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Kolumne der Redaktion

19.05.2016

Tamilen danken der Schweiz für ihr Gastrecht, kritisieren aber zugleich deren Gleichgültigkeit gegen den anhaltenden Völkermord

Die Vernichtung der Tamilen in Sri Lanka geht auch sieben Jahre nach dem «offiziellen Ende» des Bürgerkrieges weiter. Und die Schweiz? Sie schweigt nicht nur – sie gleist mit dem Regime in Sri Lanka eine «Migrationspartnerschaft» auf, welche Tamilen in der Schweiz die Rückkehr zur Rückkehr in ihre Heimat ködern soll. Dagegen protestierten gestern Mittwoch (18. Mai) vor dem Bundeshaus etwa 500 Personen, vorab TamilInnen.


Kuruparan Kurusamy aus Zug, Präsident des Schweizer Volksrates der Eelam Tamilen (rechts), hisst die Schweizer Flagge, Dazu ertönt die Schweizer Nationalhymne. So wollte der SCET seine Dankbarkeit gegenüber dem Gastland ausdrücken.

Dem folgte das Hissen der Tamileelam-Fahne.

Auf Plakaten brachten die TamilInnen zum Ausdruck, was sie beschäftigt und ängstigt.

Die Nationalrätinnen Sibel Arslan (Grüne / BS)...

... und Yvette Estermann (SVP / LU) waren die einzigen von 246 eidgenössischen ParlamentarierInnen, welche auf die Einladung des SCET zur gestrigen Kundgebung reagierten.

Christoph Wiedmer sprach namens der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Anna Annor sprach als Vizepräsidentin des SCET.

Bilder: Herbert Fischer

Als Zeichen des Respekts vor ihrem Gastland und aus Dankbarkeit für das Gastrecht, das sie hier geniessen, hissten die Eelam Tamilen zu Beginn der Kundgebung vor dem Bundeshaus die Schweizer Flagge und liessen «Tritts im Morgenrot» ertönen.

Christoph Wiedmer, Geschäftsführer Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz, sagte in seiner Ansprache, mit dem Regierungswechsel im Jahr 2015 seien grosse Hoffnungen auf einen Wandel aufgekommen. Denn der neue Präsident Maithiripala Sirisena sei auch mit vielen tamilischen Stimmen gewählt worden. Wiedmer: «Doch kurz nach der Wahl folgte die Ernüchterung.» Zwar seien gesperrte Internetseiten in Sri Lanka wieder zugänglich gemacht und friedliche Kundgebungen und Proteste zugelassen worden. «Doch noch immer fehlt eine glaubwürdige Aufarbeitung der Kriegsverbrechen aller Kriegsparteien nach internationalen Kriterien.»

Kuruparan Kurusamy, Präsident des Schweizerischen Volksrates der Eelam Tamilen (SCET), verurteilte die zwischen dem Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter und dem Präsidenten von Sri Lanka, Maithiripala Sirisena, am 3. März 2016 in Bern angekündigte «Migrationspartnerschaft» die bezweckt, dass sich Tamilen in der Schweiz getrauen, in ihre Heimat heimzukehren.

Kurusamy: «Polizei und Armee gehen immer wieder gegen tamilische Demonstranten mit massiver Gewalt vor. Frauen, die mit Fotos ihrer verschwundenen Ehemänner oder Kinder demonstrieren, werden verprügelt oder verhaftet. Selbst Erinnerungsfeiern zu Ehren der gefallenen tamilischen Freiheitskämpfer sind absolut verboten, denn die Tamileelam, die einen unabhängigen Tamilen-Staat wollen, sollen ausgerottet werden.» Von einem wirklichen Ende des Genozids könne keine Rede sein.

Die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann unterstrich in einem ziemlich nichtssagenden Votum: «Sehr viele Mitglieder der Tamilen-Gemeinschaft haben in der Schweiz eine neue Heimat gefunden und arbeiten hier zum Wohle aller. Diejenigen, welche das Stimmrecht besitzen, können hier in der Schweiz mitbestimmen, in welche Richtung die Schweizer Politik gehen soll. Wir können nicht die ganze Welt verändern, aber hier in der Schweiz bewirken, dass die Welt dadurch etwas besser wird.»

Estermann war - wie alle 246 Mitglieder der Eidgenössischen Räte - zur Teilnahme an der Kundgebung eingeladen worden. Sie und die Baslerin Sibel Arslan von der Grünen Fraktion waren die Einzigen, welche auf diese Einladung reagiert haben.

SCET-Vizepräsidentin Anna Annor (Bern) sagte: «Die Tamilen in der Schweiz wissen sehr wohl, was sie der Schweiz verdanken und drücken dies auch immer wieder aus. Umsomehr ist es dann enttäuschend zu sehen, dass ausgerechnet die Schweiz sich auf Partnerschaften mit ihrem Herkunftsland einlässt, das sich weigert, den ursprünglichen politischen Zustand auf der Insel wieder herzustellen: Souveränität und Unabhängigkeit für beide Völker auf der Basis von gutnachbarschaftlichen Beziehungen.»

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch und mit mehreren SCET-AktivistInnen befreundet, Luzern 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/