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Kolumne von Hermann Suter

29.07.2012

Heimat! Heimat?

HEIMAT-DEBATTE (13) - Heimat lässt sich weder aus allerhand Lexika, noch über Definitionen von zig Experten erklären. Auch Google hilft nicht weiter. Denn zu individuell, zu persönlich, zu stark vom eigenen Leben und Erleben ist die Antwort auf die Frage «Was bedeutet Heimat für Sie?» zu geben. Kommt hinzu, dass diese Antwort nie abschliessend sein kann.


Denn so, wie wir Menschen uns wandeln, so verändert sich auch die «Heimat». Gewisse Konstanten zur persönlichen Definition des Begriffs Heimat  bleiben allerdings für immer bestehen, davon allerdings bin ich überzeugt.

Heimat erfordert eine höchste persönliche Definition

Für den Begriff Heimat gibt es so viele Definitionen wie es Menschen auf der Welt gibt. Deshalb ist die Antwort auf die Frage «Was bedeutet Heimat für Sie?» immer nur subjektiv zu geben, beziehungsweise zu beschreiben. Wer über «Heimat» nachdenkt, wagt sich in einen unendlichen Ozean von Gedanken, Erfahrungen, Erinnerungen, Gefühlen, Ängsten, Freuden, Schicksalsschlägen, Träumen und Ungewissenheiten hinaus. Diese Unendlichkeit, diese schwere Fassbarkeit des Begriffs und der damit verbundene Erklärungsnotstand zwingten mich zurück in meine eigenen vier Wände, in mein unmittelbares (geografisches), gesellschaftliches Umfeld – in meinem Falle in mein Heimatdorf Vitznau, welches am Fusse des Rigiberges liegt, und wo ich die ersten drei Jahrzehnte meines Lebens zubringen durfte. Viele meiner Klassenkameraden mussten diese Heimat aus Existenzgründen verlassen. Nicht alle sind mit dem Weggang aus der angestammten Heimat gleich gut zurandegekommen.

Verlust der Heimat – ein schlimmes Schicksal

Ich denke in diesen Tagen an die tausende syrischer Flüchtlinge, die – in Angst und Schrecken versetzt – dem Krieg in ihrer Heimat entfliehen und damit ihre angestammte Heimat verlassen müssen. Ich kann mir fast kein schlimmeres Schicksal vorstellen. Erst recht nicht, wenn es sich vor allem um Christen handelt, die weltweit verfolgt, gefoltert und allein wegen ihrer Religion aus der Heimat vertrieben werden. Bis weit ins 19. Jahrhundert  hinein mussten tausende junger Schweizer die Heimat verlassen und in fremde Kriegsdienste ziehen. Es war den Schweizer Söldnern bei Todesstrafe verboten zu jodeln, Heimatlieder zu singen oder gar das Alphorn zu spielen – zu sehr hatten die Dienstherren Angst davor, dass ihre Schweizer Soldaten vor lauter Heimweh desertieren würden. 

Die Zahl der Flüchtlinge nimmt weltweit zu. Die Zahl der Heimatlosen wächst. Die Schweiz als jenes europäische Land, welches prozentual zur eigenen Bevölkerung am meisten Flüchtlinge, beziehungsweise heimatlos gewordene Menschen bei sich aufnimmt, kommt mit diesen Problemen kaum mehr zurande.

«Heimat – wie so feurig, innig lieb ich Dich»

Hier, am Fusse des Steigelfaddossens, in Vitznau, haben meine lieben Eltern und Grosseltern, Schwiegereltern und Vorfahren gelebt und gearbeitet. Sie alle ruhen auf dem hiesigen Friedhof. Ich wünsche mir, am Tage, an welchem mich der Herrgott heimholt, ebenfalls hier meine letzte Ruhe finden zu dürfen. Ich betrachte es als grosses Privileg, dass ich mehr als 70 Jahre lang in dieser Heimat leben und wirken durfte. Die Dankbarkeit ist gross. 

Herz, Geist und Seele wurden so gestärkt. Ich hänge an dieser Heimat.

Ich freue und leide mit ihr und ihren Menschen mit jeder Faser meines eigenen Seins. Wie gut tut es, etwa eine einheimische «Sännächilbi» erleben zu dürfen. Wie schmerzt es, wenn die Naturgewalten toben und die Felsen und Wildbäche auf die Dörfer an der Rigi-Südseite herunterstürzen. Wie schmerzt es, wenn liebgewonnene  Mitmenschen wegsterben. Es tut weh, wenn die Ortsbilder zerstört, die alten Häuser geschlissen und stattdessen viereckige Stahlglasbetonbauten im 0815-Stil in die Landschaft hineinbetoniert werden. 

Es tut weh, wenn das legendäre «Katharinen-Schiessen» verschwindet – weil die Schützengesellschaft Vitznau nach über 100 Jahren aufgehört hat zu existieren, und weil die Gemeinde Vitznau das ebenso alte Schützenhaus niedergerissen hat. Schade auch, dass das kirchliche Brauchtum nur noch einen Schatten dessen darstellt, was noch in meiner Jugendzeit zum Alltag gehörte: Die Fronleichnamsprozessionen, die Leichenzüge, die  prallgefüllte Kirche anlässlich der Sonntagsgottesdienste…

Heimat: Gemeinde – Kanton – Bund

Es trifft zu, dass wir Schweizer zuerst Gemeindebürgerinnen und -bürger sind. In zweiter Linie sind wir Luzerner, Schwyzer, Urner, Appenzeller, Tessiner, Neuenburger, undsoweiter. Erst in dritter Linie sind wir Schweizerinnen und Schweizer. Der Bund ist eigentlich nicht mehr unsere Heimat – «Bundesbern» ist weiter entfernt als der Luzerner Regierungsrat. Die Rigibahn liegt uns näher als der Wasserturm mit seiner Kapellbrücke. Der Goldauer Tierpark gehört eher zu unserer Heimat als der Zürcher Zoo oder der Berner Bärengraben. Und dennoch bedeuten mir die 26 Kantone ebenso Heimat, wie der Bund der Eidgenossen. Luzern ist mein Heimatkanton. Ich liebe diesen Kanton, genauso wie mir die Schweiz als Ganzes Heimat- und Vaterland bedeutet. Zwar ist meine obligatorische Dienstzeit als Miliz-Soldat, als Bürger-Soldat längst vorbei. Aber ich war und bleibe bereit, für diese schweizerische Heimat in den Kampf zu ziehen und zu sterben, wenn es denn sein müsste.

Heimat in Gefahr ? – Alles halb so schlimm?

Ich mache keine Mördergrube aus meinem Herzen, aber Vieles, was in den letzten Jahrzehnten im Schweizerlande passiert ist, belastet mein Heimatgefühl. Ich denke an viele schwer nachvollziehbare Entscheide des Bundesgerichtes. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass unser Rechtsstaat zu einem Rechtsmittel-Missbrauchsstaat verkommt. Ich denke an die Thesen von «Avenir-Suisse», welche aus unseren 26 Kantonen gerade einmal noch sechs sogenannte Metropolitan-Regionen basteln will. Ich denke daran, dass das Gros des Bundesrates und der Eidgenössischen Räte die Milizarmee seit Jahrzehnten schwächen und in verfassungswidriger Weise im Stich lassen. Ich denke daran, dass unser nationales Parlament je länger je mehr zu einem Parlament der Interessensvertretungen geworden ist und sich immer mehr von den Sorgen und Nöten des gewöhnlichen Volkes entfernt. 

Ich denke daran, dass die direkte Demokratie zunehmend durch die «Classe politique» ausgehebelt wird, indem klare Volksentscheide mit dem Hinweis auf völkerrechtliche Kategorien verwedelt, ja hintertrieben werden. Ich denke daran, dass immer mehr Schweizer Firmen in ausländische Hände «verkauft» werden. Ich denke daran, dass die Qualität unserer Bildung auf allen Stufen im Sinken begriffen ist. Die Migrationspolitik, die Gesundheitspolitik, undsoweiter sind aus dem Ruder gelaufen. Gleichzeitig nimmt die Kriminalität täglich zu und der Trend zur «Neid-Genossenschaft» verstärkt sich. Die Medien huldigen einem schwammigen «Mainstream-Journalismus» und haben ihre primäre Aufgabe als vierte Gewalt im Staate längst verlernt. Der Geschichts- und staatsbürgerliche Unterricht wurde und wird aus den Schulstuben aller Stufen verbannt – entsprechend gross  sind die Defizite im historischen und staatsbürgerlichen Grundwissen und zwar bis hinauf zu den Verantwortungsträger/-innen in «Bundesbern». Man kann diesen Katalog kritischer Punkte weiter verlängern.

Wir sind das Volk – wir haben Rechte UND Pflichten

Alles halb so schlimm? Gejammer und Genörgel auf höchstem Niveau? Es geht uns doch gut – weshalb denn so negativ? Wohlan, noch ist die Schweiz nicht verloren. Aber es ist höchste Zeit, dass Sie sich, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Frauen und Männer, Generationen jeglichen Alters und jeglicher gesellschaftlichen Herkunft wieder wirklich einmischen. 

«Wir sind das Volk!» – wir haben das Recht und die Pflicht vor die Haustüre zu treten und nachzusehen, was sich im Vaterland tut. Schauen Sie vor allem den Mitgliedern der Eidgenössischen Räte (National- und Ständerat) UND dem Bundesrat genau auf die Finger! Tragen Sie der «Classe politique» Ihre Sicht der Dinge, Ihre Sorgen und Anliegen aktiv und couragiert vor. Verstecken Sie sich nicht hinter der billigen Ausrede: «Die machen ja doch was sie wollen». Noch können wir die Damen und Herren National- und Ständeräte wählen und abwählen. Bundesrat und Bundesparlament sind die Diener des Volkes und nicht umgekehrt! 

Es gilt heute erst recht: «Wer nicht politisiert, mit dem wird politisiert» 

Wir haben alles Interesse daran, die «Classe politique» wieder auf den Pfad wirklicher, schweizerischer Tugenden zurückzuführen. Die Willensnation Schweiz muss jeden Tag neu geschaffen, neu erkämpft werden. Nötigenfalls mit Mitteln, welche am Vorabend der Gründung des Bundesstaates schon einmal zur Anwendung gekommen sind.

Hermann Suter, Greppen 


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Über Hermann Suter:

Dr. phil. Hermann Suter (Greppen) ist Historiker, war Rektor des Lehrerseminars der Stadt Luzern, Zivilschutzchef des Kantons Luzern, städtischer FDP-Präsident und -Grossrat.

Er kommandierte eine Fallschirmgrenadierkompanie und war in seiner aktiven Dienstzeit zuletzt als Oberstleutnant Chef des Truppeninformationsdienstes der Felddivision 8. Hermann Suter präsidiert die «Widerstandsgruppe GIARDINO»: http://gruppe-giardino.ch