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Kolumne der Redaktion

25.02.2012

Buchpreisbindung: Gegner im Dienste des Discounters Ex Libris

Die Argumente zur Abstimmung über die Buchpreisbindung wurden landauf, landab rauf- und runterbuchstabiert. Man kann sie glauben oder nicht, man kann sie politisch einordnen, man kann vergleichen, Studien konsultieren. Man könnte auch, wenn man wollte, die Direktbetroffenen fragen, zum Beispiel die Buchhandlungen und Verlage.


Matthias Burki, geboren 1972, lebt als Verleger und Schreiber in Luzern. Von 1999 bis 2008 war er Redaktionsleiter des «Kulturmagazins Luzern», seither führt er den Spoken-Word-Verlag Der gesunde Menschenversand.

Matthias Burki, geboren 1972, lebt als Verleger und Schreiber in Luzern. Von 1999 bis 2008 war er Redaktionsleiter des «Kulturmagazins Luzern», seither führt er den Spoken-Word-Verlag Der gesunde Menschenversand.

Oder man kann auch ganz anders vorgehen, hinter die Kulissen schauen und sich fragen, was die Argumente auf einer anderen Ebene sagen, was verschwiegen wird und welche Motivation hinter dem Volksbegehren steht. In diesem Fall bei den treibenden Kräften des Referendums, dem Discounter Ex Libris (mit offensichtlichen Marktinteressen) und den bürgerlichen Jungparteien, im Abstimmungskampf unterstützt insbesondere von FDP und SVP und den meisten Wirtschaftsverbänden.

Und so kann man zuallererst festhalten: Diejenigen Kräfte, die sich sonst immer als Verteidiger und Interessenvertreter der Wirtschaft schreien, wenden sich gegen die fast geschlossen auftretende Buchbranche und lassen sich von einem Discounter vor den Karren spannen. Man kann vermuten, dass dies die betroffenen Buchhändler oder Verlegerinnen, deren Interessen die Wirtschaftsvertreter eigentlich stützen sollten, als Affront empfinden.

Man kann danach feststellen, dass sich die Referendumskräfte die Wichtigkeit der Buchkultur und die Unterstützung von Autoren auf die Fahne schreiben und als leidenschaftliche Leser Bücher in die Fernsehkameras halten. Und man kann hinter die Kulissen schauen und sich zum Beispiel ans Jahr 2011 erinnern, wo genau die gleichen Kräfte das Verlagsförderungsmodell «Succès livre» im Bundesparlament bachab geschickt haben. Vielleicht ein Einzelfall, könnte man einwenden, aber man hat auch alle erdenkliche Mühe, sich an einen konkreten Anlass zu erinnern, an dem sie sich für das Anliegen der Literatur, des Buchs, ja der Kultur allgemein eingesetzt hätten.

Nun bringen die Wirtschaftskreise übergeordnete Prinzipien ins Spiel, die für alle Wirtschaftszweige gelten sollen, den freien Markt also. Vorerst mal nachvollziehbar, ehrbar natürlich, aber auch glaubwürdig und konsequent? Man kauft am Kiosk Zeitungen, die überall gleich viel kosten und mit der indirekten Presseförderung und einem tieferen Mehrwertsteuersatz für ihre wichtige demokratische Funktion unterstützt werden. Man subventioniert die Landwirtschaft, unter anderem für ihre Leistungen im Naturschutz. Man leistet Exportgarantien, damit die Schweizer Unternehmen konkurrenzfähig und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Man kann andererseits festhalten, dass die gleichen Kreise bei mächtigeren Branchen wie etwa der Pharmaindustrie oder dem Bankenwesen Samthandschuhe anziehen. Und man muss deshalb schliesslich vermuten, dass es sich hier um ein Scheingefecht handelt, um einen Kampf auf Kosten einer kleinen Branche, um zum Beispiel wie die (Jung) Freisinnigen endlich wieder einmal zu gewinnen.

Ja, man sollte einfach hinter die Kulissen schauen. Und für die betroffene Wirtschaft stimmen und nicht für die selbst ernannten Wirtschaftsvertreter.

Matthias Burki, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/