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Kolumne von Pirmin Meier

18.11.2020

KOVI zeigt innerparteiliche Konflikte in der CVP auf

Eine Antwort an Michael Egli (Beromünster) und seinen Offenen Brief an CVP-Ständerätin Andrea Gmür am 13. November auf lu-wahlen.ch (siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»).


Dass man für die «Konzernverantwortungs-Initiative» (KOVI) stimmen kann, ist etwa so «gefährlich» wie das seinerzeitige Ja für die «Abzocker-Initiative», wofür ich mich stark gemacht hatte. Ich habe hinterher ein Buch über direkte Demokratie geschrieben, dessen Erscheinen dessen Initiant aber leider abgeblockt hat.
Als ehemaliger Lehrer für Philosophie und Ethik an der Kanti Beromünster habe ich aber kein Problem mit einem Ja für mehr symbolische, wenn auch nicht gerade geniale Initiativen.

Von den mir bekannten, mehr oder weniger Gleichgesinnten im bürgerlichen Ja-Komitee kenne ich aber kaum eine Person, die zum Beispiel das noch immer informative Buch von Daniel Ammann über Marc Rich gelesen hat, notabene zu Lebzeiten der beste Luzerner Steuerzahler; eine schillernde Figur!

Was er in Sachen Rohstoffe in Afrika investiert hat, bringt meines Erachtens aber den Kontinent eher vorwärts als Schlepper-Aktivitäten im Mittelmeer. Luftverschmutzung ist indes bei der Ausbeutung von Rohstoffen ein Problem (vergleiche die Asbest-Skandale in Italien).

Was Afrika betraf, diskutierten wir schon vor 45 Jahren – etwa mit dem damaligen Linksapostel Rudolf Strahm –, ob der Bau eines Staudammes in Cabora Bassa (Moçambique) mit Menschenrechtsverletzungen verbunden war. In Wirklichkeit war es Polemik gegen die dort beteiligte BBC, also Drittwelt-Klassenkampf. Es war läppisch, gegen einen Staudamm in Afrika zu kämpfen. Man hätte auch unseren Missionspionier Bischof Gallus Steiger (Büron, einst Schüler der Kanti Beromünster) kritisieren können, weil er in Tansania Kirchenuhren installierte, um dort westliche Vorstellungen von Pünktlichkeit in die Zivilisation einzuführen.

Michael Egli (Beromünster) trifft in seinem Offenen Brief an CVP-Ständerätin Andrea Gmür den Nagel nicht ganz auf den Kopf, wenn er die interpretationsbedürftigen Menschenrechte als «unverhandelbar» bezeichnet. In Westeuropa gilt zum Beispiel Impfzwang sehr wohl als verhandelbar, und nicht nur für Feministinnen gilt Abtreibung als Menschenrecht. Umgekehrt betrachtet Ungarns Präsident Orban das Recht eines Kindes auf einen Vater und eine Mutter als Menschenrecht, was aus Sicht unserer Linken «menschenverachtend» sein soll. Über die konkrete Anwendung von Grundrechten hatten wir seinerzeit im aargauischen Verfassungsrat jahrelange Debatten (siehe dazu auch die Debatte über die Revision der Bundesverfassung im Jahr 1999).

Klar an der KOVI ist, dass bei den CVP-Befürwortern die Kritik an CVP-Präsident Gerhard Pfister nahe liegt, weil die breite Beteiligung in diesem Komitee als klare Absage nicht nur an die Parole der Gesamtpartei, sondern an den Kurs Pfisters interpretiert werden kann.

Noch interessant ist, dass ausgerechnet BDP-Landolt (Glarus) und Altständerat Bieri (CVP / Zug) ganz vorne beim bürgerlichen Komitee agieren. Konflikte mit Selbstdarsteller Landolt scheinen programmiert, was nicht heisst, dass die CVP nur wegen der Aufnahme der BDP mit dem Namen eine seit 1841 immer betonte christliche Substanz aufgeben sollte.

Dieser Gedanke richtet sich auch an Ständerätin Andrea Gmür, die – im Gegensatz zu angeblicher KMU-Interessenvertretung – biblische Vorstellungen über Ehe und Familie für die Partei offenbar nicht mehr als wichtig anschaut.

Dieses komplexe Thema, mit dem sich nicht nur Frau Gmür nicht ausreichend beschäftigt hat, bleibt hier freilich nur angedeutet. Wie verbindet man die berechtigte Privilegierung der «Normalfamilie mit Vater, Mutter und Kindern» mit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Stellung der Homosexuellen?  Ein fürwahr weites Feld, nicht nur für die CVP heute heikel.

Begrüssenswert wäre, wenn unsere gesinnungsethischen KOVI-Befürworter sich auch für die Beibehaltung des «C» im Namen stark machen würden.  

Pirmin Meier, Historiker und Autor, Aesch


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Über Pirmin Meier:

Dr. phil. Pirmin Meier (1947), aufgewachsen in Würenlingen AG und wohnhaft in Aesch, langjähriger Gymnasiallehrer in Beromünster, war zunächst als Journalist und Herausgeber von Büchern (unter anderem bei Suhrkamp-Insel) tätig, später mehrere Jahrzehnte als Gymnasiallehrer (Beromünster) und Lehrerfortbildner. 

Seine Biographien über Paracelsus (6. Auflage im Jahr 2013), Bruder Klaus (3. Auflage in Vorbereitung) sowie Heinrich Federer und Micheli du Crest gelten als epochal und wurden unter anderem mit dem Innerschweizer und dem Aargauer Literaturpreis ausgezeichnet. Zu den Themen, die mit der Innerschweiz zu tun haben, gehören bei Pirmin Meier das Buch «Landschaft der Pilger», unter anderem mit der Beschreibung der Schattigen Fasnacht in Erstfeld und einer ersten Studie über den heiligen Gotthard. Ausserdem setzte er sich mit der Biographie von Pater Alberich Zwyssig – von ihm stammt der Text des «Schweizerpsalms», der Schweizer Nationalhymne – auseinander, eingegangen in das Buch über Wettingen «Eduard Spörri, ein alter Meister aus dem Aargau».  

Stark beachtet, mit rund drei Dutzend öffentlicher Lesungen seit dem Erscheinen, etwa in Altdorf und im Bahnhofbuffet Göschenen, wurde die mit grossem Aufwand betriebene Neufassung des berühmten Jugendbuches «Der Schmied von Göschenen», welche Neubearbeitung erstmals die Bedeutung der Walser für die ältere Schweizer Geschichte unterstreicht.  

Pirmin Meier gehörte auch zu den geistigen Promotoren des Films «Arme Seelen» von Edwin Beeler, zu welchem Thema er sich im Sommer 2012 in einer ganzstündigen Sendung «Sternstunde Religion» auf SRF ausgelassen hat. Er lebt in Rickenbach bei Beromünster, arbeitet derzeit an einem Grossprojekt über Schweizer Mystik und schrieb auch den Text für das Oratorium Vesper von Heiligkreuz mit Musik von Carl Rütti.

Am 7. September 2013 hielt Dr. Pirmin Meier auf der Rigi die Jubiläumsansprache zum Jubiläum 70 Jahre Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverein ISSV. Für sein Buch «St. Gotthard und der Schmied von Göschenen» machte er bedeutende, für die Geschichte der alten Wege einmalige Recherchen über die alten Wege vor 1231, auch zusammen mit dem Historiker Dr. Hans Stadler-Planzer.

In beratender Funktion ist Pirmin Meier tätig für das Filmprojekt «Paracelsus - Ein Landschaftsessay» des in Root (LU) wirkenden Filmunternehmers und Regisseurs Erich Langjahr, wie Pirmin Meier Innerschweizer Kulturpreisträger.

Mehr über Pirmin Meier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pirmin_Meier

Pirmin Meier erhält Innerschweizer Kulturpreis 2008:
https://kultur.lu.ch/-/media/Kultur/Dokumente/preise_auszeichnungen/meier2008.pdf