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Kolumne von Laura Kopp

29.03.2011

«Veränderung? Ja, aber nicht auf meine Kosten»

Die Energiewende – also der Ausstieg aus der Kernenergie – scheint zum Greifen nah. Doch sind wir wirklich dazu bereit, etwas zu verändern? Vieles weist daraufhin, dass dem nicht so ist. Denn Veränderungen sind nur immer dann gut, wenn wir nicht selbst davon betroffen sind. «Ja, aber …» ist allzu oft die dominierende Haltung.


Probleme erkennen heisst nicht, dass sie auch tatsächlich gelöst werden. Forderungen nach dem Ausstieg aus der Kernenergie gibt es nicht erst seit der Katastrophe in Japan. Durch diese Ereignisse sind sie aber wieder «salonfähig» geworden. Nur: Wie hoch ist die Bereitschaft wirklich, aus der Kernenergie auszusteigen? Sind wir tatsächlich bereit, entweder für Strom mehr zu bezahlen oder aber Energie zu sparen?  Und wie steht es in Sachen Widerstand gegen erneuerbare Energien, beispielsweise bei Windkraftwerken, Wasserkraftwerken oder Solaranlagen? Wo ist hier die Grenze zwischen «Ja, wir müssen aussteigen» und «ja, aber es darf nicht teurer werden»?  

Es kann ja nicht die Lösung darin liegen, Atomstrom aus Frankreich oder Strom aus Kohlenkraftwerken aus Deutschland zu importieren.

Auch in anderen Bereichen stossen gute Lösungen bald einmal an Grenzen. So herrscht wohl Einigkeit darüber, dass es in Städten mehr Wohnraum braucht. Verdichtetes Bauen scheint dafür die optimale Lösung zu sein. Doch der Widerstand von Anwohnerinnen und Anwohnern gegen allfällige Hochhäuser kann diese optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Fläche verzögern oder gar ganz verhindern. 

Ein weiteres Beispiel ist die Verkehrsfinanzierung. Alle wollen mehr Mobilität, doch niemand will dafür mehr bezahlen. So wurden die bundesrätlichen Vorschläge bereits vor der Vernehmlassung heftig kritisiert. So tönte es etwa: «Ja, wir brauchen mehr Geld für Verkehr. Aber der Pendlerabzug darf nicht abgeschafft werden, die Abo-Preise dürfen nicht erhöht werden.»

Und schliesslich: Das CO2-Gesetz. Das beschlossene Reduktionsziel von 20% im Inland sowie die mögliche CO2-Abgabe auf Treibstoffen können zu steigenden Kosten führen. Kein Wunder also, dass sich die Wirtschaft – allen voran der Wirtschaftsdachverband economiesuisse – bereits jetzt gegen das Gesetz wehrt. «Klimaschutz? Ja, aber nicht auf unsere Kosten. Und schon gar nicht jetzt! Ein strenger Klimaschutz und Diskussionen über den Ausstieg aus der Kernenergie sind nicht vereinbar.» 

Diese Haltung blockiert uns in zahlreichen Bereichen. Sinnvolle Lösungen kommen nur zustande, wenn wir unseren Widerstand trotz Betroffenheit aufgeben. 


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Über Laura Kopp:

Laura Kopp (* 1973) ist Politikwissenschaftlerin. Sie arbeitet als Fachspezialistin Planung/Koordination beim Bundesamt für Energie, Abteilung Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Am 10. April 2011 hatte sie in Luzern für die Grünliberalen als Kantonsrätin kandidiert und den vierten Ersatzplatz erreicht. Bei den Nationalratswahlen vom 23. Oktober landete sie auf dem ersten Ersatzplatz. Am 6. Mai 2012 ist sie in den Grossen Stadtrat gewählt worden. 

Seit 29. Oktober 2012 ist sie Kantonalpräsidentin der glp.

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