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Kolumne von Ludwig Peyer

10.08.2020

«Die Leute wissen einfach zu wenig über die drei Funktionen des Waldes»

Der Wald steht wegen des Klimawandels unter Stress. Er leidet unter vermehrt auftretenden Stürmen, der zunehmenden Hitze und Trockenheit und dem dadurch stattfindenden Käferbefall. Dies sagt im grossen Interview mit lu-wahlen.ch der Willisauer Rechtsanwalt und CVP-Kantonsrat Ludwig Peyer. Er ist Präsident der Luzerner Korporationen und damit der grössten Waldbesitzer im Kanton Luzern.


Der Willisauer CVP-Kantonsrat und Rechtsanwalt Ludwig Peyer ist Präsident des Verbandes Luzerner Korporationen. Hier erklärt auf der Alpeliegg bei Finsterwald im Entlebuch die gegenwärtigen Probleme des Waldes und der Waldwirtschaft.

Auf der Alpeliegg bei Finsterwald, Blick in Richtung Schimbrig. Links ein Baum, dessen Äste der Käfer abgefressen hat, nachdem hier ein Sturm gewütet und durch den Abhang eine Schneise gerissen hatte. Auch die Bäume in der Bildmitte sind weitgehend vom Käfer befallen.

Diese Fichte hielt einem Sturm nicht stand und wurde so zum «gefundenen Fressen» für den Käfer.

Energieholz für die Fernwärme Finsterwald, das in einem sogenannten Holzpolter gelagert wird, bevor es zu Holzschnitzel zerhackt wird.

So sehen Holzschnitzel aus, wenn sie für die Fernwärme Finsterwald zerhackt worden sind. Sie können praktisch und vor allem bis zu vier Jahren gelagert werden.

Bilder: Herbert Fischer

Herbert Fischer: Ludwig Peyer, wann waren sie das letzte Mal im Wald?

Ludwig Peyer: Gerade kürzlich, als ich meine Ferien nutzte, und vor allem im Entlebuch und im Napfgebiet verschiedene Wanderungen machte und dort durch viele Wälder streifte, darunter auch solche der Korporation Stadt Willisau, welche ich präsidiere.

Welche Bedeutung hat der Wald für sie ganz persönlich?

Ludwig Peyer: Der Wald ist für mich stets eine Oase der Ruhe und Gelassenheit. Er hat für mich auch etwas Geheimnisvolles, denn – kaum im Wald drin – treten alle Fremdgeräusche, wie Verkehr, Baulärm, etcetera sofort in den Hintergrund.

Zusammen mit dem wunderbaren Geruch nach Holz und dem Vogelgezwitscher ist man wie verzaubert. Man kann im Wald sofort abschalten und herunterfahren.   

Der Wald vermittelt positiv besetzte Werte wie urtümliche Natur, Artenvielfalt, Wildnis, Erholung: Welchen Stellenwert hat der Wald aus ihrer Sicht im Bewusstsein der Bevölkerung?

Ludwig Peyer: Ich glaube vor allem denjenigen der urtümlichen Natur und Wildnis und damit auch den Wert der Erholung. Wobei gerade diese Wahrnehmung der urtümlichen Natur etwas verklärt ist. Der Wald ist längst keine urtümliche Natur mehr, denn er ist zum grössten Teil Wirtschafts- und Erholungswald und damit schon seit Jahrhunderten stark vom Menschen geprägt.

Der Wald hat ja offiziell drei Funktionen, nämlich diejenige der Erholungswaldes, des Wirtschaftswaldes und des Schutzwaldes.

Wie geht’s dem Wald insgesamt?

Ludwig Peyer: Schlecht! Der Wald steht wegen des Klimawandels besonders unter Stress. Er leidet unter den vermehrt auftretenden Stürmen, der zunehmenden Hitze und Trockenheit und dem dadurch stattfindenden Käferbefall.

Und wie geht’s der Waldwirtschaft? Sie sind auch Präsident der 68 Korporationen und somit der grössten Waldbesitzer im Kanton.

Ludwig Peyer: Wenn es dem Wald schlecht geht, dann geht es auch den Waldeigentümern schlecht. Viele Korporationen leben vom Wald, denn er ist ihr einziges Gut, welches es aufgrund des Korporationengesetzes zu unterhalten gilt. Da die Korporationen keine Steuern erheben, sind sie darauf angewiesen, mit der Waldnutzung wenigstens die laufenden Kosten decken zu können. Das wird durch die tiefen Preise, den massiven Auslandimport und die aufwändige Jungwaldpflege je länger desto schwieriger.

Viele kleine Privateigentümer haben denn auch schon längst das Handtuch geworfen. Für die Erholungsfunktion des Waldes wird ja keine Abgeltung bezahlt.  

Die Pflege des Waldes ist eine höchst aufwendige Sache, gleichzeitig sind die Holzpreise aber im Keller: warum eigentlich?

Ludwig Peyer: Gerade wegen des Klimawandels, aber auch den verschiedenen Ansprüchen der Gesellschaft (Erholung, Jagd, etcetera) werden die Pflegemassnahmen immer aufwändiger und kostspieliger. Dies umso mehr, als durch die vermehrt auftretenden Stürme über Nacht wieder tausende von Kubikmetern Holz am Boden liegen, welche nach der Räumung möglichst rasch wieder bepflanzt werden sollten. Also kurz gesagt: die Produktionskosten steigen, aber die Produktepreise sinken, vor allem infolge eines Überangebotes und wegen gleichzeitiger Billigimporte aus dem Ausland.

Ist dies das Hauptproblem der Waldbesitzer, dass die Holzpreise im Keller sind?

Ludwig Peyer: Sicher, früher bedeutete Wald in vielen Gegenden der Schweiz Reichtum und Wohlstand. Heute sind die Waldeigentümer froh, wenn es am Schluss ein Nullsummenspiel ist.

Es fehlt also an den meisten Orten der Ertrag, der gerade bei privaten Waldeigentümern eine zentrale Antriebsfeder zur Waldnutzung bedeutet. Daher überlassen viele kleine Waldeigentümer den Wald seinem Schicksal und man kann es ihnen nicht einmal verübeln. Erschwerend kommt hinzu, dass der Kanton Luzern aus historischen Gründen eine extrem kleinräumig aufgestellte Eigentumsstruktur des Waldes aufweist. Es gibt also viele Kleinstwaldbesitzer und nur wenige grosse.  

Was geschieht denn – angesichts dieser Realitäten – mit dem Holz, das sie aus den Wäldern entfernen müssen, damit der Borkenkäfer seine Lebensgrundlage verliert und nicht noch mehr Schäden anrichtet?

Ludwig Peyer: Das Problem ist, dass viele Waldbesitzer und Korporationen das Holz gar nicht mehr aus dem Wald entfernen können, da ihnen diese Leistung – ausgenommen im Schutzwald – niemand bezahlt. An den Waldrand bringen ist das eine, das Holz nachher verkaufen zu können, ist das andere. So bleibt vielerorts Schadholz liegen, und der Käfer kann sich daran gütlich tun. Ein extrem krasses Beispiel vernahm ich kürzlich von einem Förster.

Er konnte doch tatsächlich liegendes Käferholz nur noch nach China verkaufen, von wo es dann als Billigware (als WC-Papier, Besenstile, etcetera) wieder zurückkommt. Hier fehlt es an einer klaren Strategie auch seitens des Kantons.

Er müsste das schnelle Entfernen des Käferholzes aus den Wäldern finanziell unterstützen. Bislang geschieht das nur für den Schutzwald. Diese Forderung ist auch in einem meiner Postulate im Kantonsrat verankert. Immerhin prüft der Kanton schon länger, wie er die Waldeigentümer hier unterstützen kann.

Ist eigentlich der Borkenkäfer der grösste Feind der Waldwirtschaft und des Waldes überhaupt?

Ludwig Peyer: Der grösste Feind ist wohl zweifellos die zunehmende Trockenheit, also die Klimaveränderung. Viele Baumarten und dabei vor allem die für den Bau beliebte Fichte leiden darunter. Infolge Wassermangels werden die Abwehrkräfte der Bäume geschwächt und bilden damit ein Einfallstor für den Borkenkäfer, aber auch für die vermehrt aufkommenden Stürme, denen dann die geschwächten Bäume nicht mehr standhalten können. Also eine richtige Abwärtsspirale.

Gibt es handkehrum auch Holz, das sie noch zu halbwegs vernünftigen Preisen verkaufen können?

Ludwig Peyer: Das gab es und wird es auch immer geben. Vor allem auch im Bereich des Energieholzes sind die Preise normal, der Markt funktioniert hier einigermassen. Die Konkurrenz beim Bauholz aus dem Ausland ist einfach riesig und solange die Transporte so wenig kosten, ist das ein Problem. Zudem sollte man nicht wertvolles Bauholz in den Energiemarkt pumpen, das wäre eine schlechte Nutzung.

Man sollte sich deshalb ernsthaft überlegen, Holz unter Zollschutz zu stellen, wie man das bei landwirtschaftlichen Produkten ebenfalls tut, um den einheimischen Markt zu schützen. Holz ist ja nicht ein beliebig vermehrbares Produkt und ist an Grund und Boden gebunden.

Das ist aber meines Wissens aufgrund der WTO-Abkommen (WTO: Welthandelsorganisation) untersagt. Andernfalls wäre über Subventionen oder ähnlich den Direktzahlungen in der Landwirtschaft etwas zu machen.  

Dabei wäre der Holzbau doch eine sehr zukunftsfähige Branche?

Ludwig Peyer: Genau, wir müssen unbedingt mehr mit Holz bauen. Dabei sprechen wir ja im Grundsatz fast immer von sogenannten «Hybridbauten». Das heisst, dass Fundamente, Tiefgaragen und teilweise die Treppenhäuser in Massivbauweise und der Rest in Holzbauweise gefertigt werden. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff der klimaneutral ist, da der Wald ja als CO-2-Speicher funktioniert.

Ein Blick ins nahe Ausland (Schwarzwald, Vorarlberg) zeigt: Auch in der Schweiz läuft die Entwicklung langsam in Richtung Holzbau. Das Ausland ist uns da aber weit voraus.

Woher kommt das Holz, das in der Schweiz verbaut wird? Es gibt schätzungsweise höchst unterschiedliche qualitative Ansprüche an den Werk- und Baustoff Holz.

Ludwig Peyer: Gegenwärtig wird viel Holz aus dem Ausland eingeführt, nicht nur aus den umliegenden Regionen, sondern auch aus Ost- und Nordeuropa. Hier haben wir die fehlenden Zölle einerseits und natürlich das tiefere Lohnniveau andererseits, was dieses Holz extrem günstig macht. Aufgrund der Kleinheit der Schweiz, ihrer Topographie und der Eigentumsstruktur des Waldes kann denn auch nicht immer das ganze Volumen in der gewünschten Qualität geliefert werden. Es ist zudem auch ein Fakt, dass in gewissen EU-Ländern versteckte Subventionen laufen. Schliesslich wären auch in der ganzen Holzkette (Sägereien, Veredelungsbetriebe, etcetera) da und dort noch Optimierungsmöglichkeiten vorhanden.

Es besteht denn auch die Gefahr, dass gerade in ländlichen Gegenden wertvolles Know-How verloren geht, wenn Sägereien verschwinden, was leider ein Faktum ist. Dieses Thema – die «Stärkung Holzkette» – beleuchtet ebenfalls ein Postulat von mir im Kantonsrat.

Am Seetalplatz in Luzern, beziehungsweise Emmenbrücke, baut der Kanton ein riesiges Verwaltungsgebäude aus Holz. Will er damit zeigen, welche Bedeutung er dem Baustoff Holz beimisst und sich als Pionier positionieren?

Ludwig Peyer: Ob dieses Verwaltungsgebäude kommt oder nicht und ob es dann wirklich aus Holz gebaut ist, wissen wir gegenwärtig noch nicht. Leider ist der Kanton Luzern in dieser Beziehung alles andere als ein Pionier.

Der Kantonsrat musste schon mehrere Male massiven Druck über Vorstösse ausüben (beispielsweise: Vorstoss zum Bau des zentralen Verwaltungsgebäudes beim Seetalplatz aus Holz und auch den Vorstoss für eine Holzbauweise des neuen kantonalen Sicherheitszentrums in Rothenburg). Diese Vorstösse wurden teilweise gegen den Willen des Regierungsrates überwiesen. Man argumentierte stets mit den fehlenden Möglichkeiten der Priorisierung von einheimischem Holz im Rahmen des Submissionsrechtes. Andere Kantone haben hier längst einen Gang höher geschaltet.    

Wir sollten endlich begreifen, dass die vermehrte Verwendung des Rohstoffes Holz letztlich im öffentlichen Interesse ist (Stärkung strukturschwacher Gegenden, verstärkte Waldverjüngung und -diversifizierung wegen des Klimawandels, Ausbau der CO-2- Speicherkapazität, etcetera) und die öffentliche Hand deshalb massvoll intervenieren sollte.

Wir sollten das Holz auch noch vermehrt gesamthaft auf seine Nutzungsmöglichkeiten untersuchen. So wird vor allem im Ausland nebst der Verwendung des Holzes als Bau- und Energieholz eine dritte Verwendungsart, nämlich diejenige der «Fraktionierung» geprüft. Dabei geht es um die Zerlegung des Holzes in seine verschiedenen Stoffe (Zellstoffe, etcetera). Man kann hier von einer dritten Nutzungsart sprechen, die gerade bestimmten Holzarten eine zusätzliche Nutzung geben könnte. Auch hier ist uns das Ausland voraus.

Wie «politisch gefestigt», also für die Zukunft rechtlich gesichert, ist eigentlich die Funktion des Waldes als Erholungsraum?

Ludwig Peyer: Gemäss geltender Gesetzgebung hat der Wald drei Funktionen: die Schutz-, Wirtschafts- und Erholungsfunktion. Damit er diese erfüllen kann, sollte der Wald gesund sein. Gerade in Ballungszentren ist der Wald auch von den vielen Erholenden unter Druck. So stolpern heute vermehrt Sportler auch nachts mit Stirnlampen durch den Wald und das Biken im Wald erfreut sich ebenfalls immer grösserer Beliebtheit. Beides kann Schäden im Wald verursachen. Da gibt es schon Spannungen, aber ich plädiere hier für Pragmatismus. Allerdings müssen die Waldeigentümer zum Erhalt des Erholungswertes immer tiefer in die Tasche greifen (Erschliessungen, Feuerstellen, Bänkli und Unterstände sowie Reinigung).

Daher wurde in gewissen Kantonen bereits über einen «Waldfünflieber» diskutiert, also über eine Abgabe der öffentlichen Hand an die Waldeigentümer. Soweit sind wir im Kanton Luzern noch nicht.

Ich schliesse aber nicht aus, dass diese Diskussion mal kommen wird, denn die Ansprüche der Erholungssuchenden steigen und der Aufwand für die Waldeigentümer steigt ebenfalls.       

Der Wald ist auch einer der Träger der Biodiversität, was seine Wichtigkeit ebenfalls unterstreicht!

Ludwig Peyer: Der Wald ist «Biodiversität à gogo». Es gibt, glaube ich, an keinem anderen Ort so viele Pflanzen und Tiere so nah beisammen. In Zukunft braucht es eine gute Durchmischung der Wälder – also: etwas weg von den Monokulturen der früheren Generationen, als die Produktion von Holz im Vordergrund stand. Dies steigert die Biodiversität, aber auch die Abwehrkräfte des Waldes gegenüber dem Wind, der Hitze und dem Borkenkäfer.  

Weil der Wald so begehrt und so beliebt ist, entstehen auch klassische Nutzungskonflikte.

Ludwig Peyer: Grundsätzlich können die drei Funktionen (eben: Schutzwald, Wirtschaftswald, Erholungswald) zu Konflikten untereinander führen, das ist so. So müssen in den Waldungen der Stadt Luzern beispielsweise stets Aufklärungsplakate hingestellt werden, wenn Bäume gefällt werden. Denn es gibt Personen, die es nicht verstehen, wenn Bäume gefällt werden und die dann Leute vom Forstdienst «Baummörder» nennen. Einen anderen Konflikt gibt es beispielsweise bei der Käferbekämpfung. Während der Kanton in seinen Wäldern langfristig den Käfer zulassen kann, kann dies der private Waldeigentümer nicht. Der Käfer kennt aber keine Grenzen. So erinnere ich an den Konflikt bei der Käferbekämpfung zwischen den Kantonen Luzern und Bern im hinteren Entlebuch. Bern entfernte das Käferholz rigoros, Luzern liess es mehr oder weniger liegen. Und dann können wir noch die Konflikte zwischen den Bikern und den Jägern nennen.

Aber auch hier plädiere ich für Pragmatismus und setze vor allem auf Aufklärung, denn die Leute wissen einfach zu wenig über die drei Funktionen des Waldes.  

Sie sind ziemlich «ökologisch unterwegs»: Sind sie – obschon CVP Kantonsrat – eigentlich ein «verkappter Grüner»?

Ludwig Peyer: Der Wald denkt nicht ideologisch und kennt keine Parteien. Die CVP hat als bürgerliche Partei dem Schutz der Umwelt schon immer hohe Bedeutung beigemessen. So war die CVP die einzige bürgerliche Partei, die das in der ersten Runde gescheiterte kantonale Energiegesetz befürwortet hat. Auf Bundesebene war sie mit Bundesrätin Doris Leuthard die treibende Kraft hinter der Energiestrategie 2050!

Gibt es das denn überhaupt: «eine bürgerliche Umweltpolitik»?

Ludwig Peyer: Natürlich gibt es das! Linke Umweltpolitik fordert – vor allem ideologisch motiviert – in der Regel viel mehr staatliche Regulierungen und setzt auf Verbote und Umverteilung. Sie benennt denn auch gerne sogenannte «Umweltsünder». Währenddessen setzt bürgerliche Umweltpolitik viel mehr auf Anreize und Lenkungsabgaben. Dadurch sollen die technische Innovation gefördert und mit marktwirtschaftlichen Instrumenten eine ökologischere Politik umgesetzt werden, welche von den Bürgerinnen und Bürger auch mitgetragen wird. Dieses Auseinanderklaffen von Haltungen blockiert mitunter gute Lösungen, wobei ich die Linke gegenwärtig als ideologisch ziemlich stur wahrnehme.    

Im Hauptjob sind sie Geschäftsführer des einflussreichen VLG, des Verbandes der Luzerner Gemeinden. Warum eigentlich ist die Stadt Luzern nicht im VLG vertreten?

Ludwig Peyer: Das Stadtparlament hat den Austritt aus meiner Sicht leider zu stark aus politischen Gründen beschlossen. Die Linke erblickte im VLG ein bürgerlich dominiertes Gremium, welches die Interessen der Stadt Luzern zu wenig berücksichtige. Sie kritisierte insbesondere auch den Einsitz von Vorstandsmitgliedern im Kantonsrat. Währenddessen gab es seitens der politischen Rechten grundsätzliche Vorbehalte gegen diese Institution. Dem Verband und dem Stadtrat ist es damals nicht gelungen, den Nutzen des VLG auch für die Stadt Luzern aufzuzeigen. So sind beispielsweise im VLG-Vorstand Gemeinden vertreten und nicht parteipolitisch agierende Gemeinderatsmitglieder. Das wird von gewissen politischen Kreisen leider zu wenig erkannt.

Kehrt die Stadt Luzern in den VLG zurück?

Ludwig Peyer: Da bin ich mir sicher, ich weiss nur nicht genau, wann. Der Stadtrat ist gewillt, wieder einzutreten, muss jetzt aber den Grossen Stadtrat (also das Parlament) überzeugen, was sicherlich nicht einfach sein wird. Gerade die «AFR 18» (die Aufgaben- und Finanzreform 2018) hat ja gezeigt, dass der Einsitz der Stadt Luzern im VLG sehr hilfreich gewesen wäre. Der VLG versucht, gegenüber der Stadt die Vorteile noch besser aufzuzeigen. Es gibt aus dem Kreis der Mitglieder zunehmend Kritik am Verhalten der Stadt, was teilweise als unsolidarisch wahrgenommen wird. So gibt es Projekte, die der VLG zusammen mit dem Kanton umsetzt.

Dabei stellt sich dann jedes Mal die Frage, ob die Stadt Luzern im Projekt ebenfalls mitmacht oder nicht. Durch ihre Grösse (in Luzern wohnt ein Fünftel der Kantonsbewohner!) beeinflusst sie ohnehin jedes Projekt.

Es sind dann jeweils immer der Finanzierungsschlüssel sowie die Art und Weise der Mitbestimmung des Nicht-Mitgliedes Stadt Luzern zu definieren. Das ist für alle Akteure aufwändiger und komplizierter, als wenn die Stadt ordentliches Mitglied wäre.

Interview: Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern

Siehe auch unter «Dateien»: dieses Interview (als PDF) im «Willisauer Boten» (11. August 2020).


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Über Ludwig Peyer:

Ludwig Peyer ist CVP-Kantonsrat und lebt in Willisau. Er ist Rechtsanwalt, Geschäftsführer der Graf und Partner AG (Luzern) und des Verbandes der Luzerner Gemeinden (VLG).