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Kolumne von Mario Stübi

12.07.2015

Die Luzerner Löwenstrasse wird immer mehr zum Grendel

Nach Schwanenplatz und Grendel werden nun die Strassen zwischen Quai und Löwenplatz für den Massentourismus hergerichtet. Bestehendes Gewerbe wird zwar (noch) nicht verdrängt. Aber wo führt diese Entwicklung hin?


Wann sind Sie das letzte Mal vom See via Löwenstrasse zum Löwenplatz oder retour spaziert? Haben Sie dies in den letzten Monaten getan, sollte Ihnen aufgefallen sein, dass die Mieterschaften in den Erdgeschossen der Liegenschaften an dieser Strasse starkem Wandel unterworfen sind. Eine Übersicht:

. Im Parterre des ehemaligen Hotels Union hat sich der Uhrenhersteller Chronoswiss niedergelassen, Schaumanufaktur inklusive.

. Im früheren Hauptsitz der Caritas Schweiz (diese ist ins Priesterseminar St. Beat umgesiedelt) ist seit der Gesamterneuerung der Liegenschaft ein Uhrenhändler eingemietet. 

. In die komplettsanierte Löwenstrasse 12/14 (mit Jahrgang 1872 übrigens eine der ältesten noch erhaltenen Liegenschaften im Quartier) zieht der bisherige Souvenir-Shop wieder ein, jetzt aber mit verbesserter Uhrenauswahl. 

. Bereits länger bestehen Swiss Lion im Bourbaki (im Besitz der Bucherer AG), der Souvenir-Shop auf Höhe Friedenstrasse sowie der Swiss Timecorner neben dem Hofegge. 

. Seit Jahrzehnten uhren- und schmucklos bleiben Antiquitätenhändler Dieter Keller (Im Haus des Bundesegrichts am Schweizerhofquai, vis-à-vis «Rebstock»), das Art-Deco-Geschäft Century sowie der Trödlerladen von Lisbeth Bachmann, der aber wegen des Umbaus der Liegenschaft um die Ecke in die Hofstrasse ausweichen musste (und dort wohl bleiben wird, die Miete des ursprünglichen Lokals dürfte jetzt eine Null mehr aufweisen).

Bislang noch keine Verdrängung

Immer mehr Monokultur also. Aber ist das ein Problem? Allzu schmerzhaft ist der Verlust der wegen der Uhrenhändler verschwundenen Geschäfte bislang noch nicht. Auch musste meines Wissens noch keines davon das Feld räumen, weil die Lokalmiete nur noch von auf den Tourismus ausgerichteten Geschäften bezahlt werden konnte. Ärgerlich sind einzig die sich abzeichnenden Zustände wie im Grendel, wo sich einem als einheimischer Passant beim Bummel vorbei an den Schaufenstern eine langweilige Eintönigkeit einstellt.

Heini-Backstube, Kino Limelight, Urania-Haus

Doch wo führt das hin? Bleibt es bei der Löwenstrasse? Ein zynischer Blick in die Zukunft: Nachdem aufgrund von Besitzerwechseln bei Liegenschaften oder erfolgten Pensionierungen auch einige der alteingesessenen Geschäfte Uhrenhändlern gewichen sind, sucht die Tourismusindustrie nach der nächsten territorialen Expansion. In der Folge zügelt die Bäckerei Heini ihre Backstube vom Löwenplatz in die Agglomeration, um in der Stammliegenschaft auf mehreren Etagen ein Konsumparadies für Uhrenjunkies einzurichten. Im nach wie vor leerstehenden Kino Limelight an der Stadthofstrasse wird ein mehrstöckiges Verkaufslokal realisiert. Nachdem dem Sportgeschäft Boardlocal eine anständige Prämie gezahlt worden ist, zieht sich dieses in den Maihof zurück, sodass die frei werdende Verkaufsfläche an der Löwenstrasse per Durchstich mit dem ehemaligen Kino verbunden werden kann. 

Und irgendwann wird es auch den Mietern des etwas verruchten Urania-Hauses vis-à-vis des «Löwen Centers» an den Kragen gehen: «Warum weiterhin Einzelmieten eintreiben, wenn ich die ganze Liegenschaft einem Uhrenhändler zu einem Fantasiezins verpachten kann?», wird sich der Eigentümer fragen. Nur damit das klar ist: Das beliebte Kaffeehaus Alpineum gäbe es heute nicht, hätte der Besitzer der Liegenschaft nicht das abartig hohe Mietangebot einer Schweizer Uhrenmarke für sein Lokal dankend abgelehnt.

Einfach dem Fähnchen hinterhertapsen

So abwegig sind solche Überlegungen nicht. Alle wissen wir, dass die von der Luzern Tourismus AG geförderten Massentouristen nicht das individuelle Erlebnis eines gemütlichen Einkaufsbummels suchen, sondern einzig einem Fähnchen hinterhertapsen. Dieses Fähnchen gehört dem Guide und er bestimmt, wo eingekauft wird und welcher Weg dorthin gewählt wird. Bereits lässt sich beobachten, dass Gruppenführer nicht den direktesten Weg durch die Hertensteinstrasse zum Löwenplatz wählen, wo die Tagestouristen abends ihre Cars besteigen, sondern oftmals den Schweizerhofquai und dann die Alpen-, beziehungsweise Löwenstrasse. Zufällig spriessen genau dort entsprechende Geschäfte nur so aus dem Boden.

Es gibt nur zwei Lösungen

Aber jammern bringt nichts, unter dem Strich gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder die öffentliche Hand forciert eine aktive Liegenschaftspolitik mit Immobilienkäufen und Mietermix-Steuerung zur Gewährleistung von Gewerbevielfalt. Oder man akzeptiert die aktuelle Entwicklung, wählt zu Fuss eine andere Route und geht anderswo oder im Internet einkaufen. 

Mario Stübi, SP-Grossstadtrat, Luzern


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Über Mario Stübi:

 

Mario Stübi (*1984) ist freischaffender Redaktor. Er hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert und vertritt die SP im Grossen Stadtrat von Luzern. Mario Stübi engagiert sich aktiv im kulturellen Leben Luzerns, unter anderem im Vorstand der SRG Luzern und der IG Kultur Luzern.

http://www.mariostuebi.ch/