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Kolumne der Redaktion

18.06.2011

Was Konrad Graber am Flüchtlingstag sagte

Am Flüchtlingstag 2011 (am Samstag, 18. Juni) auf dem Luzerner Kapellplatz sprach CVP-Ständerat Konrad Graber. Lesen Sie hier, was er sagte.


Beide stehen sie im Regen, wollen im Oktober wiedergewählt werden: der grüne Nationalrat Louis Schelbert (rechts) und CVP-Ständerat Konrad Graber am Flüchtlingstag (18. Juni 2011) auf dem Luzerner Kapellplatz, wo Graber eine stark applaudierte Rede hielt.<br><br>Bilder: Herbert Fischer

Beide stehen sie im Regen, wollen im Oktober wiedergewählt werden: der grüne Nationalrat Louis Schelbert (rechts) und CVP-Ständerat Konrad Graber am Flüchtlingstag (18. Juni 2011) auf dem Luzerner Kapellplatz, wo Graber eine stark applaudierte Rede hielt.

Bilder: Herbert Fischer

Es ist eine schöne Tradition, dass die Caritas jedes Jahr zum Tag des Flüchtlings ein Begegnungsfest organisiert. Ich habe bereits in früheren Jahren daran teilgenommen und war jedes Mal beeindruckt von der friedlichen Atmosphäre und der Vielfalt der kulinarischen Spezialitäten.

Nach solchen Tagen des Flüchtlings habe ich oft für mich gedacht, dass es gut wäre, wenn auch Politikerinnen und Politiker anwesend wären, die eine restriktivere, um nicht zu sagen knallharte Asyl- und Flüchtlingspolitik verfolgen. Was hier gelebt und demonstriert wird ist etwas anderes, als was aus den Worten von Hardlinern in den Ratssälen zu erwarten wäre.

Tatsächlich ist die Asyl- und Flüchtlingspolitik ein in der Schweiz sehr stark umstrittenes Politikfeld. Es war früher ein Politikfeld, auf das die Schweiz stolz war, wenn ich beispielsweise an die Zeit der Weltkriege zurück denke. Mindestens wird auch heute noch anerkannt, dass die Schweiz damals Grosses leistete. 

Es ist klar, dass ein kleines Land wie die Schweiz nicht alle Migrationsfragen auf dieser Welt lösen kann. Aber wir können weiterhin einen wertvollen Beitrag leisten. Ich glaube auch, dass wir dies tun. Organisationen wie die Caritas leisten dabei sehr viel. Im Kanton Luzern ist dieser Bereich ja sogar an die Caritas delegiert. In anderen Bereichen würde man von Public Private Partnership sprechen.

Ich glaube, die Schweiz tut gut daran, auch in Zukunft ihre humanitären Leistungen der Vergangenheit fortzuschreiben. Wir sind in der privilegierten Lage, dass wir es uns leisten können, Leuten in Not und in Verfolgung zu helfen. Unser Wohlstand ermöglicht dies. Diesen Wohlstand haben wir bestimmt zu grossen Teilen auch selber erarbeitet. Aber nicht nur. In der Mitte von Europa, verschont von grösseren kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen hatten wir neben eigenen Leistungen auch Glück.

Wenn wir an unserer humanitären Vergangenheit anknüpfen, geben wir einen Teil dieses Glücks zurück. Und was ist das schönste, was wir tun können? Der Volksmund sagt: Geteiltes Glück ist doppeltes Glück. Oder in den Worten der Bibel: Der, der gibt, dem wird gegeben.

Nun, ich möchte nicht zu pathetisch werden, sondern zum Schluss mit einer kleinen Geschichte enden, die uns vielleicht durch diesen Tag des Flüchtlings etwas zum Nachdenken anregt. Und mit dieser Geschichte werde ich dann gleich abschliessen.

Die Geschichte heisst „Schwarz oder Weiss“ -- und handelt von Schafen.

Ein Schäfer weidet seine Schafe, als ihn ein Spaziergänger ansprach. „Sie haben aber eine schöne Schafherde. Darf ich Sie etwas in Bezug auf die Schafe fragen?

„Natürlich“, sagte der Schäfer.

Sagt der Mann: „Wie weit laufen Ihre Schafe am Tag?“

„Welche, die weissen oder die schwarzen?“

„Die weissen.“

„Die weissen laufen ungefähr vier Kilometer täglich.“

„Und die schwarzen?“

„Die schwarzen genau so viel, vier Kilometer täglich.“

„Und wie viel Gras fressen sie täglich?“

„Welche, die weissen oder die schwarzen?“

„Die weissen.“

„Die weissen fressen ungefähr 2 Kilogramm Gras täglich.“

„Und die schwarzen?“

„Die schwarzen genau so viel, 2 Kilogramm Gras täglich.“

„Und wie viel Wolle geben sie ungefähr jedes Jahr?“

„Welche, die weissen oder die schwarzen?“

„Die weissen.“

„Die weissen geben jedes Jahr ungefähr 3 Kilogramm Wolle.“

„Und die schwarzen?“

„Die schwarzen genau so viel, 3 Kilogramm Wolle jährlich.“

Der Spaziergänger war erstaunt. „Darf ich Sie fragen, warum Sie die eigenartige Gewohnheit haben, Ihre Schafe bei jeder Frage in schwarze und weisse aufzuteilen?“

„Das ist doch ganz natürlich“, erwiderte der Schäfer, „die weissen Schafe gehören mir, müssen Sie wissen.“

„Ach so! Und die schwarzen?“

„Die schwarzen auch“, sagte der Schäfer.

Diese Geschichte soll uns heute begleiten.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Konrad Graber CVP-Ständerat, Kriens


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/