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Kolumne von Herbert Widmer

19.09.2014

Warum sich das FDP-Schwergewicht Herbert Widmer für die grüne ZHB-Initiative einsetzt

Es ist immer so vor Abstimmungen in unserem demokratischen Land: Befürworter und Gegner einer Vorlage betrachten diese aus ihrer subjektiven Sicht, mehr oder weniger beeinflusst durch Eigeninteressen oder durch die Interessen anderer, die man für diese vertritt. Gut so! Nur muss es uns allen klar sein, dass jedes Lager seine Argumente gezielt aussucht, bearbeitet und anpasst, um damit die Abstimmenden zu beeinflussen.


Mit dieser Fotomontage eines ZHB-Neubaus leistet sich das Nein-Komitee ein veritables Eigentor.

Auch bei der nun vor uns liegenden Abstimmung über die ZHB-Initiative ist dies so. Auch ich habe selbstverständlich meine subjektive Sicht dazu, allerdings ohne jegliche Eigeninteressen. Bei der Abstimmung geht es für mich einerseits um den Erhalt eines schützenswerten Gebäudes, andererseits aber auch – vor allem – um die Verhinderung eines voluminösen Neubaus, welcher einen der wenigen Erholungsräume unserer Stadt für Kinder und Eltern, für Junge und für Ältere massiv beeinträchtigen würde. Betrachten wir einige Aspekte im Einzelnen. 

Das Vögeligärtli

Das Vögeligärtli ist einer der wenigen Erholungsräume unserer Stadt, der Kinderspielplatz ist der schönste und meistbesuchte für Kinder und deren Familien. Bei gutem Wetter ist die Wiese eine Ruhe- und Begegnungszone für junge Leute, der Bereich mit dem Schach und anderen Spielen wird vor allem von Älteren rege benutzt. Richtung Westen wird der kleine Park durch das heutige ZHB-Gebäude wohltuend abgeschlossen.

Das heutige ZHB-Gebäude

Dieses Gebäude ist schützenswert, so argumentieren Denkmalschutz, der Bund der Schweizer Architekten und andere mehr. Zugegeben: Eine Sanierung ist notwendig, aber auch sinnvoll. 18 bis 29 Millionen Franken soll dies gemäss den vorliegenden Plänen kosten, ein vom NEIN-Komitee vorgeschlagener sechsstöckiger Bau mit Bibliothek und Kantonsgericht käme nach vorsichtigen Schätzungen auf 80 bis 100 Millionen Franken zu stehen.

ZHB-Neubau

Das beste Argument gegen einen sechsstöckigen Neubau ist das Bild auf dem Flyer des NEIN-Komitees (siehe Bild oben, rechts). Zwar mit eleganter Glasfassade, aber nicht minder wuchtig, schliesst er den Erholungsraum Vögeligärtli gegen Westen ab. Der entsprechende Schattenwurf am Nachmittag auf Wiese und Spielplatz lässt grüssen! Nachdenklich stimmt mich die Tatsache, dass im kleinen NEIN-Komitee Leute vertreten sind, welche anlässlich der Behandlung der Vorlage im Grossen Stadtrat auch in diesem Bereich «verdichtetes Bauen» verlangten und einen Neubau in der Höhe der Nachbargebäude ( sechs Stockwerke) begrüssten.

Kantonsgericht

Die Vertreter des Kantonsgerichts wünschen einen zentralen Standort, das mag richtig sein. Heute sind ihre Räume rund 200m vom Vögeligärtli entfernt am Hirschengraben, eng benachbart mit den Regierungsgebäuden von Kanton und Stadt Luzern. Dass das Kantonsgericht nach mehr Räumen verlangt ist verständlich, dies muss aber nicht auf Kosten des Erholungsraumes geschehen. Ein Kantonsgericht im Bereiche der ZHB brächte auch deutlich mehr Verkehr und Parkplatzbedarf, oder würde ein Parkhaus unter dem Vögeligärtli (Schwemmland) zur «Weiterentwicklung von Luzern» gehören? Es gibt dafür übrigens andere, geeignetere Standorte. 

Politik

Der Luzerner Grosse Stadtrat hat sich intensiv mit der Vorlage befasst und sich mit 37 : 9 Stimmen für die JA-Parole entschieden. Die Fraktionen von CVP, der FDP, der Grünen/Jungen Grünen der GLP und der SP/JUSO sprachen sich geschlossen oder grossmehrheitlich für die Vorlage aus, nur die Fraktion der SVP lehnte diese mit dem Wunsch nach «verdichtetem Bauen» ab. Abgesehen von der SVP und der CVP sprachen sich auch die Versammlungen der anderen städtischen Parteien klar für die Vorlage aus. Auch der Stadtrat empfiehlt die Annahme der Initiative «zur Rettung der ZHB Luzern».

Das NEIN-Komitee

Es ist das gute Recht jedes Schweizer Bürgers, ein NEIN-Komitee auf die Beine zu stellen. Störend für mich ist aber betreffend ZHB dessen Wortwahl, welche für mich und für uns Luzerner populistisch ist. Man spricht von «böswilligen» Gegenargumenten (für ein JA), von einem «Denkverbot», von einer «eines demokratischen Landes wie der Schweiz unwürdigen Ungeheuerlichkeit» bezüglich des Aufrufs des Bundes der Schweizer Architekten, nicht an einem Ideen-Wettbewerb für einen ZHB-Neubau teilzunehmen. Nein, wir wollen uns nicht mit gleichen Aussagen revanchieren. Nur die Verniedlichung des Volumens eines Neubaus und dessen negativen Auswirkungen auf den Erholungsraum Vögeligärtli halten wir dem NEIN-Komitee klar vor.

Und noch dies

Nachdem ich heute Freitag (19. September) in der «NLZ» unter dem Titel «Ja oder Nein zur ZHB-Initiative?» das «PRO und CONTRA» gelesen habe, bin ich mit meinem JA-Entscheid noch bestärkt, sofern dies nötig und möglich war! Da wird als CONTRA-Argument verlangt, dass ein Grundstück optimal genutzt werde («verdichtetes Bauen»), da ja in 20 Jahren tausende «zusätzliche» Menschen bei uns leben würden (auch die brauchen Erholungsräume). Und es wird ein – allerdings hinkender! – Vergleich mit dem KKL angefügt; siehe unter «Dateien».

Wenigstens wird zugegeben, dass bei einem Neubau der ZHB die Baufläche auf drei Seiten erweitert würde, der Bau also noch viel wuchtiger wirken würde als auf dem Flyer des NEIN- Komitees dargestellt. Der Erholungsraum wird auf die «grüne Lunge» reduziert – unwichtig, da man ja vom Pilatusplatz den See oder den Gütschwald in fünf Minuten erreicht (?). Dass man die Befürworter eines JA zu Gegnern des KKL, des neuen Reusswehrs und des Fussballstadions, aber zu Befürwortern der Aufhebung von Parkplätzen stempeln will, ist politisch mehr als unklug.

Schlussfolgerung

Es mag subjektiv sein, aber all das Geschriebene lässt für mich nur einen Schluss zu: Am 28. September 2014 lege ich ein klares JA zur «Initiative zur Rettung der ZHB Luzern» ein! 

Herbert Widmer, Kantonsrat FDP, Luzern


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Über Herbert Widmer:

Dr. med. Herbert Widmer (*1946) führt in Luzern eine Praxis für Innere Medizin und ist FDP-Kantonsrat.

http://www.herbert-widmer.ch