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Kolumne von Anton F. Steffen

14.10.2020

Es wäre himmeltraurig, wenn sich die CVP für das «C» in ihrem Namen schämen würde

Zur Frage, ob die CVP das «C» in ihrem Namen streichen soll, hat lu-wahlen.ch Anton F. Steffen (Luzern) als Vertreter des rechten Parteiflügels um ein Votum gebeten. Er verwies auf eine Stellungnahme, die er allen Delegierten der Kantonalpartei bereits im August zugesandt hat und deren Veröffentlichung hier er zustimmt.


Als Ingenieur und kühler Rechner beobachte ich die Entwicklung der Wählergunst für die CVP seit Jahrzehnten und stelle fest, dass es mit dieser Partei seit geraumer Zeit nur noch bachab geht. So hatten wir noch vor zwei Jahrzehnten im Bund etwa ein Viertel der Wählerschaft im Rücken und damit Anspruch auf zwei Bundesratssitze. Oder im Kantonsparlament Luzern hatten wir damals sogar eine knappe absolute Mehrheit. Nun aber sind wir auf dem besten Weg in Richtung Bedeutungslosigkeit.

Dieser Niedergang unserer Partei ist die klare Antwort der Stimmbevölkerung auf die neue Orientierung der CVP in Richtung Zeitgeist. Nur so lässt sich das Debakel der letzten paar Wahlen erklären. Es ist beileibe nicht das «C» im Parteinamen, sondern die Tatsache, dass die Parteiverantwortlichen nicht haben realisieren wollen, dass die Bevölkerung genug hat vom ungehinderten Bevölkerungszuwachs und damit von der Verschleuderung unserer Ressourcen und dem Diktat der EU.

Nun glaubt man in einigen Kreisen innerhalb CVP, aufgestachelt durch das Vorprellen einiger (eingebildeter!) Exponenten in der Bundeshausfraktion, mit dem Streichen des «C» im Namen unserer Partei die Lösung des Problems gefunden zu haben.

Denn so könne man die Partei für neue, insbesondere urbane Wählerschichten attraktiver machen und biete auch den Mitgliedern der BDP eine neue politische Heimat.

Diese BDP hat aber noch niemandem Glück gebracht. Und es wird sie in wenigen Jahren ohnehin nicht mehr geben. Das hat auch deren Präsident gemerkt und sich aus dem Staub gemacht! Eine Fusion mit dieser Splittergruppe macht unsere Partei nur schwächer. Bekanntlich wird weder aus einem Blinden oder aus einem Lahmen allein deswegen ein Gesunder, wenn er sich mit seinesgleichen zusammentut.

Unsere Partei braucht einen klaren eigenen Positionsbezug, der auch im Parteinamen ablesbar ist. Es ist das «C», das auf der christlichen Soziallehre beruht und wo der Mensch und die Eigeninitiative im Zentrum (nicht in der Mitte!) stehen. Und wo die Werte Freiheit, Solidarität und Subsidiarität den Kurs bestimmen. Es wäre himmeltraurig, wenn sich die CVP wegen des «C» schämt.

Vor 50 Jahren haben die Katholisch Konservativen des Kantons Luzern den Parteinamen auf «Volkspartei des Kantons Luzern» (VOPA) abgeändert, was ihr nebst grossen Protesten aus der Basis und darauf folgenden Wählerverlusten auch den Spottnamen «Fauxpas» eingebracht hat. Nach einem Jahr war der Spuk vorbei und es ging wieder aufwärts – mit Umbenennung in CVP, also mit C».

Auch die Resultate der letzten Luzerner Gemeinderatswahlen, als die CVP dank klugen Wahlallianzen mit den bürgerlichen Parteien endlich wieder punkten konnte, zeigen deutlich auf, wohin der Weg führt.

Ich wage vorauszusagen, dass die CVP ohne «C» in ihrem Namen weitere Wählerkreise verlieren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit national unter die Zehn-Prozente-Marke fallen würde. Damit wäre auch der uns noch verbleibende Bundesratssitz zu räumen.

Und die CVP des Kantons Luzern? Unsere Wählerschaft ist sehr kritisch, das Echo in den Leserbriefen auf die gegenwärtige «C-Debatte» zeigt es deutlich. Wir lassen uns von «Bern» nicht vorschreiben, was wir zu denken haben. Unsere Partei ohne «C»? Nein danke, ohne mich !

Anton F. Steffen Luzern, eidgenössischer Delegierter CVP CH, alt Grossratspräsident, Luzern


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Über Anton F. Steffen:

Anton F. Steffen (*1939) ist dipl. Bauingenieur ETH und Teilhaber eines Ingenieurbüros sowie des Instituts für Umwelttechnik und Ökologie Luzern (unter anderem Projektierung und Bauleitung verschiedener grösserer Fotovoltaik-Anlagen). Er war viele Jahre CVP-Vertreter im Luzerner Grossen Rat, den er auch präsidierte.