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Kolumne der Redaktion

20.08.2016

Was seine Tochter Franziska an der Trauerfeier über Alphons Egli sagte

Der am 5. August verstorbene Altbundesrat Alphons Egli (CVP) hat verfügt, dass an der Trauerfeier für ihn keine Reden von Politikern gehalten werden. Einzig seine Tochter Franziska Peyer-Egli und der Pfarrer kamen zu Wort, weshalb vorgestern Donnerstag (18. August) in der Hofkirche eine vergleichsweise schlichte Abdankung stattfand.


Franziska Peyer-Egli sowie ihre Schwester Barbara Egli und Bruder Cyrill Egli sind die drei Kinder von Alphons Egli und Heidi Egli-Mäder, die vor drei Jahren verstorben ist. Franziska Peyer-Egli, die hauptberuflich als Kantonsrichterin arbeitet, hat lu-wahlen.ch freundlicherweise ihr Redemanuskript zur Verfügung gestellt.

Hier folgt dieser Text:

Verehrte Trauergäste, liebe Freunde, Freundinnen und Bekannte, sehr geehrte Vertreter und Vertreterinnen aus der Politik und dem öffentlichen Leben, liebe Familie. Sie sind gekommen, um von unserem Vater, Alphons Egli, Abschied zu nehmen und bringen uns Ihre Anteilnahme entgegen. Meine Geschwister und ich und unsere Familien danken Ihnen herzlich. 

Es trifft sich, dass heute vor 64 Jahren unsere Eltern sich in der Jesuitenkirche ihr Ja-Wort gaben. Unsere Mutter ist vor drei Jahren von uns gegangen. In unseren Gedanken ist aber auch sie heute, an diesem Tag, besonders nahe und wir schliessen sie in unsere Gebete ein.

Wer Alphons Egli gekannt hat, weiss dass er es nicht mochte, wenn um seine Person viel Aufhebens gemacht wurde und er liess es auch nicht gerne Einblicke in sein inneres Wesen gewähren. Es war die Art unseres Vaters, Wesentliches vom Unwesentlichem zu trennen.

So hat er gewünscht, dass die Trauerfeier schlicht sein soll, gleichsam reduziert auf den unverzichtbaren Kern der katholischen Messe. Das heisst also keine Predigt, keine Musik auch kein Requiem, ausser ein Choral-Gloria, und vor allem keine Reden. Wir möchten diese Wünsche unseres Vaters respektieren, nicht ganz wörtlich, aber dem Geiste nach.

Das Orgelspiel wollen wir – wie sie gehört haben – nicht auslassen und schlichter gregorianischer Gesang begleitet uns durch die Stationen der Messe. Eine Predigt im eigentlichen Sinne werden wir nicht hören und wir verzichten auf Reden zur Person unseres Vaters, obwohl einiges zu sagen gewesen wäre.

Immerhin hat unser Vater einen kurzen Lebenslauf verfasst, der seinem Wunsch gemäss - wie er sich ausdrückte – soweit tunlich bei der Trauerfeier vorgelesen werden darf. Das halten wir für tunlich, und so möchte ich nun im Folgenden seinen Lebenslauf vorlesen.

Unser Vater schreibt:

Am 8. Oktober 1924 wurde ich als fünftes von sechs Kindern des Gotthard Egli und der Lea Amrhyn auf der Musegg in Luzern geboren. Mein Vater war Rechtsanwalt und später Regierungs- und Ständerat. Ich hatte das Glück, in eine harmonische, grundchristliche Familie hineingeboren zu sein. Zusammen mit meinen fünf Geschwistern, von welchen wir allerdings zwei im jungen Alter verloren, wuchs ich am Rande der Luzerner Altstadt an der Cysatstrasse auf.

Nach der Primarschule im nahen Mariahilfschulhaus wurde ich vorerst in Internate gesteckt. Nebst dem Elternhaus haben mich aber die Schulen bei den Benediktinern in Engelberg und bei den Augustiner Chorherren in St. Maurice am meisten für das Leben geprägt. Die 7. und 8. Klasse des Gymnasiums und die Matura durfte ich an der Kantonsschule in Luzern verbringen. Meine schulischen Leistungen stimmten einigermassen; disziplinarisch war ich aber unbegabt.

Meinen Beruf wählte ich nach der Eliminationsmethode: Pfarrer, Arzt, Lehrer oder Techniker wollte ich nicht werden, so dass eigentlich nur noch die Jurisprudenz übrig blieb. An den Universitäten Zürich und Bern und in Rom an der päpstlichen Universität Gregoriana war ich kein übereifriger Student, da ich mich im Kreise meiner Studentenverbindungen Turicia und Burgundia wohler fühlte als in den Hörsälen. Eigentlich verwunderlich, dass ich trotzdem nach relativ wenigen Semestern, wiederholt unterbrochen durch Militärdienst, in Bern das Doktorat und in Luzern das Anwaltsexamen bestand.

Vor meinem Studienabschluss fand ich aber mein Lebensglück, indem ich meine spätere Frau Heidi Mäder aus Gossau St. Gallen, kennen lernte. Die Fürstenländerin stammte wie ich aus einer kinderreichen Politikerfamilie. Auch ihr Vater war Regierungsrat und  eidgenössischer Parlamentarier. Sie verlor ihn aber schon im Alter von 11 Jahren, so dass ich ihn nicht kennenlernen durfte. Diese Frau brachte alle mich fördernden Eigenschaften mit. Sie begleitete mich mit Intelligenz und bewundernswürdiger Anpassungsfähigkeit in meinen wechselnden Lebenssituationen. Meine Ehefrau schenkte mir zwei Töchter und einen Sohn und indirekt eine Schar Enkelkinder und Urenkelkinder.

Ich möchte hier ergänzen: Unsere Mutter war für unseren Vater und uns Kinder die ordnende Hand der Familie. Wir standen in ihrem Lebenszentrum. Uns galten ihre Fürsorge und ihr tägliches Wirken. Sie stand unserem Vater – nach aussen hin mit Zurückhaltung - zur Seite in seiner politischen Karriere; wenn sie auch seine vielen Abwesenheiten nicht immer nur mit Gelassenheit hinnahm. – Unser Vater war uns trotz seiner beruflicher und politischer Inanspruchnahme uns Kindern zugewandt, nahm Anteil, zeigte sich nachsichtig und war auch in der Familie zu Spässen aufgelegt, eben so wie ihn viele in früheren Jahren gekannt haben.

Ich fahre mit dem Lebenslauf fort.

Meinen Beruf liebte ich. Zur Politik kam ich eher aus Tradition als aus innerer Neigung. Aber sie wurde mein Lebensschicksal. Meinen Aufstieg über die übliche Parteileiter über Bürgerrat, Grossrat und Ständerat bis zum Bundesrat verdanke ich eher den jeweils günstigen Konstellationen. Ich gestehe: mein letztes Amt war nicht mein Traumjob. Ich fühlte mich in der lockeren Atmosphäre eines Parlaments wohler und besser in meinem Element als in der erzwungenen Dignität einer Exekutive. Diese brachte mir indessen interessante, teilweise auch aufreibende, Aufgaben und neue Freunde.

Nach meinem Rücktritt am Ende meines Bundes-Präsidialjahres 1986 kehrte ich nicht mehr meinen angestammten Beruf; aber mit meiner Frau nach Luzern zurück. Bis zum 70. Lebensjahr wirkte ich noch in wenigen, vorwiegend örtlichen kleineren und mittleren Wirtschaftsunternehmungen, in Kommissionen und gemeinnützigen Institutionen mit. Ausserdem machte ich mit meiner Frau zum Teil ausgedehnte Reisen, oblag meinen Studien und besuchte Vorlesungen an der Universität Luzern.

Mit 78 Jahren trat nochmals eine Änderung ein, indem wir von Luzern nach Muralto umzogen, wo wir beide weiterhin unsere Hobbys pflegten  und, so gut es in diesen vier Jahren ging, in die Tessiner-Gesellschaft integrierten. Im Februar 2006 kehrten wir in mein Vaterhaus in Luzern zurück.

Ich darf auf ein glückliches Leben zurückblicken. Ich verdanke dies nebst meinem Schöpfer meiner Frau, aber auch meiner Familie, meinen Eltern, meinen Lehrern und meinen Freunden in Luzern, Bern und im Tessin.

Ich war nicht immer ein bequemer Zeitgenosse. Man möge mir heute verzeihen. Ich möchte nicht sanft ruhen, sondern auferstehen und leben im Herrn.

Wir haben gehört, dass unser Vater Studien nachging und an der Universität Luzern Vorlesungen besuchte. Seine Interessen galten vornehmlich der Patrologie, d.h. der Lehre und den Schriften der Kirchenväter in den frühen Jahrhunderten des Christentums. In diese vertiefte sich unser Vater fast täglich für mehrere Stunden. Vorlesungen besuchte unser Vater auch bei Pater Wolfgang Müller, mit dem er in regem Austausch stand und der heute zusammen mit Kaplan Gerold Beck, unserem früheren Pfarrer im Hof, die Messe hält. 

Unser Vater hat die Todesanzeige selbst verfasst, und dieser ein Zitat aus dem 2. Brief an die Korinther des Apostels Paulus vorangestellt. Diese Textstelle erschliesst sich theologisch Unvertrauten nicht ohne Erklärungen. Pater Wolfgang Müller erläutert uns - an Stelle einer Predigt - in einer kurzen Betrachtung die Bedeutung, die unser Vater dieser Textstelle gegeben hat und wie diese im Kontext dieses Paulusbriefes zu verstehen ist. Damit sei das Wesentliche nach dem Wunsch unseres Vaters in den Vordergrund gestellt.

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Die Auszeichnungen in diesem Text stammen von der Redaktion lu-wahlen.ch.

Man beachte auch unter «In Verbindung stehende Artikel»: Wie sich Bundespräsident Alphons Egli am 10. Dezember 1986 von der Vereinigten Bundesversammlung verabschiedete. 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/