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Kolumne der Redaktion

02.04.2014

Peter Frey präsentiert 700 Jahre Stadtluzerner Feuerwehrgeschichte in Buchform (1)

Er war 36 Jahre bei der Feuerwehr, die er von 1985 bis 2006 kommandierte. Jetzt ist von ihm ein Buch erschienen: «Luzern zur Wehr - Chronik zur Entwicklung der Feuerwehr Stadt Luzern». Am heutigen Mittwochabend (2. April) ist das reich bebilderte, übersichtlich gestaltete Werk der Öffentlichkeit präsentiert worden. lu-wahlen.ch hat zuvor mit Major Peter Frey gesprochen und zeigt hier Bilder aus seinem Buch.


2. April 2014: Major Peter Frey, Feuerwehr-kommandant von 1985 bis 2006, stellt das Buch «Luzern zur Wehr» vor, das er im Auftrag der Luzerner Feuerwehr konzipiert, recherchiert, zusammengetragen und teils auch geschrieben hat.

Bild: Herbert Fischer

18. August 1993: Der Brand der Kapell-brücke ist einer der beiden markantesten Einsätze in den 36 Jahren, die Peter Frey der Luzerner Feuerwehr angehörte, zusam-men mit dem Bahnhofbrand am 5. Februar 1971. In seinem früheren Buch «Luzern brennt» (erschienen 2009) schreibt Peter Frey dazu: «Der Brandfall meiner Karriere».

20. Februar 1993: Brand des Motorschiffs Europa in der Werft der SGV.

15. Juni 2013: Löscharbeiten beim Dachstockbrand an der Maihofstrasse.

4. Juli 2004: Vollbrand einer Scheune im Schönbühlquartier.

2005 erreichte der Seespiegel - wie 1910 - einen historischen Höchststand und erfor-derte einen mehrtätigen Rund-um-die-Uhr-Einsatz (vom 21. bis 28. August) aller Kräfte der Luzerner Feuerwehr. Das Bild entstand am Schwanenplatz.

Dampfspritze aus dem Jahr 1919.

Dieses Bild des gesamten Fahrzeugparkes entstand im Oktober 2013 auf der Allmend, aufgenommen von einer Drohne.

Diese Holzstatue der Heiligen Agatha, Schutzpatronin der Feuerwehr, ist eine Schenkung von Vinzenz Eggermann, der selber während 35 Jahren der Feuerwehr Stadt Luzern diente.

Herbert Fischer: Sie waren 21 Jahre Stadtluzerner Feuerwehrkommandant und schon zuvor 14 Jahre Jahre in der Feuerwehr: Worin liegt die Faszination des Feuerwehrdienstes?

Peter Frey: Als ich 1970 - übrigens gegen meinen Willen - rekrutiert worden bin, sagte Feuerwehrkommandant Bärti Ineichen zu uns: «Ihr müsst einen ersten Einsatz erlebt haben, dann wisst ihr, warum ihr in der Feuerwehr seid.» Mein erster Einsatz war der Bahnhofbrand am 5. Februar 1971. Er dauerte 25 Stunden, nicht am Stück, aber gesamthaft waren es 25 Stunden. Seither weiss auch ich, warum ich so lange bei der Feuerwehr mitmachte. Menschenrettungen waren beim Bahnhofbrand Gott sei Dank nicht erforderlich, aber später bei anderen Einsätzen; ebenso Tierrettungen.

Wer solche Einsätze geleistet hat weiss: Das ist eine gute Sache, ein Dienst an der Allgemeinheit, man hilft Menschen in Not, man gibt, was man geben kann.

Und das im Verbund mit anderen und ihren Funktionen. Ich will das Wort Kameradschaft nicht strapazieren, aber sie ist etwas vom Wichtigsten. Ich konnte mich in all den Jahren immer blindlings auf die Kameraden verlassen. Erst das gibt die Sicherheit, die es im Einsatz braucht. Diese Erfahrungen nehmen einem «den Ärmel rein», das kann man nicht gross erklären. 

War ihr erster Einsatz, der Bahnhofbrand, auch ihr markantestes Ereignis?

Ja, zusammen mit dem Kapellbrückebrand. Der Bahnhofbrand, weil er der erste Einsatz war; übrigens noch ohne Atemschutz, man trug damals noch einen nassen Schwamm vor Nase und Mund und wagte sich so nahe wie möglich ans Feuer. Aber Brandschutzausrüstungen wie heute gab es damals noch nicht. Das waren also in meinen Anfangsjahren auch schon körperlich sehr harte Einsätze.

Zweites herausragendes Ereignis war der Brand der Kapellbrücke am 18. August 1993. Einsatztaktisch und einsatztechnisch war das ein gewöhnlicher Brand, allerdings mit einem speziellen Objekt und unglaublicher medialer Wirkung; bekanntlich vor allem wegen all der Spekulationen über die Brandursache.

Die Brandursache ist tatsächlich noch immer ein Thema, wann und wo immer das Thema Brand der Kapellbrücke aufkommt. Was ist Ihre Meinung?

Es gibt eine offizielle Version. Die aber glaube ich nicht. Die wirkliche Ursache ist und bleibt ein Mysterium. Es sei denn, es gestehe irgendwann einmal irgendwer auf dem Totenbett, die Brücke angezündet zu haben. 

Ihre Faszination für die Feuerwehr steckt offensichtlich in jedem Feuerwehrmann. Es war auch schon der Satz zu hören: «Einmal Feuerwehrmann – immer Feuerwehrmann». Ist das so?

Eindeutig. Ich sehe auch heute noch als Rentner im Alltag Situationen, die ich als Feuerwehrmann so sehe, vor allem sind dies potentielle Brandrisiken oder Fluchtwege, die nicht frei sind, um nur zwei Beispiele zu nennen. Das steckt nach wie vor in mir drin. 

Heisst das, dass trotz ständiger Präventionskampagnen immer wieder Brände entstehen, die eigentlich leicht vermeidbar wären?

Tatsächlich wären sehr viele Brände bei Einhaltung einfachster Regeln vermeidbar. Aber es gibt auch viele Risiken, die nicht beeinflussbar sind, etwa ein plötzlich brennender TV-Apparat oder ein Tumbler. Sicher aber ist: Wir alle können im Alltag mithelfen, Brände zu verhindern. Und auch die Arbeit der Feuerwehr erleichtern. Zum Beispiel allein schon dadurch, dass klar markierte Einsatz- und Fluchtwege auch wirklich freigehalten werden. 

Wie ist eigentlich die Feuerwehr in der Stadt Luzern gegenwärtig aufgestellt?

Sehr gut. Sie leistet dasselbe und auf selbem Niveau wie eine Berufsfeuerwehr – mit Ausnahme des Notarztdientes, das macht hier der Rettungsdienst 144. Die Feuerwehr in Luzern hat einen hohen Ausbildungsstandart, in den viel investiert wird. Es werden mehr Ausbildungs- als Einsatzsstunden geleistet, das muss bei einer Milizfeuerwehr so sein; nur das Kommando und die Feuerpolizei sind vollamtlich angestellt.

Nach jedem grossen Einsatz findet auch ein Briefing statt. in dem der Einsatz im Detail analysiert wird, um Schwachstellen und Fehler zu erkennen, und zu korrigieren - schonungslos, aber kameradschaftlich.

Sie attestieren der Luzerner Milizfeuerwehr das Niveau einer Berufsfeuerwehr, die ja auch immer wieder thematisiert wird, gerade mit Blick auf den Vertrag der Stadt mit dem Kanton über das Löschpikett der Polizei, der Ende Jahr ausläuft. Wie sehen sie das? 

Man muss einfach wissen: Eine Berufsfeuerwehr bräuchte für Luzern einen Bestand von 70 bis 120 Leuten. Wenn es nicht brennt, müssen die beschäftigt sein. Daneben braucht es aber trotzdem eine Milizfeuerwehr, weil dieser Bestand bei einem Grosseinsatz nicht ausreicht. Nur käme diese Milizfeuerwehr viel weniger zum Einsatz als die heutige; die Polizei rückt beim heutigen Konzept ja nur für den Ersteinsatz aus. Das heutige Konzept hat den Vorteil, dass die Milizfeuerwehr oft zum Einsatz gelangt, über viel Knowhow verfügt und entsprechend sicher auftritt. Der Entscheid also, ob Luzern eine Berufsfeuerwehr haben soll oder nicht, ist letztlich eine Abwägung zwischen diesen beiden Argumentationen. 

Interview: Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/