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Kolumne der Redaktion

17.03.2015

540 Leute bei «Mut zu mehr Menschlichkeit» in der Kirche St. Johannes in Luzern

Konstantin Wecker, Eugen Drewermann und Arno Gruen sind heute Dienstagabend (17. März) beim Anlass «Mut zur Menschlichkeit» in der Würzenbach-Kirche aufgetreten. Der Luzerner Journalist René Regenass hat darüber einen Beitrag für das «Pfarrblatt» erschienen, der dort in der Ausgabe vom 9. April erschienen und auch hier zu lesen ist.


Wo Lichter leuchten ist Hoffnung. Und wo Hoffnung ist, ist Zukunft. Etwa so lautete der Tenor, der sehr gehaltvollen Veranstaltung heute Dienstagabend in der Kirche St. Johannes.

Sie sprachen heute Abend in Luzern (von links): Eugen Drewermann, Arno Gruen und Konstantin Wecker. Rechts: Alois Metz, der «den Würzenbach» als Gemeindeleiter verlässt.

Der hochbetagte Arno Gruen muss sich zwar gesundheitlich schonen, nahm trotzdem teil, allerdings nur während der ersten Stunde. Herzlicher und langanhaltender Applaus begleitete seinen Abschied.

Eugen Drewermann (links) und Alois Metz.

Konstantin Wecker.

Bild: Herbert Fischer

Der Ansatz zum Abend war aufbauend, schöpferisch auch, liess hoffen auf Impulse für den «Mut zu mehr Menschlichkeit». Denn die Namen waren ein Versprechen: Arno Gruen (91), Schriftsteller und Psychoanalytiker; Eugen Drewermann (75), der Theologe, dem 1991die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen worden war; und Konstantin Wecker (68). Ihr Auftritt zu dritt in der Johanneskirche war erstmalig, einmalig. Pfarreileiter Alois Metz hatte die drei «unermüdlichen Kämpfer» eingeladen. Sie verbinden Empathie, Mut und Leidenschaft.

Das alles spürte man in der ausverkauften Johanneskirche. Die Aussagen von Gruen über die Ausschaltung der Gefühle und von Drewermann über den Krieg als Krebsübel unserer Kultur bewegten, rüttelten auf. Auf dem Heimweg jedoch spürte ich auch eine Überforderung, und war nicht allein damit. Der fast einstündige Vortrag von Eugen Drewermann, inhaltlich ein Aufstand gegen die Kriegspolitik, wurde zu einem Bombardement der Worte, dem man stellenweise nur mühsam folgen konnte. Zum Glück war da noch ein Konstantin Wecker, der mit seinen Liedern und auch mit Worten einen hellen Schlusspunkt setzte. «Es ist so wichtig für mich, dass ich hier sein darf», sagte Wecker am Ende.

Im Vortrag von Arno Gruen – seine Kräfte waren krankheitshalber spürbar reduziert – standen Gefühle und Empathie im Umfeld der Mutter-Kind-Beziehung im Mittelpunkt. Seine Botschaft war deutlich und kam auch an. Wenige Kerngedanken mögen sie deutlich machen. Wir hätten gelernt, wegzuschauen, sagte Gruen. «Unsere Gefühle sind zur Gefahr geworden, sie müssen ausgeschaltet werden. Wenn das Bewusstsein von Vater oder Mutter die Hilflosigkeit des Kindes nicht wahrnehmen kann, ist Empathie, also die Beziehung gefährdet...

Der häufige Körperkontakt von Mutter zu Kind ist entscheidend wichtig. Die heute geförderte Unabhängigkeit des Kindes macht beziehungslos und schaltet emotionale Nähe aus.» – «Wie erhalten wir den Kindern die Mütter?», fragte Drewermann.

Scheitern sei notwendig, sagte Konstantin Wecker, als ihn Alois Metz darauf ansprach, dass er Konflikte nie gemieden habe. «Doch die Welt lässt das Scheitern gar nicht mehr zu. Und wir spielen den Kindern diese Rolle vor.» Das Kind habe bald nichts mehr, das nur ihm gehöre. «Facebook macht es unmöglich!» Die grosse Frage heisse, wie wir die Eltern heilen könnten. Konstantin Wecker: «Ich vertraue auf Poesie und Kultur, beide haben Heilkraft.»

Und dann Eugen Drewermann mit seinem unermüdlichen Kampf gegen Gewalt, Krieg und Soldateska: «Der Krieg setzt die Umerziehung des normalen Bürgers um. Für Kameradschaft und Uniform geht er in den Tod.» 1989 habe Gorbatschow die Chance für ein friedliches Europa vom Ural bis zum Atlantik gesehen. «Aber niemand hat ihn ernst genommen. Dabei wäre es damals möglich gewesen. Doch Politik und Militärs hatten andere Pläne. Schon 1991 begann die NATO mit der Ostausdehnung. Dann kam der Irakkrieg, die Ansprüche der USA wurden hegemonial.» Seit 2001 habe die USA in sieben arabischen Ländern mit Gewalt interveniert. Der IS sei heute die logische Folge dieser Misere. Drewermann zeigte sie schonungslos auf, die Spirale der Gewalt… und machte uns gleichzeitig irgendwie hilflos. «Wir brauchen Menschen, die es wagen, wehrlos zu sein. Wir müssen wieder miteinander reden und die unterschiedlichen Kulturen anerkennen. Der Friede ist die einzige Möglichkeit zur Erhaltung von Menschlichkeit.»

Dann ging Konstantin Wecker ans Klavier und gab dem Abend Licht, mit seinem «Pazifistischen Credo», mit seinen Liedtexten: «Ich habe mich entschieden, dass es einen Himmel gibt.» Oder: «Zwischen Zärtlichkeit und Wut, tut das Leben richtig gut.» 

Es war wohl das, was fehlte an diesem Abend: Das Aufbauende, das Licht am Ende des Tunnels. Drewermann versuchte es in den letzten Sätzen mit dem Hinweis auf Jesu Botschaft, etwas spät für mein Empfinden 

René Regenass, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/