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Kolumne von Pirmin Meier

02.07.2020

FDP-Nationalrat Peter Schilliger orientiert sich jenseits von Phrasen

Zu einer Zeit, da links und rechts wie auch im Vakuum der Mitte vieles drunter und drüber geht, bekunde ich keine Mühe, die Wiedereinsitznahme von Peter Schilliger im Nationalrat ohne wenn und aber zu begrüssen.


Der Unternehmer Peter Schilliger (Udligenswil) tritt die Nachfolge von FDP-Nationalrat Albert Vitali an, der am 12. Juni verstorben ist. Bei den Nationalratswahlen 2019 verloren FDP.die Liberalen im Kanton Luzern einen Sitz, weshalb Schilliger zurzeit nicht mehr Nationalrat ist. Bereits 2012 ist Schilliger in de Nationalrat nachgerückt und zwar für den verstorbenen Unternehmer Otto Ineichen (Sursee).

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel».

Bild: Herbert Fischer

Ich habe auch keine Mühe, mich als einer von den gar nicht so wenigen zu «outen», die den durchaus Zögernden nach dem Hinschied des von mir ebenfalls geschätzten Albert Vitali mit Nachdruck gebeten haben, das Amt wieder anzunehmen.

Dabei war ich schon mit Otto Ineichen – nicht nur in Sachen Kultur-Engagement und Studienheim Don Bosco Beromünster – über Jahre in guter und herzlicher Verbindung, so mit fast jährlichem Treffen am Auffahrtsumritt Beromünster.
Fatalerweise kam es Peter Schilliger nun aber gleich zweimal zu, in Bern jeweils den Fussstapfen eines Verstorbenen zu folgen. Eine Verlegenheitslösung?

Nach meiner Pensionierung als Gymnasiallehrer hatte ich eine Zeitlang Gelegenheit (leider wegen einem verhinderten Buchprojekt, die Gründe gehören nicht hierher), das Eidgenössische Parlament aus der Nähe sehr genau zu beobachten. Zu den eindrücklichsten Begegnungen gehörten diejenigen mit Peter Schilliger und Albert Vitali. Bei dieser Gelegenheit durfte ich den beiden Polit-Kämpen das von der liberalen «Gesellschaft Eintracht Luzern» (seit 1848!) mitgesponserte Projekt der Schulgeschichte von Beromünster verdanken.

Die Hauptsache beim Treffen aber waren Hintergrund-Informationen. Dabei bewährte sich ein Peter Schilliger als das Gegenteil eines Hinterbänklers. Sodann vergesse ich nicht, wie ich in näheren Kontakt zu ihm trat. Es war der gleiche Anlass wie die erstmalige Kontakt-Aufnahme mit lu-wahlen.ch: das Gedenken an den grossen Luzerner Liberalen, Revolutionär, Pflanzenbuchverfasser und Nationalratspräsidenten von 1848:

Jakob Robert Steiger von Büron, genannt Schnyder-Joggeli (1801 – 1862). Der wohl letzte Freisinnige der Schweiz, der für freiheitliche Überzeugungen noch im Ernst sein Leben riskiert hat.

Dass es bei den Luzerner Liberalen nach Jahren wieder zu einem Festakt mit historischem Gedenken kam (2012 in Beromünster und Sempach), war wesentlich Peter Schilliger zu verdanken. Ehrlich gesagt konnte er mit liberalen Traditionen (für mich auch liberal-konservative Traditionen) mehr anfangen als mancher Partei-Akademiker. Mehr auch als der damalige schweizerische Parteipräsident. Im Hinblick auf Traditionspflege stellte ich bei der CVP freilich ein ähnliches Dilemma fest.
Verwurzelungen dieser Art sind aus meiner Sicht mehr als nur Folklore. Dieselben scheinen mir heute bedeutsamer denn je.

Wir leben in einer Zeit, wo die Verankerung vor Ort, dem Kern der Lebensqualität, in der öffentlichen Wahrnehmung spürbar am Abnehmen ist zugunsten von Orientierung nach «hypes»; ungeachtet des Befundes, dass die Lage in der Tat ernst ist. Fast könnte man den alten Adenauer zitieren mit seinem Ladenhüter: «Die Lage war noch nie so ernst wie heute.» 

Umso bedeutsamer scheint mir, dass ein geerdeter Mittelstandspolitiker wie Peter Schilliger der Luzerner und Schweizer Politik erhalten bleibt. Ein Mann, der sich nicht so leicht vom Trend «wegwinden» lässt; aus meiner Sicht langfristig politisiert, selbst und gerade dort, wo er eine vielleicht nicht populäre Minderheitsmeinung vertritt. Sorgen macht mir nämlich seit Jahren, dass man sich flächendeckend jenseits von Links-Rechts-Clichés nicht mehr auf Medien verlassen kann; auch nicht auf öffentlich-rechtliche.

Aus diesem Grunde unterstütze ich www.lu-wahlen.ch, gerade weil der Redaktor dank abgebrühter politischer und publizistischer Erfahrung sich auch mit denjenigen verständigen kann, die nicht unbedingt Trend-Meinungen vertreten.

Worauf man sich aber zum Beispiel am Kanton Luzern am ehesten noch verlassen kann, ist ein längerfristiges Vertrauen in Personen, die sich dasselbe ehrlich erarbeitet und verdient haben. In diesem Sinn ist angesichts des Todes von Albert Vitali für den Nachfolger und Vorgänger nicht Jubel angebracht, aber ehrliche gute Wünsche.

Sollte die CVP übrigens das «C» leichtsinnig wegen der Fusion mit der halb-bankrotten BDP preisgeben, würde ich nicht ausschliessen, dass ihre sogenannten Grundwerte am Ende bei bewährten Luzerner Liberalen wie Peter Schilliger ebenso gut, wenn nicht besser aufgehoben blieben. Im Gegensatz zu nationalen Parteipräsidenten jeglicher Couleur gehörte er nie zur Sorte der Politiker, welche Phrasen absondern.

Pirmin Meier, Aesch


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Über Pirmin Meier:

Dr. phil. Pirmin Meier (1947), aufgewachsen in Würenlingen AG und wohnhaft in Aesch, langjähriger Gymnasiallehrer in Beromünster, war zunächst als Journalist und Herausgeber von Büchern (unter anderem bei Suhrkamp-Insel) tätig, später mehrere Jahrzehnte als Gymnasiallehrer (Beromünster) und Lehrerfortbildner. 

Seine Biographien über Paracelsus (6. Auflage im Jahr 2013), Bruder Klaus (3. Auflage in Vorbereitung) sowie Heinrich Federer und Micheli du Crest gelten als epochal und wurden unter anderem mit dem Innerschweizer und dem Aargauer Literaturpreis ausgezeichnet. Zu den Themen, die mit der Innerschweiz zu tun haben, gehören bei Pirmin Meier das Buch «Landschaft der Pilger», unter anderem mit der Beschreibung der Schattigen Fasnacht in Erstfeld und einer ersten Studie über den heiligen Gotthard. Ausserdem setzte er sich mit der Biographie von Pater Alberich Zwyssig – von ihm stammt der Text des «Schweizerpsalms», der Schweizer Nationalhymne – auseinander, eingegangen in das Buch über Wettingen «Eduard Spörri, ein alter Meister aus dem Aargau».  

Stark beachtet, mit rund drei Dutzend öffentlicher Lesungen seit dem Erscheinen, etwa in Altdorf und im Bahnhofbuffet Göschenen, wurde die mit grossem Aufwand betriebene Neufassung des berühmten Jugendbuches «Der Schmied von Göschenen», welche Neubearbeitung erstmals die Bedeutung der Walser für die ältere Schweizer Geschichte unterstreicht.  

Pirmin Meier gehörte auch zu den geistigen Promotoren des Films «Arme Seelen» von Edwin Beeler, zu welchem Thema er sich im Sommer 2012 in einer ganzstündigen Sendung «Sternstunde Religion» auf SRF ausgelassen hat. Er lebt in Rickenbach bei Beromünster, arbeitet derzeit an einem Grossprojekt über Schweizer Mystik und schrieb auch den Text für das Oratorium Vesper von Heiligkreuz mit Musik von Carl Rütti.

Am 7. September 2013 hielt Dr. Pirmin Meier auf der Rigi die Jubiläumsansprache zum Jubiläum 70 Jahre Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverein ISSV. Für sein Buch «St. Gotthard und der Schmied von Göschenen» machte er bedeutende, für die Geschichte der alten Wege einmalige Recherchen über die alten Wege vor 1231, auch zusammen mit dem Historiker Dr. Hans Stadler-Planzer.

In beratender Funktion ist Pirmin Meier tätig für das Filmprojekt «Paracelsus - Ein Landschaftsessay» des in Root (LU) wirkenden Filmunternehmers und Regisseurs Erich Langjahr, wie Pirmin Meier Innerschweizer Kulturpreisträger.

Mehr über Pirmin Meier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pirmin_Meier

Pirmin Meier erhält Innerschweizer Kulturpreis 2008:
https://kultur.lu.ch/-/media/Kultur/Dokumente/preise_auszeichnungen/meier2008.pdf