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Kolumne der Redaktion

29.09.2016

Luzerner Historiker arbeitet ein besonders trauriges Kapitel von katholischem Kulturimperialismus auf

Manuel Menrath, Historiker und Kenner der Geschichte der Indianer, hat ein Buch geschrieben. Es heisst «Mission Sitting Bull. Die Geschichte der katholischen Sioux» und behandelt ein aus Schweizer Sicht höchst bedenkliches Kapitel über die Katholiken und ihren Kulturimperialismus.


Indianischer Katechet bei der Arbeit im Standing Rock Reservat, Norddakota; gedruckt zwischen 1907-1929.

Quelle: Privatarchiv Manuel Menrath / Sacred Heart Convent Archives, Yankton, Süddakota

Martin Marty mit zwei Priestern und indianischen Erstkommunikanten an der Immaculate Conception Indian School, Stephan, Crow Creek Reservat, Süddakota, zirka 1888.

Quelle: Privatarchiv Manuel Menrath / Saint Meinrad Archab-bey Archives, St. Meinrad, Indiana

St. Francis Indian Mission, Rosebud Reservat, Süddakota; errichtet 1886, niedergebrannt am 20. Januar 1916.

Quelle: Privatarchiv Manuel Menrath / Sacred Heart Convent Archives, Yankton, Süddakota

Pater Francis Gerschwyler, Solen (Norddakota), Standing Rock Reservat; gedruckt zwischen 1930 und 1950. Pater Francis Gerschwyler OSBB (1859-1946) war ein Schweizer aus der Diözese St. Gallen. 1884 kam er nach Amerika und nachdem er seine Studien in Conception, Missouri, beendet hatte, ging er zu den Indianern im Dakota Territory. In ihrer Mitte wurde er am 10. August 1890 geweiht. Bis 1942 verbrachte er sein Leben in Standing Rock, bis ihn sein angeschlagener Gesundheitszustand in den Ruhestand zwang).

Quelle: Privatarchiv Manuel Menrath / Sacred Heart Convent Archives, Yankton, Süddakota

Benediktinerin mit Indianermädchen bei der Feldarbeit in Fort Yates, Standing Rock Reservat, Norddakota, zirka 1890.

Quelle: Privatarchiv Manuel Menrath / Sacred Heart Convent Archives, Yankton, Süddakota

Historiker und Buchautor Dr. Manuel Menrath ist Oberassistent an der Uni Luzern. Und Feuerwehrmann (siehe unter «Dateien»).

Bild: Herbert Fischer

Menrath ist Oberassistent im Bereich Geschichte der Neuesten Zeit am Historischen Seminar der Universität Luzern. Er nimmt sich in seiner sehr verständlich geschriebenen Doktorarbeit einem weitgehend unbekannten Kapitel in der Geschichte der europäischen Eroberung Nordamerikas an: der Bekehrung der Sioux.

 

Diese geht auf hauptsächlich aus der Schweiz stammende Missionare und Missionarinnen zurück. Nach den USA ausgewanderte Benediktiner aus Einsiedeln (SZ) und Engelberg (OW) sowie Benediktinerinnen aus Maria-Rickenbach (NW) kümmerten sich ab 1876 intensiv um die Missionierung der Sioux.

 

Mit besonderem Eifer war der oberste, als «Apostel der Sioux-Indianer» in die Geschichtsbücher eingegangene Missionar Martin Marty (geboren 1834, in Schwyz, gestorben 1896, St. Cloud / USA) an der Arbeit. Er scheute keine Mühe und reiste sogar dem berühmten Chief Sitting Bull nach. Dieser hielt allerdings an seiner traditionellen Weltanschauung fest und forderte Marty und seine Missionare – bis zum gewaltsamen Tod des Chiefs durch konvertierte «Indianerpolizisten» im Jahr 1890 – immer wieder aufs Neue heraus.

 

Das Buch, das derzeit für den Förderpreis «Opus Primum» nominiert ist (siehe unter «Links»), erzählt erstmals diese Bekehrungsgeschichte, der Martin Marty sein Leben widmete. Dem Kirchenmann wurden und werden Ehre und Wertschätzung bis heute zuteil.

Die Sioux hingegen erlebten die Missionierung als Trauma und Tragödie. Entstanden ist ein Buch, das auch die Sicht der Sioux wiedergibt und die Missionierung aus kritischer Perspektive betrachtet.

Auch wenn es sich um eine historische Untersuchung handelt, ist das Thema gleichzeitig – und dies keineswegs nur auf die bis heute andauernden Folgen für die indigene Bevölkerung in den USA bezogen – hochaktuell.

Diesen Bezug sieht auch der Abt des Klosters Einsiedeln, Dr. Urban Federer OSB, der für das Verfassen des Vorworts gewonnen werden konnte: «Manuel Menrath ermöglicht einen neuen Blick für bisher Übersehenes oder Ausgeblendetes und sensibilisiert für die Verantwortung für unser heutiges Wirken.»

Vieles von dem, was der Autor zu Recht kritisiere, «steht der Botschaft des Evangeliums und auch der benediktinischen Spiritualität diametral entgegen», so Federer.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern

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Manuel Menrath ist übrigens nicht allein ein unermüdlicher Erforscher der Geschichte der Indianer und ein interessanter Gesprächspartner, sondern auch begeisterter Feuerwehrmann. Siehe dazu unter «Dateien». 

Ebenfalls unter «Dateien». die Einführungsrede von Professor Dr. Aram Mattioli an der Buchvernissage. Mattioli lehrt Neueste Geschichte an der Universität Luzern und ist Autor des Buches «Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910», das im März 2017 im Klett-Cotta Verlag erscheint. 

 

 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/