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Kolumne der Redaktion

09.08.2016

Wie die CVP des Kantons Luzern Alphons Egli würdigt

Mit Alphons Egli ist am Freitagabend einer der vermutlich herausragendsten Bundespolitiker des Kantons Luzern gestorben. Etwas gar spät, aber immerhin doch noch, hat ihn soeben auch noch die CVP des Kantons Luzern gewürdigt. Ihre Stelllungnahme folgt hier im Wortlaut.


«Für den Politiker und Parlamentarier geht es heute vorab darum, das Vertrauen der Wähler zu den politischen Institutionen und insbesondere zum Parlament und zum einzelnen Politiker wiederzugewinnen. Dies kann nur geschehen, wenn er sich von partikularen Interessen, Verbänden, wirtschaftlichen Gruppierungen möglichst unabhängig macht.»

Das schrieb der damalige Luzerner CVP-Ständerat Alphons Egli vor den Erneuerungswahlen 1979. Das Zitat beschreibt auf eindrückliche Weise die Grundanliegen des am 5. August verstorbenen Bundesrates Alphons Egli-Mäder. Staatspolitik war für ihn ein vorrangiges Thema. Das Verhältnis von Gesellschaft und Staat hat er immer wieder thematisiert. Von der Gesellschaft forderte er, dass sie sich selbst verändere. Und dem Einzelnen erklärte er, dass er sich nicht mit Hinweis auf den Sozialstaat der eigenen Verantwortung entziehen dürfe. Als überzeugter Katholik erinnerte er stets daran, dass für den Christen die Nächstenliebe das höchste Gebot ist. 

Anderseits war ihm die Forderung nach einem unabhängigen Politiker ein Herzensanliegen. Zu den Wahlen 1979 verfasste er einen «Beichtspiegel». Punkt 1 lautete: «Habe ich das Gemeinwohl vertreten oder bin ich Einflüssen erlegen, die Sonderinteressen verfolgen?»  

Punkt 2: «Habe ich den Mut gehabt, meine eigene Meinung zu vertreten oder das, was man gerne hört?»  In Punkt 6 hat er, der ehemalige Verwaltungsratspräsident der Maihof AG (Herausgeberin des damaligen «Vaterland») in knappsten Worten seine Haltung gegenüber den Medien festgenagelt: «Habe ich mich überhaupt davon beeinflussen lassen, was die Journalisten über mich schreiben?

Das war Alphons Egli pur. Natürlich war auch ihm das alles nicht egal. Aber er hat immer wieder versucht, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese in der Öffentlichkeit zu vertreten. Er hat kein Blatt vor den Mund genommen. Treffend  hat ihn ein Bundeshausredaktor bei der Wahl zum Bundespräsidenten 1986 als «witzig, bissig und doch besonnen» bezeichnet. 

So hielt es Alphons Egli auch gegenüber der CVP, seiner und der Partei seiner Vorfahren: seines Vaters, des Regierungsrates und Ständeratspräsidenten Gotthard Egli-Amrhyn, seines Grossvaters und Wolhuser Gemeindeschreibers Peter Egli-Meier, der noch im «Waldhüsli», an der südlichen Grenze der Gemeinde Werthenstein, aufgewachsen war.

Alphons Egli war der CVP sehr zugetan, hat sich aber nie gescheut  auch eine andere Meinung als die der Partei zu vertreten. 

Der Rechtsanwalt und Notar engagierte sich von 1963 bis 1976 als konservatives Mitglied des Grossen Bürgerrats der Stadt Luzern. Als Präsident der konservativen Partei der Stadt Luzern war ihm der Kontakt mit der Basis wichtig. 1967 wurde Alphons Egli in den Grossen Rat gewählt, dem er bis zu seiner Wahl in den Ständerat im Jahre 1975 angehörte. Als äusserst engagierter und angesehener Standesvertreter des Kantons Luzern (1975 bis 1982) war er unter anderem auch Vizepräsident der CVP-Fraktion und ab 1979 Vorsitzender der stattlichen ständerätlichen CVP-Gruppe. Während seiner ganzen politischen Tätigkeit hat er sich für die Anliegen der Luzerner Bevölkerung und der Luzerner CVP eingesetzt. Er versuchte jederzeit, sich nicht ins Rampenlicht zu stellen. Entscheidend waren ihm das Wohl von Land und Volk.

Nicht von allen wurden sein Witz und seine berühmten, gelegentlich bissigen «Grabsprüche» goutiert. Doch das Volk spürte die Ehrlichkeit seiner Grundhaltung und seiner Anliegen. Es erkannte aber auch seinen scharfen Verstand, was ihn schliesslich zum höchsten Amt unseres Landes führte. Hier hat er in den wenigen Jahren seiner Zugehörigkeit zur Landesregierung (1983 bis 1986) bleibende Marken gesetzt.

Es war die Zeit mit der Debatte eines gravierenden «Waldsterbens», des verheerenden Brandes bei Sandoz Schweizerhalle, der Explosion eines Kernreaktors in Tschernobyl, undsoweiter. Das erforderte neue Massnahmen. Der überzeugte Konservative, der Alphons Egli Zeit seines Lebens war, bewies, was er unter «konservativ» verstand: die Grundlagen des Lebens bewahren. Darum setzte er mit dem neuen Umweltschutzgesetz und mit der Reduktion der Tempolimiten auf den Strassen und mit der Katalysatorpflicht wichtige neue Regelungen durch.  Zu Recht wurde er als «Umwelt-Bewahrer÷ bezeichnet. Mit seiner christdemokratischen, konservativen Haltung war für ihn die Bewahrung der Schöpfung jederzeit zentral. 

Hierin liegt der historische Verdienst von Alphons Egli. Die CVP Kanton Luzern ist ihm zu Dank verpflichtet. Das Andenken an diese grosse Persönlichkeit werden wir stets in Ehren halten. 

CVP Kanton Luzern


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Kommentare:
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Pirmin Meier aus Rickenbach

Dienstag, 09.08.2016, 19:39 · Mail

Noch kaum je habe ich einen so guten und eindrücklichen Text der Partei zur Würdigung einer eindrucksvollen Persönlichkeit zur Kenntnis nehmen dürfen, womit nicht nur der liebe Verstorbene, sondern auch die Partei selber geehrt wird. Grossartig, dass man sich nicht selber wichtig macht, sondern das Massstäbliche von Alphons Egli hervorgehoben hat.

Meines Erachtens kommt einiges von dieser Persönlichkeit, etwa seine konservative Substanz, die Natur betreffend, hier noch besser durch als bei meinem vielleicht etwas im Einzelfall unangemessen kritischen Nachruf, mit dem ich die Partei aber mahnen wollte, der ich nach wie vor das Beste wünsche. Grossartig ist ferner hier «durchgekommen», was für eine grossartige Funktion der Humor in der Politik haben kann. In diesem Punkt haben wir wohl eine ganz besondere Gemeinsamkeit.

Es bleibt aber wohl trotzdem dabei, dass für einen noch nachhaltiger wirksamen Staatsmann die Amtszeit des Verstorbenen zu kurz war. Leider wird es mir nicht möglich sein, an der Abdankung teilzunehmen, ich empfehle aber aus Überzeugung, diesem Grundsatzpolitiker im Gebete zu gedenken.

Pirmin Meier, Rickenbach

 
 
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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/