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Kolumne der Redaktion

01.10.2019

«Gerade in der Zeit der Digitalisierung wird die Luzerner Herbstmesse überleben»

Er rennt im ganzen Kanton von Termin zu Termin und fiebert dem Wahlsonntag 20. Oktober entgegen. Dennoch hat CVP-Sekretär Rico De Bona ausgerechnet im Wahljahr 2019 das Präsidium der Luzerner Herbstmesse übernommen. Hier sagt der frühere Littauer Grossrat und Gemeinderat, warum er das macht und warum die «Määs» überlebt.


Noch sind auf dem Inseli Arbeiter der Stadt Luzern mit dem Aufbau der Verkaufsstände für die «Herbschtmääs» beschäftigt. Der neue Messe-Präsident Rico De Bona, hauptamtlich Kantonalsekretär der CVP, glaubt fest an deren Zukunft.

Attraktionen zuhauf ...

... garantieren Adrenalinstösse, was ...

... vor allem wagmutige Jugendliche zu Mutproben verleitet.

Die Luzerner Herbstmesse wird immer an einem Samstag Ende September oder anfangs Oktober mit einer solchen «Bombe» eröffnet, die Gutscheine enthält.

Die «Määs» hat sich auch vor das KKL und auf den Europaplatz ausgeweitet.

Wäre die «Salle modulable» auf dem Inseli gebaut worden, wären auch so mächtige Bäume verschwunden, die den einzigartigen und stimmungsvollen Standort der «Määs» prägen.

Bilder: Herbert Fischer

Herbert Fischer: Ist der Sekretär der CVP des Kantons Luzern unterbeschäftigt, dass er sich auch noch für die Interessengemeinschaft Luzerner Herbstmesse und Märkte (IG LHMM) als Präsident engagiert?

Rico De Bona: Ehrenamtliche Engagements in Vereinen, Verbänden und Organisationen waren bei mir in den vergangenen Jahrzehnten nebst der beruflichen Tätigkeit immer sehr wichtig. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass ein breiter Einblick in diverse Bereiche gegenseitigen Mehrwert generiert; sei es aus der Optik der beruflichen Herausforderungen, aber auch der entsprechenden Organisationen. Nachdem ich mein Engagement immer auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt habe, weiss ich, wie man mit einem 24-Stunden-Tag effizient umgeht. Selbstverständlich gibt es dabei aber immer auch Kompromisse. Es sei hier aber auch erwähnt, dass ich in der neuen Aufgabe auf einen kompetenten und fachkundigen Vorstand zählen darf. Gemeinsam ist man bekanntlich stark.

Welche Beziehung haben sie selber zur «Määs»?

Rico De Bona: Als erster Leiter der Dienstabteilung Stadtraum und Veranstaltungen in der Luzerner Stadtverwaltung (2009 bis 2013) war auch die «Herbschtmääs» in meinem Verantwortungsbereich. Ich war dabei sehr intensiv und nahe mit diesem Thema, aber auch mit den beteiligten Personen verbunden. Die damaligen Beziehungen mit den Schaustellern und Markthändlern habe ich über die Jahre in Olten, Bremgarten, Basel und anderen Orten weiter gepflegt. Selbstverständlich ist aus meiner Sicht die «Lozärner Määs» am schönsten Standort mit dem besten Layout. Da muss man einfach jedes Jahr mehrere Male hin.

Trotz Krise des Detailhandels und wachsendem Internet-Handel gibt es die Luzerner Herbstmesse nach wie vor. Warum?

Rico De Bona: Diese Frage wird immer wieder gestellt. Schon 1906 beschloss der Luzerner Stadtrat, dass künftig auf den Ersatz von Marktständen zu verzichten sei. Zur Begründung hiess es: Die Märkte würden in den nächsten Jahren verschwinden, denn alles, was auf den Märkten angeboten werde, könne man heutzutage auch in den Geschäften kaufen (Aussage aus dem Jahr 1906). Bekanntlich haben sich alle diese Vorhersagen nicht bewahrheitet.

Gerade in der heutigen Zeit der Digitalisierung sind persönliche Kontakte und Gespräche an der Front mehr denn je gefragt und wertvoll. Unsere Markthändler nutzen diese Gunst und pflegen diese Gespräche.

Und die Kundinnen und Kunden schätzen die persönliche Beratung und das freundliche Gesicht hinter dem Stand.

Die «Herbschtmääs» besteht ja aus zwei Teilen: den Schaustellern und den Markfahrern. Wie ist das entstanden? Es hat ja eigentlich direkt miteinander nichts zu tun, beide könnten auch für sich allein auftreten und angeboten werden.

Rico De Bona: Eigentlich bestand der Jahrmarkt immer aus dem Verkauf von Waren und aus weiteren, sehenswerten Attraktionen (heute: Schaubuden, etcetera). So hatten etwa im Jahr 1850 sogenannte Zahnbrecher eine Hochkonjunktur: Man liess sich jeweils auf den Jahrmärkten einen oder mehrere Zähne ziehen, verbunden mit grossen Schmerzen.

Der Verkauf von Leistungen, verbunden mit der Unterhaltung, gehört zusammen.

Zudem gibt es auch noch die eigentliche «Chilbi» unter der Egg. Gehört die eigentlich auch zur Luzerner Herbstmesse?

Rico De Bona: Der Kilbisonntag (heuer der 13. Oktober, ab 10.30 Uhr) ist ein wesentlicher Bestandteil der «Herbschtmääs». Es herrscht jeweils traditionelle Kilbistimmung unter der Egg und am Rathausquai, mit zahlreichen Glücksrädern, Stimmungsmusik, heissen Marroni, Festwirtschaft und vielem mehr. Die involvierten Vereine machen dabei einen hervorragenden Job und pflegen dieses Brauchtum sehr lebhaft. Der «Chilbi-Sonntag» lebt nach dem Motto: «Es het solang‘s het!»

Welches ist der Unterschied zwischen der «Chilbi» auf der Luzerner Landschaft und jener in der Stadt und in der Region. Sie sind Littauer: In Littau gibt es sicher auch eine «Chilbi», ist die anders als in der Stadt?

Rico De Bona: Ich war die letzten acht Jahre «Chef» der Reussbühler «Chilbi». Sie dauert jeweils drei Tage. Die letzte, wiederum sehr erfolgreiche Durchführung war über das vergangene Wochenende. Diese Anlässe sind für das Dorfleben sehr wichtig. Da werden Vereine und Organisationen, die Kirche und die Bevölkerung ganz nahe zusammengeführt. Für die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer ist der Kontakt mit den Besucherinnen und Besuchern eindrücklich. Insofern ist der grosse Unterschied, dass man eigentlich an der «Dorfchilbi» fast alle kennt. Bei der «Lozärner Herbschtmääs» mit rund 400 000 Besuchenden ist dies eine grössere Herausforderung…

Auf dem Inseli wird auch viel Ramsch und Kitsch verkauft. Nimmt die Leitung der Luzerner Herbstmesse Einfluss auf das Warenangebot?

Rico De Bona: Die «Herbschtmääs» ist ein Anlass für die ganze Bevölkerung. Insofern gibt es für alle Produkte irgendeinen Käufermarkt, sonst würden sie die Markthändler nicht anbieten. Die gegen 90 Markthändlerinnen und Markthändler präsentieren einen vielfältigen Warenmix und das an einem Platz, wie es diesen nur an der «Lozärner Määs» gibt.

Einfluss wird auf den Warenmix genommen. Für eine attraktive «Määs» ist die Vielzahl der Produkte entscheidend. Es gibt auch immer wieder neue Angebote. Dieses Jahr beispielsweise: Afrikanische FairTrade-Spezialitäten (Gewürzmühlen, Saucen, Relishes, Currypasten, undsoweiter), Accessoires und Geschenke.

Welche Produkte erzielen die höchsten Umsätze?

Rico De Bona: Dies lässt sich nicht beantworten. Man müsste da grundsätzlich differenzieren zwischen den Markthändlern und den Schaustellern. Da wären auch noch die Restaurationsbetriebe. Entscheidend ist, dass das Produkt oder die Dienstleistung den Kundinnen und Kunden entspricht. Bei einem positiven Verkaufsgespräch ist man auch bereit, zu konsumieren. Und dies ist für die Markthändler und die Schausteller entscheidend. Sehr viele Familien leben sogar von den Jahrmärkten, von den «Chilbis», von der «Herbschtmääs».

Gibt es Trends? Welche Umsätze sinken, welche steigen?

Rico De Bona: Das traditionelle Magenbrot, die Mandeln und die vielen «määs-spezifischen» kulinarischen Köstlichkeiten, aber auch der Putzlappen und die spezielle Crème gehören sicher auch künftig zum Trendangebot. Möglicherweise führen aber veränderte Essgewohnheiten der Kundinnen und Kunden zu neuen Bedürfnissen und damit auch zu einer Veränderung bei den Umsätzen. Schliesslich ist der Kunde auch auf der «Määs» König. Und die Schausteller und Markthändler richten sich nach den Wünschen der Kundinnen und Kunden.

Interview: Herbert Fischer

Siehe auch unter «Dateien».


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/