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Gastbeitrag von Emanuel Ammon

Über den Autor:

Emanuel Ammon
(*1950) ist Fotograf und Inhaber der Agentur AURA in Luzern. Hier zeigt er seine Drohne.

www.luzernfoto.ch / www.aura.ch

08.12.2011

Vom Ausläufer zum Reporter und zum Herausgeber

Sein Bildband über die Siebziger Jahre ist ein Zeitdokument, entstanden als Auswahl von 2800 Fotos, die Emanuel Ammon vor allem für das «Luzerner Tagblatt» geschossen hatte. Hier erzählt er, wie alles begann, wie damals Pressebilder entstanden und wie er Herausgeber von hochwertigen Bildbänden wurde.

Das Neue Buch «70er» ISBN: 978-3-9523375-4-7) ist der umfangreichste der sieben Bildbände, die Emanuel Ammon bisher herausgegeben hat (hier der Umschlag).

Das Neue Buch «70er» ISBN: 978-3-9523375-4-7) ist der umfangreichste der sieben Bildbände, die Emanuel Ammon bisher herausgegeben hat (hier der Umschlag).

1975: Im Freilichttheater des Hitzkircher Lehrerseminars 
singen die FestteilnehmerInnen unter der Leitung
von Professor Josef Röösli. Am Fest wurde Geld für 
eine Blindenschule in Abidjan gesammelt. 



1975: Im Freilichttheater des Hitzkircher Lehrerseminars 
singen die FestteilnehmerInnen unter der Leitung
von Professor Josef Röösli. Am Fest wurde Geld für 
eine Blindenschule in Abidjan gesammelt. 



1978: Eröffnung der Spielwiese in Root 1978.

1978: Eröffnung der Spielwiese in Root.

1979: Flüchtlinge aus Kambodscha und Laos werden in der
 Schweiz aufgenommen (Ankunft Flughafen Kloten).

1979: Flüchtlinge aus Kambodscha und Laos werden in der
 Schweiz aufgenommen (Ankunft Flughafen Kloten).


1979


: Dieses Bild entstand am Rande einer Reportage für
 «ELLE». Zu sehen sind Ernst Guntis Familie und sein Sohn 
Sascha, der 1979 in Altdorf Tells Sohn Walterli spielt. Ernst Gunti
 spielt später auch den Werner Stauffacher. 
An den Tellspielen Altdorf trat er von
 1976 bis 1991 sechs Mal als Wilhelm Tell auf.


1979


: Dieses Bild entstand am Rande einer Reportage für
 «ELLE». Zu sehen sind Ernst Guntis Familie und sein Sohn 
Sascha, der 1979 in Altdorf Tells Sohn Walterli spielt. Ernst Gunti
 spielt später auch den Werner Stauffacher. 
An den Tellspielen Altdorf trat er von
 1976 bis 1991 sechs Mal als Wilhelm Tell auf.

1978: Kurt Albisser, Hans Eggermann, Emil Steinberger und
 Kameramann Ruedi Küttel bei Dreharbeiten,
Luzern. Rechts: 
Emil Steinberger spielt in einem Restaurant Sketche. Damals erschienen in Luzern noch drei Tageszeitungen (1978).<br><br>Bilder: Emanuel Ammon / AURA

1978: Kurt Albisser, Hans Eggermann, Emil Steinberger und
 Kameramann Ruedi Küttel bei Dreharbeiten,
Luzern. Rechts: 
Emil Steinberger spielt in einem Restaurant Sketche. Damals erschienen in Luzern noch drei Tageszeitungen (1978).

Bilder: Emanuel Ammon / AURA

Meine Fotografen-Laufbahn begann zu Hause an der Friedbergstrasse in Luzern im Kohlenkeller, dort richtete ich mir ein Fotolabor ein. 1969 wurde ich an den einjährigen Vorkurs in der Kunstgewerbeschule aufgenommen. Das Geld für die erste Kamera und den Vergrösserungsapparat verdiente ich mit dem Sammeln von Zeitungen und dem Austragen von Blumen für Leutwyler. Mein erstes Bild erschien 1969 im «Luzerner Tagblatt». Es zeigte, wie am Rotsee das Ufer verstärkt wurde. Das Honorar betrug 15 Franken. 

Die Lehre machte ich ab 1970 bei Hans Eggermann, einem Lehrling meines Vaters, des Fotografen Peter Ammon. Später arbeitete ich als Kameramann bei Kurt Albisser im Filmstudio 65. Wir drehten Werbefilme, unter anderem zum Thema «Paraplegie – Schicksal oder Herausforderung?». Damit und auch als Kunstmaler – Max von Moos und Godi Hofmann waren an der «Kunschti» meine Lehrer – verdiente ich mir mein Geld. Godi Hofmann hat mich für mein ganzes Leben geprägt. Er lehrte mich unter anderem genau zu beobachten, beispielsweise so banale Alltagssujets wie Schuhbändel, die er sehr genau abgezeichnet haben wollte. 

Immer musste alles sehr schnell gehen

Im März 1975 begann ich beim «Luzerner Tagblatt» als Reporter. Der Lohn war zwar bescheiden, doch die Arbeit spannend. Spatenstiche, Porträts, Verkehrsunfälle, Vernissagen, politische Veranstaltungen – alles war für mich interessant. Bezahlt wurde ich pro Bild. Ich nahm mir immer genügend Zeit, um zu guten Bildern zu kommen. 

Es musste schon damals schnell gehen, eine Stunde für die Entwicklung und Herstellung von vier bis sechs Bildern war bereits zu lange. Ich steckte die Negative in Archivmappen und schrieb das Datum auf den Rand. Die «Nikon F2» und die fast lautlose «Leica M3» waren das Mass aller Dinge. Da für die Musikfestwochen eine «Leica» obligatorisch war – es ist kaum zu hören, wenn der Auslöser gedrückt wird –, musste ich 1976 für 1500 Franken meine erste «Leica M3» kaufen. Das war sehr viel Geld und mehr, als ich mit den Konzertfotos verdienen konnte.

Das «Luzerner Tagblatt» war damals für viele junge Journalisten und Fotografen ein Sprungbrett. Ronald Joho, Fritz Muri oder auch Stephan Klapproth starteten in ihre Karrieren beim «Luzerner Tagblatt». Von Beginn weg wurde von mir verlangt, dass ich auch Texte schreiben musste. Für mich eine schwierige Sache, denn zuhören und gleichzeitig gute Bilder machen war nicht einfach. So habe ich über die Holzwirtschaft, über Bäuerinnenschulen, über Trachtenvereine und vor allem über Landtheater geschrieben. Meine Karriere als Journalist dauerte vielleicht zwei Jahre, dann bekam ich bereits Schreibverbot, was mir sehr entgegenkam. 

Das kam so: Im Lehrerseminar Hitzkirch hielt Dr. Peter Sager vom Ost-Institut, ein Spezialist für den damals herrschenden kalten Krieg, einen Vortrag. Ich hatte mir erlaubt, dessen Auftritt zu kritisieren, was, dem Seminar-Rektor, der Sager eingeladen hatte, und dem Tagblatt-Chefredaktor überhaupt nicht passte. Ich erhielt ab sofort Schreibverbot, wofür ich noch heute dankbar bin, und auch die Welt blieb so vor meinen literarischen Werken verschont.

Ich war damals viel im Kanton Luzern und der ganzen Schweiz unterwegs und konnte oft meine eigenen Ideen einbringen. Ein deutlicher Unterschied zu heute war, dass die Geschichten vor Ort gemacht und nicht in der Redaktion ausgedacht wurden. Ein Journalist oder eine Journalistin arbeitete mit dem Fotografen eng zusammen. Die Reportage wurde unterwegs diskutiert und notfalls völlig umgekrempelt und der Realität angepasst. Unterwegs fanden wir auch immer wieder neue Themen. Dieser Austausch war sehr konstruktiv.

Wir waren jung und wollten auch mal eine sogenannt «heisse Story» machen. Mit dem Journalisten Fritz Muri wurde so manch lokale Geschichte auch national bekannt, so die beiden Reportagen «Der Telldarsteller wird in Altdorf ausgewechselt» und «Die saufenden Rekruten im Ausgang», die wir für die damalige «ELLE» produzierten. 

Als der Stapi vor der Kornschütte Blumenkisten aufstellen liess

Vor dem Rathaus Luzern lag eine umgekippte zerbrochene Blumenkiste, die ich fotografierte und damit eine Sache ins Rollen brachte. Denn der damalige Stapi Hans Rudolf Meyer liess auf den Sitzbänken vor dem Rathaus Blumenkisten platzieren, damit die Jungen nicht vor dem Rathaus rumlungerten und es sich bequem machten, denn drinnen fanden IMF-Konzerte statt. Über diese Geschichte berichteten sogar Medien in den USA. 

Für mich ist das Fotografieren Beruf und Leidenschaft zugleich. Die Arbeit als Pressefotograf lehrte mich, eine Geschichte mit einem einzigen Bild zu erzählen. Entscheidend für ungestellte Bilder ist die Vorahnung, die Intuition, wie sich eine Szene verändern könnte, die Geduld zu warten, bis der Höhepunkt der Szene erreicht ist – und sie dann festzuhalten.

Das «Luzerner Tagblatt» war die liberale Tageszeitung. Das bedeutete, dass  ich im Wahljahr 1975 jede Veranstaltung der Liberalen Partei, die heutige FDP, fotografieren musste. Die Nationalratswahlen standen an und ein gewisser Kaspar Villiger , aber auch «HRM» (Hans Rudolf Meyer) kandidierten. 

«70er Emanuel Ammon» ist bereits das siebte Buch

Seit 2005 gebe ich Bücher heraus. «Luzerner Fasnacht – eine Zeitreise durch zwei Generationen» war mein erstes Buch. Wir fragten nicht einmal nach Unterstützung und druckten gleich 5000 Exemplare. Wie wir später erfuhren, sind 5000 Fotobücher bereits absolute Bestseller auf dem kleinen Schweizer Markt. Bis jetzt ist die Hälfte der Auflage verkauft und inzwischen ist mit «70er Emanuel Ammon» unser siebtes Buch entstanden.

Das zweite Buch mit den Bildern meines Vaters gehört zu den absoluten Bestsellern in der Schweiz. Die Startauflage von 5000 Exemplaren war innert vier Wochen ausverkauft, inzwischen wurde «Schweizer Bergleben um 1950» gegen 10 000 mal verkauft. 2009 gab ich «Schweizer Kuhleben» heraus. 

Emanuel Ammon, Luzern

Alle Bilder sind urheberrechlich geschützt

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Aus technischen Gründen können auf dieser Seite nicht mehr Bilder gezeigt werden. Weitere Bilder aus dem neuen Ammon-Buch:
http://www.lu-wahlen.ch/gastbeitraege/emanuel-ammon/news/2011/12/08/1347-weitere-ammon-bilder-aus-den-siebziger-jahren/

 

 

 

 

 


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