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Kolumne der Redaktion

21.09.2016

Plakatfestival-Präsident Erich Brechbühl: «Das Plakat ist ein populistisches Medium»

Das achte Luzerner Plakatfestival startet am Samstag (24. September). Es widmet sich unter anderem dem «bewegten Plakat». Und dem Plakatschaffen von Klaus Staeck, einem der dienstältesten Klassenkämpfer in der BRD. Erich Brechbühl – Präsident des Vereins Weltformat – sagt, warum.


Animiertes Plakat von Erich Brechbühl (Luzern) für die Initiative «Car-freies Inseli - gegen die Blechlawine».

Bitte anklicken und das Plakat bewegt sich.

Animiertes Plakat von Johnson/Kingston (Luzern) für das «B-Sides» auf dem Sonnenberg.

Animiertes Plakat von Erich Brechbühl für das Theater Aeternam.

Animiertes Plakat des Studio Feixen (Luzern) für den Design Kongress VLOW in Bregenz.

Heute Mittwochmittag (21. September) in der «Kunsthalle» am Löwenplatz in Luzern: Melk Imboden ...

... und Erich Brechbühl beim Einrichten einer der Ausstellungen von «Weltformat 16», das am Samstag (24. September) eröffnet wird. Siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»: Unter anderem mit Plakaten von Klaus Staeck: das ist das Programm von «Weltformat 2016».

Bilder: Herbert Fischer

Herbert Fischer: Einer der Schwerpunkte von «Weltformat 16» heisst «bewegte Plakate». Ist das nicht ein Widerspruch? Das Plakat ist doch per definitionem ein stehendes Medium.

Erich Brechbühl: Ein zentraler Punkt! Genau das haben wir als Plakatfestival-Veranstalter uns auch überlegt, als wir diskutierten, ob dies 2016 ein Schwerpunkt werden solle.

Nun: Man sieht ja schon seit einigen Jahren in den Bahnhöfen Plakate auf Bildschirmen. Im öffentlichen Raum hingegen sind sie noch nicht zu sehen. Das hängt damit zusammen, dass immer wieder die Frage aufkommt, ob bewegte Plakate im öffentlichen Raum die Leute ablenken und dadurch Gefahren, vor allem im Verkehr, entstehen könnten. Dieses Problem sehe auch ich: «Flashige» Werbemittel im öffentlichen Raum sind tatsächlich problematisch und auch nervig. 

Wir wollen uns der Technik aber nicht verschliessen und gleichwohl die Möglichkeiten, die uns diese Entwicklung bietet, aufzeigen. 

Es geht es also vorläufig nur um Spielereien?

Um Spielereien auch, aber nicht nur. Denn die Entwicklung geht klar in diese Richtung, wiewohl ich keinen Moment daran zweifle, dass sich das «klassische Plakat» behaupten kann und wird. Für uns muss das Plakat nicht explizit und immer ein gedrucktes Medium sein und bleiben. Es kann auch auf einem Bildschirm aufscheinen. 

Wir gehen von der Fragestellung aus, was das Plakat können muss. Warum soll es also nicht animiert werden? Und – zum Beispiel – mit dem gleichen Sujet in verschiedenen Varianten aufscheinen. Ich habe dazu ein Beispiel mitgebracht (siehe Bild rechts). Wir finden: Wenn Plakate schon auf Bildschirmen aufscheinen, soll man diese Möglichkeiten nutzen und mit ihnen spielen. 

Aber ist es denn berechtigt, angesichts dieser fraglos vielversprechenden Möglichkeiten noch immer vom Plakat schlechthin zu reden? Entsteht hier womöglich so etwas wie ein Religionskrieg: «Was ist ein Plakat, was nicht?»

Wir sagen nicht, dass das Plakat allein ein gedrucktes Medium sein muss mit weltweit festgelegtem Format. Wir fragen: was muss das Plakat können? Das eröffnet spannende Diskussionen und Prozesse. Da wird ein Bildschirm, der Bewegungen vermittelt, extrem attraktiv. Wenn im öffentlichen Raum früher oder später immer mehr Bildschirme eingesetzt werden, ist es doch nicht mehr als logisch, Plakate zu animieren. 

Haben wir es angesichts dieser Entwicklung in der Plakatkultur mit einem Break zu tun?

Das kann man durchaus so sehen. Aber es wäre sicher falsch, die sich eröffnenden Möglichkeiten nicht auszuloten und diesem hochspannenden Prozess fernzubleiben, sich gewissermassen allein «auf das gute alte Plakat» zu berufen und somit letztlich stehen zu bleiben. 

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt am «Weltformat 16» ist Klaus Staeck, einer der dienstältesten Klassenkämpfer in der BRD. Wie ist die Idee entstanden, ausgerechnet ihn einzuladen (siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»)?

Dies ist nun unser achtes Plakatfestival in Luzern und wir zeigten auch schon politische Plakate, als wir 2009 angefangen haben, ganz klein und bescheiden übrigens. Das waren damals ausschliesslich politische Plakate aus der Schweiz. Dabei kam uns zugute, dass ausgerechnet damals landauf landab die Debatte über das Verbot von Minaretten brodelte, tüchtig befeuert durch die Plakate der Befürworter des Minarett-Verbots.

Diese Debatte bewies, dass das Plakat letztlich ein populistisches Medium ist.

Definitiv ist das Plakat ein populistisches Medium. Oder es kann zumindest als solches eingesetzt werden. Zuspitzen, dramatisieren, personifizieren, ironisieren, banalisieren, etcetera: all das sind klassische Stilformen, die im Plakat eingesetzt werden. 

Was auch Klaus Staeck alles meisterhaft beherrscht!

Sicher. Wobei er in seinen Plakaten mitunter auch Fragen stellt; teils natürlich rein rhetorische Fragen, die er selbstverständlich im gleichen Plakat postwendend beantwortet. 

Was ist eigentlich für dich selber das Motiv, sich schon so lange so intensiv für dieses Plakatfestival zu engagieren? Ein lohnendes Geschäft kann es nicht sein. 

Nein, sicher ist das kein Geschäft, es ist eine Leidenschaft. Seit ich Grafiker bin habe ich immer mehr festgestellt, dass die Bedeutung der Grafik in der Schweiz immer mehr abnimmt. Ihre glanzvollen Zeiten sind weit weg, liegen so etwa in den Fünfziger und Sechziger Jahren. Diese glanzvollen Zeiten aber mussten damals gepflegt werden, es reichte nicht, sich auf dem erreichten Ruhm auszuruhen. Es entstanden Ausstellungen, Bücher, Diskussionen und vor allem war auch der Einfluss auf den Nachwuchs enorm. Genau darum geht’s auch jetzt.

Ich will mit meinem Engagement dazu beitragen, dass der Wert des Plakatschaffens auch hierzulande wieder bewusster wird und dass «das Schweizer Plakat» – eben: auch in neuen Formen – weiterlebt. 

Klar: Viele Kolleginnen und Kollegen wirken als LehrerInnen und DozentInnen. Das ist zwar sehr wichtig. Aber es reicht nicht. Wir müssen die breite Öffentlichkeit ansprechen und ihr bewusst machen, mit welchem Medium sie es zu tun hat. Denn Plakaten begegnet jeder Mensch immer und überall und zwar, ob er will oder nicht. Vor allem auch darum ist das Plakat ein so attraktives und spannendes Medium.

Interview: Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern

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Interviewer und Interviewter duzen sich, weil sie sich auch persönlich kennen.

Siehe auch unter «Links» und unter «In Verbindung stehende Artikel».


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/