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Kolumne von Maria Pilotto

25.03.2020

Verteilte Verantwortlichkeiten, neue Regelungen und höhere Tarife: Der Krampf mit der Kinderbetreuung

Wenn Mutter und Vater erwerbstätig sein wollen, muss eine Lösung für die Betreuung der Kinder gefunden werden. 32 Prozent der Familien in der Stadt Luzern wählen dafür eine Kindertagesstätte oder Tageseltern (im gesamten Kanton sind es 16 Prozent). Die Stadt beteiligt sich mit rund 16,5 Millionen jährlich an den Kosten von Kitas. Die Forderung nach mehr finanzieller und breiterer Unterstützung wird immer lauter.


Seit der Einführung der Betreuungsgutscheine 2013 gilt in der Stadt Luzern für familienergänzende Kinderbetreuung die sogenannte Subjektfinanzierung. Eltern bekommen einkommensabhängige Unterstützungsbeiträge, wenn sie für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Kindertagesstätten (auch Tagesfamilien oder Nannies) als Betreuungsmodell wählen. Die Verantwortung für Aufsicht und Bewilligung von Kitas obliegt im Kanton Luzern einzig den Gemeinden. Die Stadt Luzern hat 2019 ihre Qualitätsrichtlinien angepasst (1: siehe unter «Links») und nimmt – da sie für viele Gemeinden die Aufsicht übernimmt – in der kantonalen Diskussion über die Gemeindegrenzen hinaus eine führende Rolle ein.

Die Tripartite Kommission Arbeitsmarkt des Kantons Luzern hat im vergangenen Jahr eine «Empfehlung mit Weisungsbefugnis» (2: siehe unter «Links») erlassen: Praktika in Kindertagesstätten werden auf sechs Monate beschränkt, wenn keine Lehrstelle angeboten werden kann. Die Reduktion von Praktika ist aus Sicht des Berufseinstiegs und zum Schutz der jungen Menschen wichtig und richtig. Jedoch steigen damit die Vollkosten einer Kita um mindestens 20 Prozent an (3: siehe unter «Links»), da diese nun ausgebildetes Personal einstellen müssen und keine Dumpinglöhne mehr bezahlen können. Diese qualitativ zwingenden Veränderungen schlagen sich aber auf die Tarife für die Eltern nieder. Das wiederum widerspricht einer koordinierten Zusammenarbeit von Kanton und Gemeinden, wie sie vor dem Hintergrund einer zukunftsgerichteten und familienorientierten Politik sinnvoll wäre.

Jährliche Wertschöpfung von 16 Millionen

Bereits heute haben Familien, die familienergänzende Kinderbetreuung in Kindertagesstätten nutzen, hohe Ausgaben zu bewältigen. Gemäss eigenen Berechnungen basierend auf dem Monitoring 2018 (4: siehe unter «Links») geben Eltern in der Stadt Luzern jährlich rund 16.5 Millionen Franken für die Betreuung in Kitas aus (siehe untenstehende Berechnung). Dies ist ein erheblicher Betrag und es wird zu selten erwähnt, welche Wertschöpfung diese Branche überhaupt generiert. Die Unterstützung durch Betreuungsgutscheine macht hierbei rund 3 Millionen (rund 19 Prozent) aus. Eltern tragen also den grössten Teil an den Kosten der familienergänzenden Kinderbetreuung selbst. 



Eltern fordern mehr Unterstützung

Was dies fürs individuelle Familien-Portemonnaie bedeutet, hat eine Elterninitiative (siehe Elternbrief unter «Dateien») im Januar 2020 gezeigt. Rund 120 Eltern haben mit der Unterzeichnung des Schreibens aufgezeigt, wie viel sie jährlich für die Kinderbetreuung ausgeben und ein Statement für mehr finanzielle Unterstützung sowie verbesserte Rahmenbedingungen abgegeben. Die Ausgaben sind unterschiedlich, je nach Anzahl und Alter der Kinder, Betreuungstagen und Tarifen – mehr oder weniger durch Betreuungsgutscheine unterstützt. Bei gewissen Familien fallen beispielsweise jährliche Kosten in Höhe von rund 48 000 Franken für zwei Kinder in der Kita an. Durchschnittlich werden rund 10 000 bis 15 000 Franken pro Jahr ausgegeben.

Unser System der familienergänzenden Kinderbetreuung funktioniert also nur, solange Eltern diesen Beitrag leisten wollen und können. Hier haben die oben genannten Veränderungen und damit verbundenen Tarifanstiege auch gezeigt, dass eine Schmerzgrenze erreicht, wenn nicht gar überschritten wurde. Die Eltern fordern deshalb von den Verantwortlichen, dass neue Finanzierungslösungen gefunden werden. Ebenfalls sprechen sich die Beteiligten für gute Qualität und faire Arbeitsbedingungen aus. Denn die Angebote der familienergänzenden Kinderbetreuung werden nur dann genutzt, wenn wir sicher sein können, dass unsere Kinder gut aufgehoben sind.

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Eine Überschlagsrechnung anhand der vorhandenen Daten, die nicht die effektiven Ausgaben abbildet



In der Stadt Luzern gibt es 33 Kitas mit insgesamt 835 Plätzen. Diese sind zu 72 Prozent ausgelastet, also sind 602,1 Plätze belegt. Die Kinder in den Kitas gehören zu 22 Prozent der Altersgruppe unter 18 Monaten (Babies) und zu 78 Prozent der Altersgruppe über 18 Monaten (Kleinkinder) an. Also sind rund 132 Plätze von Babies und 469 Plätze von Kleinkindern belegt.

Die durchschnittlichen Tarife für die beiden Altersgruppen sind 130 und 110 Franken pro Tag. Rechnet man mit 5 Tagen und 48 Wochen Kitabetrieb (240 Tage) pro Jahr ergeben sich Kosten von rund 4.1 Mio. Franken (Babies) und 12.4 Mio. Franken (Kleinkinder) – also rund 16.5 Mio. Franken.

Maria Pilotto, SP-Grossstadträtin, Luzern

Siehe auch unter «Links» und «Dateien».


Dateien:
pdf Der Elternbrief 52 K
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Über Maria Pilotto:

Maria Pilotto (1986) ist seit 2016 für die SP im Grossen Stadtrat und Mitglied der Sozialkommission. Am 29. März 2020 kandidiert sie für ihre zweite Legislatur. Beruflich war sie 2010 bis 2017 als Fachspezialistin Gleichstellung beim Kanton Luzern tätig. Aktuell arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Und ab März 2020 verantwortet sie die Fachstelle Nachhaltigkeit der Gesamthochschule. 

Von Kindsbeinen an singt sie in Chören, nun seit 16 Jahren beim ambitionierten Luzerner Ensemble molto cantabile. Dort war sie auch langjährig als Vorstandsmitglied und Präsidentin engagiert. 

Ihr politisches Interesse führte sie bereits früh zur Mitgliedschaft im städtischen Kinderparlament und später zum Jugendparlament. Innerhalb der SP ist sie auch im Kernteam der SP Frauen* aktiv und Mitglied des überparteilichen Netzwerks Frauen Luzern Politik. 

Auch wenn er eiskalt ist, schwimmt Maria Pilotto im See: https://www.zentralplus.ch/de/news/gesellschaft/5561831/Nichts-f