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Kolumne der Redaktion

14.06.2019

Wir machen ganze Arbeit – wir wollen ganzen Lohn

Am Frauenstreik in Luzern hat auf dem Kornmarkt soeben Agatha Fausch gesprochen. Die 77-jährige war früher Dozentin an der Hochschule für Soziale Arbeit und Grossstadträtin der Grünen. Sie hat ihr Redemanuskript lu-wahlen.ch vorab zur Verfügung gestellt. Hier ist es zu lesen.


Bereits am Frauenstreiktag vom 14. Juni 2011 machte Agatha Fausch mit.

Bild: Herbert Fischer

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel».

14. Juni 2019: Agatha Fausch spricht auf dem Kornmarkt vor dem Luzerner Rathaus vor mehreren tausend Leuten, die als Umzug durch die Altstadt ziehen.

Bild: Rolf T. Spörri

Liebi Streikfraue, liebi solidarischi Manne,

Stell der vor:
Am Rathusturm hangt e laangi Fahne vo zoberscht bis z’underscht.
Wenn Frau will, steht alles still
Für d’Husmeischteri vom Rathus gaht das nöd
Am Rathuus z’Lozern derfed nur Kantons- oder d’Schwiizerfahne hange.
Das macht mich verruckt. Hässig lauf ich über de Rathusstäg, -
vor mir grad de Stadtpräsidänt, de Franz Kurzmeier.
Ich fass alle Muet zäme und säge:
Herr Kurzmeier, ich bin en wildi und ich han es Problem:
Mer derfed öisi Frauestreikfahne nöd as Rathuus hänke.
Debii isch de Chornmärt öise Streikplatz.
De Franz Kurzmeier lached und seit: «Die Fahne hänked mer uf».  

Und was isch vor 28 Jahr do une uf em Chornmärt passiert ?

Scho am Vormittag chunnt d’Ständerötin – d’Josy Meier – und nimmt es Kafi.
Schnäll füllt sich de Tisch bi ihre, – Fraue vo überall chömed und diskutiered.
Au d’Fraue vom Eidgenössische Turnfäscht uf der Allmänd chömed.
und die säged öis, schtreike seig kä gueti Idee.
Sie wänd uf de Bühni vorturne
Ihre Performance im hutänge, schwarze Glitzergwand isch schräg, und doch hät si Platz.
De ganz Tag isch bewegt und farbig.
Dä Tag hät – öis allne  – Uufwind und Power gäh

Jetzt mach ich – ziitlich – en Gump zrugg:  
1971 gwähred d’Schwiizer Manne de Fraue s’Stimmrächt.
Mit 29 gang ich s’erscht mal a d’Urne.
und im gliiche Johr hürat ich.
Im Zivilgsetzbuech schtaat:
«Der Mann ist das Haupt der Gemeinschaft. Er bestimmt den Wohnsitz»
Ich bin empört.
Erscht 17 Jahr schpöter stimmed d’Bürgerine und d’Bürger em neue Eherächt zu.
Göttin sei dank, – gäge de Widerstand vom Blocher und der SVP.
Mit däm hämmer en Sprung fürschi gmacht.

1981 – 10 Jahr nach em Stimmrächt für Fraue – chunnt d’Gliichtstellig i d’Verfassig.
mit em Zuesatz «gliich Lohn für gliichi Arbet»
Für das händ mer härt müesse schtriitte, au mit de bürgerliche Fraue am Frauekongräss

Doch d’Gliichschtellig im Alltag gaht nur im Schnäggetämpo vorwärts.
Öisi fortschrittlich Inititative für en würksame MuetTerschaftsschutz wird huUshöch abglehnt.
Det ine händ mer 9 Mönet Eltere-Urlaub verlangt.
vor 15 Jahr händ mer es Brösmeli vo 14 Woche übercho.
D’SchwiIz hät hüt – zäme mit de Türkei – de schlächtest Mueterschafts Schutz
vo Europa!
Damals im 91gi händ mier Gwärkschafterinne, d’Feminischtinne vo de OFRA und vo de FBB d’Schnauze vollgha.
D’Christiane Brunner hät mit de Uhrearbeiterinne im Jura zum Schtreik uugfrüeft.
Das hät öis packt und mier händ gschtreikt, – landeswiit  –  
au z’Lozern – da uf em Chornmärt.
Oöisi Genosse vom LGB händ öis de Rugge frei ghalte für öisi Aktione.
Sie händ under de Egg für öis g’chochet und öis bewirted.

Und jetzt schtömmer wieder da und streiked.

Was hämmer erreicht ?

S’Frauehuus isch öppis vom erschte, wo mer uufgleist händ.
Und det gits immer no viel Arbet.
und d’Fraue ?..... die verdiened immer no weniger als d’Herre.
Und wänn e Frau es Chind überchunnt, dänn riskiert sie ihren Job au hüt.
I de Ki-Ta zahled mier die höchschte Prise, vergliiche mit de Länder ringsum d’Schwiiz.
Defür händ mer siit 4 Jahr z’Luzern en Regierigsrat mit 4 ältere Manne, wo spared und für männlichi Konstanz sorged.

Doch kä Panik; ich wott das, wo mer erreicht händ, nöd vernüütige
Es Heer vo Fraue und es paar Manne hät – i de vergangne Jahr - für d’Gliischtellig gschaffed, dänkt und viel gschribe.
D’Gliichstelligsbüro vo Verwaltige, Organisatione und i de Gewärkschaft gänd Gas.
S’git Aktionsplän und es sind bruchbari Rächtsgrundlage entstande.
Uf em Papier isch vieles vorhande, wenigschtens da!
Fraue, däm müend mer Sorg ha.
Mer müend dra bliibe;
Mer müend, was mer händ, i d’Praxis umsetze !
Und zwar subito!

Fraue, mier händ viel erreicht, – doch es bliibt no ganz viel z’tue !

Mit em hütige Streik zündet mier de Turbo für gliiche Rächt und gliiche Lohn
Und no ganz viel mehr

Ich singe drum – und singed bitte mit !

Wir wollen gleiche Rechte (Melodie: Mein Hut, der hat drei Ecken)
Wir wollen gleiche Rechte
 Wir wollen gleichen Lohn

Das woll‘n wir nicht erst später, wir wollen’s heute schon!

Drum woll’n wir heute streiken, drum gibt’s heut Aktion

Wir machen ganze Arbeit
 Wir wollen ganzen Lohn!

Agatha Fausch, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/