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Kolumne der Redaktion

01.07.2018

So begrüssten die Reformierten ihren neuen Lukas-Pfarrer Markus Sahli

Mit einem Gottesdienst und einem unkomplierten Umtrunk mit allerlei Leckerbissen hat die reformierte kirche stadt luzern heute Sonntagvormittag (1. Juli) Markus Sahli als neuen Pfarrer der Lukaskirche willkommen geheissen. Hier ist seine Predigt zu lesen.


...

Pfarrer Marcel Köppli von der Matthäuskirche begrüsste den neuen Kollegen Markus Sahli im Namen des Stadtkonvents und erinnerte mittels dieses Plakats an das Luzerner Stadtoriginal Emil Manser.

Florian Flohr überbrachte Gratulationen und Glückwünsche der Luzerner KatholikInnen.

Markus Sahli war erwartungsgemäss ein besonders gefragter Gesprächspartner.

Markus Sahli führt das Pfarramt Lukas zusammen mit Verena Sollberger (im roten Kleid).

Marlene Odermatt (Mitte) ist Präsidentin der Reformierten Kirche Luzern.

Norbert Schmassmann im Gespräch mit Carla Schwöbel.

Vier der Stimmen des Singkreises Lukas, welcher die Feier stimmungsvoll umrahmte.

Rahel Schmassmann (links) im Gespräch mit Ruth und Hanspeter Kellenberger.

Ursula Tyndall.

Bilder: Herbert Fischer

Mehr über Markus Sahli unter «Links» und «Dateien».

Beim anschliessenden Apéro entstanden die Bilder rechts.

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Liebe Gemeinde,

«… und er zog voll Freude seines Weges». Ist das nicht ein wunderbarer Satz, mit dem unsere biblische Geschichte schliesst?

«… und er zog voll Freude seines Weges». Genau das hat Jesus gemeint mit seiner Botschaft: Dass die Menschen mit Freude und in Freiheit ihres Weges ziehen! Getragen vom Vertrauen, dass unser Leben in einen grossen Sinnzusammenhang eingebettet ist, den uns Jesus Christus eröffnet hat. Und dass die Menschen aus der Gewissheit heraus, dass ihr Leben Sinn hat und von einer grossen Liebe getragen ist, dass die Menschen aus dieser Gewissheit heraus ihr Leben kraftvoll gestalten, aus einer inneren Freiheit und Freude heraus. «Cool und locker», wie wir heute oft sagen, ist es jedoch nicht gemeint. Viel eher so:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
 erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

So hat es Dietrich Bonhoeffer an Sylvester 1944 aus dem Gefängnis heraus formuliert. Von solcher Art ist die Freude, die den äthiopischen Beamten nach der Begegnung mit dem Apostel Philippus erfüllt. Er geht mit Freude seinen Weg. Was die Zukunft bringt weiss er nicht. Aber nach der Begegnung mit Philippus erfüllt ihn ein Vertrauen, das er vorher nicht gekannt hat.

Mit Freude seines Weges gehen: das ist die Quintessenz des Evangeliums, der Kern dessen, was Jesus mit seinem Wort und seiner Tat für uns Menschen wollte. Und gleichzeitig ist es der Auftrag, den er seiner Kirche, den er uns weitergegeben hat.

Die Zuversicht des Glaubens weitergeben, das sollen wir tun in Wort und Tat. Die Menschen sollen «gluschtig» darauf werden, den Sprung in den Glauben zu wagen. Wie kann uns das gelingen?

Es kann uns gelingen, wenn wir dem Weg des Apostels Philippus folgen. Er hat – und das ist das Grundlegende – ein offenes Ohr und ein offenes Herz für den Ruf des Heiligen Geistes. «Da sprach der Geist zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen». Der Heilige Geist ruft uns hinaus, auf die Strasse, zu den Menschen. Heraus aus dem geschützten Raum.


«Philippus holte ihn ein und hörte, wie er im Propheten Jesaja las.» Der äthiopische Hofbeamte liest einen wirklich schwierigen Bibeltext. Das haben wir alle gespürt, bei der alttestamentlichen Lesung von Yvonne Lehmann. Ein Bibeltext, der vom Leid und vom Schmerz spricht, von der Ausgrenzung, von der Einsamkeit und vom Dahinsterben, das ein Mensch erfahren muss. Ein Text, der davon spricht, dass es Täter gibt und Zuschauer, und also auch Schuld. Ein Text, der davon spricht – und das ist das Schwierigste –, dass einer die Schuld tragen muss zum Heil der anderen.

Wir fragen uns manchmal, warum die Bibel so schwierige Texte hat. Wohl deshalb, weil die Bibel der Spiegel des realen und wirklichen Lebens ist und sie uns Mut machen möchte, dem Schwierigen nicht aus dem Weg zu gehen.

Weil wir an einen Gott glauben, der mitgeht und mitträgt. 

«Und er bat Philippus, zu ihm in den Wagen zu steigen und sich zu ihm zu setzen.» Der Heilige Geist ruft den Philippus zu einem unbekannten Menschen, der sich mit schwierigen Fragen beschäftigt. So ruft uns Gott in die Weggemeinschaft mit anderen. Viele Menschen sagen heute, ich brauche die Kirche nicht, ich habe meinen Glauben. Ja, die Kirche, vielleicht brauchen wir sie nicht. Aber was wir ganz sicher brauchen: das ist Gemeinschaft.

Glauben – das können wir einfach nicht allein. Das Leben stellt uns zu viele schwierige Fragen und gibt uns nur vage Antworten. Wir brauchen einander. Das ist es, was Jesus mit der Kirche gemeint hat. Die Gemeinschaft. Die Gemeinschaft, die sich gegenseitig ermutigt, trägt, begleitet und tröstet. Der Geist Christi lädt uns ein, uns auf die schwierigen Lebens- und Glaubensfragen einzulassen, die die Menschen haben und miteinander unseren Glauben, unsere Zweifel und unsere Hoffnung zu teilen. Miteinander ein Stück Weg zu gehen und darauf zu vertrauen, dass aus dem geteilten Leben und dem geteilten Glauben etwas wächst.


«Und der Eunuch sagte: Schau hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?» Nach den gängigen Bestimmungen der Kirchenordnung müsste der Apostel Philippus jetzt sagen: Ja sorry, so schnell geht das nicht. Wir hatten erst ein einziges Gespräch! Du willst getauft werden? Du musst zuerst den Unterricht besuchen, das Glaubensbekenntnis auswendig lernen, Kirchenmitglied werden, zu einer Gemeinde gehören und dann noch dieses Formular ausfüllen und dann muss die Taufe in einem Gemeindegottesdienst und in einer Kirche stattfinden, nicht in der freien Natur. Aber glücklicherweise hält sich der Apostel Philippus nicht an die Kirchentradition, sondern lässt den Wagen anhalten, tauft den Beamten und verabschiedet sich von ihm. Und dieser geht voll Freude seines Weges.

Liebe Gemeinde, verstehen Sie mich jetzt nicht falsch. Ich will nicht das geordnete kirchliche Leben ausspielen gegen die Inspiration durch den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist auch im Rahmen der Tradition nicht sprachlos. Aber manchmal müssen wir Traditionen durchbrechen, um des Evangeliums willen, um der Freude willen und um der Freiheit willen.

In diesen Jahren feiern wir ein halbes Jahrtausend Reformation. Wir tun das schweizweit mit einem wirklich wunderbaren Motto: neu glauben – quer denken – frei handeln. Das ist der Apostel Philippus. Er hat den Mut, Traditionen zu durchbrechen. Neu zu glauben, quer zu denken und frei zu handeln. Man könnte fast sagen, Philippus ist nicht nur der erste Autostopper der Bibel, er ist auch der erste Reformator.

Neu glauben, quer denken, frei handeln. Damit die Menschen mit Freude ihres Weges ziehen. Das ist unser Auftrag. Möge uns der Heilige Geist, wie damals den Apostel Philippus, kraftvoll leiten, möge er die gute Botschaft von Jesus Christus vom neuen Leben und von der Freiheit in uns lebendig erhalten.

Denn bei all unserem christlichen Tun und Reden geht es nicht um die Frage der Wahrheit, sondern um die Frage der Wahrhaftigkeit und der Ehrlichkeit, und um die Frage, ob die Menschen nach der Begegnung mit uns, den Botschafterinnen und Botschaftern Jesu, mit Freude ihres Weges ziehen.


Und so sage ich an dieser Stelle kein Amen. Denn zu meiner Predigt gehört auch das nun folgende, gesungene Gebet des Singkreises, komponiert von Bob Chilcott auf der Grundlage einer alten irischen Volksweise nach Worten des irischen Poeten Dallan Forgaill aus dem 6. Jahrhundert, wo es unter anderem heisst:

Steh mir vor Augen, Gott, auf dich will ich sehen. 
Denn du allein wirst bestehn.


Präge mein Denken, mein Fühlen, mein Sein, ruf mich in deine Gemeinschaft hinein...

Trotz aller Nöte – auf dich will ich baun.
 Steh mir vor Augen, Gott, auf dich will ich schaun.

Pfarrer Markus Sahli, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/