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Kolumne der Redaktion

03.05.2015

Demo-Organisator widerspricht der Darstellung der Polizei vehement

Bei einem Demozug durch die Luzerner Innenstadt hat die Polizei am Samstagabend vier Personen festgenommen. Die Begründung: sie hätten sich verbotenerweise vermummt. Ein Sprecher der Gruppe Lagota, welche die Demo organisiert und durchgeführt hat, widerspricht der Darstellung der Polizei vehement.


Die Redaktion lu-wahlen.ch stellte dem Sprecher der Demo-Organisatoren per E-Mail die folgenden Fragen:
1. Frage: wie nehmen Sie Stellung zur Medienmitteilung der Polizei? 
2.: Trifft es zu, dass es sich bei den vier Festgenommenen um Vermummte gehandelt hat?

3.: Wenn ja, warum erwähnen Sie dies in Ihrer Medienmitteilung nicht?
Darauf antwortete der Sprecher von «Lagota» wie folgt:

«Lagota»-Sprecher: «Da die Fragen sehr nahe beieinander liegen, habe ich sie auf einmal beantwortet. Die Medienmitteilung der Luzerner Polizei entspricht nicht der Wahrheit. Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass mindestens zwei der Festgenommenen nicht vermummt waren und auch kein Feuerwerk gezündet haben. Es handelt sich dabei um eine Sanitäterin von unserem eigenen Sicherheitsdienst sowie um eine Person mit einem Megafon.

Ausserdem unterschlägt die Medienmitteilung der Polizei das äusserst brutale Vorgehen gegen eine friedliche Demonstration; dies ohne Rücksicht auf Frauen und Kinder, die sich auch im vorderen Teil der Demonstration aufhielten. Unter massivem Einsatz von Pfefferspray und laut Augenzeugenberichten auch von Schlagstöcken, wurden offenbar wahllos Leute aus der Demo gerissen und brutal verhaftet.

Wir sind ausserdem schockiert, dass die Polizei nicht das Gespräch mit den Organisatoren gesucht hat, diese hätten das Problem sicher konfliktfrei lösen können. Zuletzt möchte ich unserer Empörung darüber Ausdruck verleihen, dass die Polizei versucht Beweise zu fälschen, indem sie unserer Sanitäterin Vermummungsmaterial untergejubelt hat.»

Weitere Frage von lu-wahlen.ch per E-Mail an den Sprecher von «Lagota»: Gab es bereits zu Beginn des Demozuges Vermummte? Falls ja: Haben die Veranstalter – also «das OK» der Demo – diese Leute aufgefordert, sich zu «ent-mummen»? Wenn nein: Warum nicht?

«Gemäss unseren Beobachtungen gab es Vermummte erst auf der Seebrücke. Danach ging alles sehr schnell und wir hatten in dieser kurzen Zeit keine Möglichkeit mehr, zu reagieren.

Ausserdem möchten wir an dieser Stelle erwähnen, dass der Angriff der Polizei offenbar schon lange geplant war. Die Polizei stand bereits in Vollmontur bereit, bevor die Demo die Seebrücke betreten hatte. Wir fragen uns deshalb, ob es wirklich wegen bestimmter „Vorkomnisse“ zu diesem Einsatz kam oder ob es andere Gründe dafür gab.» 

Weitere E-Mail: Trifft es zu, dass ein Sprechchor skandierte: «Ganz Luzern hasst die Polizei»?

«Aufgrund des sehr rücksichtslosen Vorgehens, der brutalen Verhaftungen von offensichtlich unschuldigen Personen sowie den gescheiterten Verhandlungsversuchen zwischen den Organisatoren und den Verantwortlichen der Stadt Luzern ist es gut vorstellbar, dass sich die Wut auf diese Weise entladen hat.»

Weitere Frage von lu-wahlen.ch per E-Mail: Trifft es im weiteren zu, dass auch der Slogan gerufen wurde: «Für die Bonzen seid ihr da – Ma-rio-netten: ha, ha, ha»? 

«Die Polizei schützt den kapitalistischen Status quo. Mit all seinen Konsequenzen: Krieg, Flüchtlingskatastrophen, Umweltzerstörung, Armut, undsoweiter. In diesem Sinne verteidigt die Polizei die "Bonzen", die von diesen Missständen profitieren. Die Parole ist zwar sicher verkürzt, aber inhaltlich richtig und wurde so skandiert.» 

Weitere E-Mail: Sie treten gegenüber den Medien als Sprecher der Gruppe Lagota als «Florian Meier» auf. So heissen sie aber nicht wirklich.

«Mein Name ist nicht wichtig. Es geht um den Inhalt, den ich im Auftrag der Gruppierung vertrete. Ich biete ihnen einen Namen an, den Sie für die Berichterstattung verwenden können. Sie können auch "ein anonymer Sprecher" schreiben.»

Weitere E-Mail: Ich will aber Ihre wahre Identität wissen! Dann bin ich bereit, Ihre Aussagen auch so zu deklarieren, ohne Ihren Namen zu nennen. Ich brauche aber eine Begründung, warum Sie Ihren Namen nicht preisgeben.

«Warum ist das so wichtig? Mein Name ist ja wirklich egal und ändert an den Tatsachen überhaupt nichts.»

Weitere E-Mail: Da muss ich Ihnen leider widersprechen. Gemäss den berufsethischen Richtlinien bin ich verpflichtet, meine Quellen zu kennen und verifiziert zu haben. Diese Richtlinien, beziehungsweise deren Einhaltung habe ich unterschrieben.

«Ok, ich heisse in Wirklichkeit XY (der Redaktion inzwischen bekannt). Die Begründung, dass ich als Sprecher von "Lagota" unter falschem Name auftrete, ist die Angst vor rechtsextremen Übergriffen sowie die Angst, den Job zu verlieren. Ausserdem will ich nicht, dass zukünftige Arbeitgeber bei Recherchen solche Artikel finden. Ich habe zwar nichts zu verbergen und stehe hundertprozentig hinter meinen Aussagen. Aber ich trenne Politisches und Arbeit strikt. Bei der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt (speziell in meiner Branche), können solche Kleinigkeiten den Unterschied ausmachen, ob man einen Termin für ein Vorstellungsgespräch erhält oder nicht.»

Weitere E-Mail: Wie kann ich erhärten, dass dieser Name stimmt?

«Ich habe Ihnen eine separate Mail mit einem Bild von meiner ID geschickt.»

Das stimmt. «Florian Meier» heisst in Wirklichkeit so, wie er gegenüber lu-wahlen.ch gesagt hat und seine Identität ist einwandfrei verifiziert.

Interview: Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern

Siehe dazu unter «In Verbindung stehende Artikel»: Brenzlige Situation zwischen Demonstranten und Polizei in Luzern (unter anderem mit der polizeilichen Medienmitteilung, von der in diesem schriftlich geführten Interview die Rede ist).


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

treten Sie mit lu-wahlen.ch in Kontakt

Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/