wissen verfügen, um die immer komplexeren Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. Das ist ein grosser Verlust, nicht nur für uns Studierende und die Hochschule Luzern, sondern auch für den gesamten Kanton. Ich fordere sie alle auf, die Stimme gegen die Sparmassnahmen zu erheben. Stehen wir gemeinsam ein für eine starke Bildung.  

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Beni Rindlisbacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Luzern: 
 

Die Schweiz ist ein rohstoffarmes Land. Bildung und Kultur ist in der Schweiz das grösste langfristige Kapital. Die Hochschule Luzern wird bisher schweizweit als qualitativ hochstehende Bildungsstätte wahrgenommen, obwohl sie nicht zu den grössten Fachhochschulen gehört. Die Qualität war bisher eine ausgezeichnete. In den letzten Jahren und insbesondere in den kommenden, laufen die Luzerner Regierung und das Parlament Gefahr, diese Qualität in Frage zu stellen. 

Für eine Fachhochschule dieser Grösse, kann sich dies verheerend auswirken.

Hier, heute Morgen, stehen viele Mitarbeitende der Hochschule Luzern. Dazu gehören Dozierende, wissenschaftlich Mitarbeitende, Forschende und insbesondere administrativ Mitarbeitende und Personen, die im Hausdienst tätig sind. Wir stehen alle gemeinsam hier, um gegen den Ausverkauf unserer qualitativ hochstehenden Bildung ein Zeichen zu setzen, um den attraktiven und insbesondere praxisnahen Unterricht einzufordern, der uns, unseren Kinder und Kindeskindern gebührt und letztlich ein Mehrwert für unsere Gesellschaft darstellt. 

Keine Bildung auf Sparflamme! 

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Lorena Stocker, «Lernende gegen die Sparwut»:

Liebe Demonstrantinnen und Demonstranten, liebe Wütige, liebe Direktbetroffene

Vor rund zwei Monaten hatten 20 000 Lernende im Kanton Luzern eine Woche sogenannter «Zwangsferien». Nicht so schlimm, wenn man ein bisschen mehr Ferien hat - könnte man meinen. Spätestens jetzt, nach viel mehr Hausaufgaben, Stress im Unterricht und mehr Prüfungen innert kürzerer Zeit, haben wohl alle begriffen, dass es eben doch nicht einfach eine Woche mehr Ferien war. 

Es war einfach Abbau. Abbau an der Bildung und damit an unserer Zukunft - und es war nur die Spitze des Spar-Eisbergs. 

Heute wird der Kantonsrat erneut über solche Abbaumassnahmen debattieren und darüber bestimmen, wo in nächster Zeit weitergespart werden soll. Auch die Bildung und viele weitere Bereiche des Alltags soll es erneut treffen. Das Sparen an unserer Zukunft und unserer Lebensqualität kann und soll aber nicht weiter passieren, deshalb sind wir heute alle hier. 

Wir wehren uns heute und wir werden uns auch weiterhin gegen den Abbau in Luzern wehren!

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Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel»: Das war die bisher grösste Demo gegen die Sparpolitik: die Bilder 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/