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Gastbeitrag von Mario Gavazzi

Über den Autor:

Mario Gavazzi
(*1958) ist gelernter Kaufmann. Er ist seit deren Gründung Mitglied der Dampferfreunde und des Landschaftsschutz Verbandes Vierwaldstättersee (LSSV). Mario Gavazzzi publiziert seit 30 Jahren Jahren über den Öffentlichen Verkehr und gilt als einer der besten Kenner der Dampfschiffahrt auf Schweizer Seen.

Bild: Herbert Fischer

09.06.2011

Die «Unterwalden» setzt weiteren Meilenstein in der Geschichte unserer Dampfschiffe

Der Mai 2011 stand wie die Monate zuvor im Banne vieler unschöner Schlagzeilen. Wie wohltuend wirkten die Bilder von den Einweihungsfeiern, zweier Dampferparaden und den ersten Kursfahrten des Dampfers Unterwalden. Er ist wieder ein Teil der Flotte der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) geworden. Nach zweieinhalb Jahren Revision in der Luzerner Werft.

Unterwalden-Kapitän Hans-Peter Mosimann bittet zu einem kleinen Rundgang.<br><br>Bilder: Herbert Fischer

Unterwalden-Kapitän Hans-Peter Mosimann bittet zu einem kleinen Rundgang.

Bilder: Herbert Fischer

Das Dampfschiff Unterwalden hat bei den Kennerinnen und Kennern der Schifffahrtsszene Erstaunen und Erinnerungen ausgelöst. Den meisten Menschen rund um den See dürfte nicht entgangen sein, dass an die Stelle der modern aussehenden «Unterwalden» ein Schiff getreten ist, das viel von seiner früheren Ausstrahlung zurück erhalten hat.  Das um 1960/1 entstandene Aluminiumdach auf dem Oberdeck mit dem Steuerhaus, Kamin und den Masten verlieh dem 1902 eingeweihten Dampfer ein modernes Aussehen. Dieser Eingriff muss aus der Zeitdistanz von 50 Jahren als dem damaligen Zeitgeist entsprechend gewertet werden.

Auch die «Unterwalden» hat eine Seele

Die Dampferfreunde Vierwaldstättersee, die kantonale Denkmalpflege und die Fachleute von Shiptec Lucerne, der technischen Abteilung der SGV, haben mit viel Wissen und millionenfachem Einsatz finanzieller Mittel aus der modernisierten eine restaurierte Unterwalden geschaffen. Sie hat nicht nur viel vom Aussehen vor 1960 zurück erhalten. Auch ihre Ausstrahlung innen wie aussen ist ein Beispiel dafür, wie sehr ein altes Schiff eine Seele besitzt.

Der Kampf begann vor 40 Jahren

Vor über 40 Jahren begann der Kampf einer vorerst kleinen Gruppe von Interessierten zur Rettung der verbliebenen damals sechs Raddampfer. DS Wilhelm Tell, 1970 ausrangiert und seit 1972 als schwimmendes Restaurant am Luzernerhof liegend, löste eine Volksbewegung aus, die 1972 in die Gründung der heutigen Vereinigung Dampferfreunde Vierwaldstättersee mündete. Diese als gemeinnützig anerkannte Nonprofit-Organisation hat mit ihren heute über 9000 Mitgliedern die Aufgabe übernommen, die SGV in ihren Bemühungen zur Erhaltung zu unterstützen, indem sie sich an den dampfspezifischen Mehrkosten bei den Investitionen beteiligt. Sie und das Unternehmen selbst haben unzählige Millionen Franken in die Restaurierung der verbliebenen fünf DS Stadt Luzern, Gallia, Schiller, Uri und nun auch Unterwalden gesteckt.

Sie stehen nun in regelmässigem Einsatz für Einheimische, Auswärtige und Feriengäste aus aller Welt. Einfach für uns alle! Und wenn Sie glauben, eine Seefahrt sei nur bei schönem Wetter ein Erlebnis, so wählen Sie einen möglichst regnerischen Tag aus, nehmen Sie etwas Gutes zum Lesen mit und vergessen Sie nicht, trotz guter Lektüre immer wieder einen Blick hinaus in die vorbei ziehende Landschaft zu werfen. Mag das Wetter noch so grau sein, diese Grautöne tun gut, bringen Ruhe und Besinnlichkeit.

Am Anfang war ein Artikel von LNN-Redaktor Noldi Amstutz

Und die Dampferfreunde, braucht es sie als Organisation nun nicht mehr? Selbstverständlich braucht es sie. Jede architekturgeschichtlich wichtige Kirche, jede Burg, jedes Schloss und was sonst noch geschichtlich bedeutsam ist, muss nicht nur vor Zerfall und Zerstörung gerettet werden. Erhaltung heisst auch Pflege und Unterhalt und das hat seinen Preis. Denkmalpflege ist nicht kostenlos zu haben und da sind wir auch in Bezug auf die Dampfer in der Pflicht. Für uns und die kommenden Generationen. 

Es gab einmal eine Tageszeitung mit dem abgekürzten Titel LNN. 1970 hat der inzwischen verstorbene LNN-Redaktor Arnold «Noldi» Amstutz im Artikel zur Einweihung des MS Gotthard, das den Platz des Dampfers Wilhelm Tell einnehmen sollte, einen Kurzkommentar geschrieben in dem Sinne, dass der Verstand zwar die Absicht zum Ersatz der kostenintensiveren Dampfer durch sparsamere Motorschiffe begreift. Aber das Herz sagt nein zur Frage, ob die Raddampfer nahezu vollständig ersetzt werden sollen. Ihre Erhaltung wäre doch eine kleine Volkserhebung wert.

Danke, Noldi Amstutz, für diese damals mutige Aussage!

Zweite Bilderserie siehe weiter unten auf dieser Seite unter «In Verbindung stehende Artikel». 

Mario Gavazzi, Luzern


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