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Kolumne der Redaktion

17.12.2017

NEIN zu «No Billag», weil wir keine fremden Medienvögte wollen

Bei der Abstimmung vom 4. März zur «No Billag Initiative» geht es nicht nur um die Abschaffung der «Billag-Gebühren».


Denn der Wortlaut der Initiative heisst:

«Der Bund versteigert regelmässig Konzessionen für Radio und Fernsehen. Er subventioniert keine Radio- und Fernsehstationen. Er kann Zahlungen zur Ausstrahlung von dringlichen amtlichen Mitteilungen tätigen. Der Bund oder durch ihn beauftragte Dritte dürfen keine Empfangsgebühren erheben. Der Bund betreibt in Friedenszeiten keine eigenen Radio- und Fernsehstationen.˛

Das bedeutet: ein Ja zur «No-Billag-Initiative» würde das Ende der SRG und ihrer Radio- und Fernsehprogramme bedeuten, 6000 Arbeitsplätze wären allein bei der SRG vernichtet, zusätzlich bei den Zulieferfirmen – alles KMU-Betriebe – mindestens nochmals 3000 Arbeitsplätze. Da mit den Gebühren auch die privaten Radio- und Fernsehsender subventioniert werden, müssten auch sie den Laden dicht machen, weshalb auch dort mehrere hundert Arbeitnehmende auf der Strasse stünden.

Das hiesse Sendeschluss auch bei «Tele 1», «Radio neo1» und «Radio 3Fach». 

Wer meint, Sendungen wie «SRF bi de Lüüt», «Samschtigjass», «Landfrauenküche», «Der Bestatter» und Übertragungen von eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten oder renommierte Radiosendungen wie «Echo der Zeit» mit ihrem Korrespondentennetz könnten nach wie vor produziert werden, irrt. Wer meint, ein ausländischer Radiosender würde in die Bresche springen und volkstümliche Musik ausstrahlen wie die jetzt SRF «Musikwelle», liegt ebenfalls falsch. Unsere italienischsprechenden Landsleute im Tessin beispielsweise könnten ihre Muttersprache nur noch über italienische Sender konsumieren, vor allem über jene, die Medienmogul Berlusconi gehören. Was aber oben im kleinen Ticino passiert, interessiert unten im grossen Roma keine TV- und Radiostation. Und natürlich würde es keine privatwirtschaftlich rentable Möglichkeit für Sendungen in Rätoromanisch geben.

Da die SRG das Schweizer Filmschaffen massgeblich unterstützt, hätte die Annahme der «No-Billag-Initiative» zur Folge, dass keine Filme wie beispielsweise «Heidi», «Wätterschmöcker», «Die Wiesenberger», «Schellen-Ursli», «Die göttliche Ordnung», «Die Kinder vom Napf» oder «Z’Alp» mehr entstünden und ins Kino kämen. Hingegen würden ausländische Mainstreamfilme, die sowieso den Weg in die Kinosääle finden, mit mehr Kopien präsent. Es gäbe nichts Schweizerisches mehr, und auch hier würden einige tausend Arbeitsplätze vernichtet.

Es ist auch falsch anzunehmen, dass Radio und TV im Falle einer Annahme der «No-Billag-Initiative» günstiger werden würden.

Bei einem Anbieter aus der Privatwirtschaft zahlt man häufig mehr Jahresgebühren für ein Sportübertragungs-Abo. Ein mit dem Programm der SRG vergleichbares Angebot wäre pro Kopf viel teurer als die heute erhobene Abgabe. Wenn die Schweizer Sportler und Sportlerinnen des Jahres vor den Kameras Tennis spielen und Skirennen fahren, sollte dies auch von Schweizer Fernsehstationen übertragen werden können. Unsere kleinen Privatfernsehsender können sich dies nicht leisten, schon gar nicht bei einer allfälligen Annahme der «No-Billag-Initiative».

Hüten wir uns also davor, dass sich finanzkräftige Investoren und Multimilliardäre vom Schlage eines Rupert Murdoch oder Silvio Berlusconi den Medienmarkt Schweiz kaufen, denn nur Leute wie sie könnten bei der Versteigerung der Radio- und TV-Konzessionen mithalten.

Wir wollen keine fremden Medienvögte. Wir wollen nicht nur noch ausländische Radio- und Fernsehsender in der Schweiz. Wehren wir uns für den Zusammenhalt unseres viersprachigen Landes, für eine vielfältige Berichterstattung in Sparten wie Sport, Musik, Kultur, Politik und Information, für eine freie, vielfältige Meinungsbildung und unabhängige Berichterstattung. 

Ja zur Meinungsvielfalt und zur Demokratie - Nein zum Wolf im Schafspelz, Nein zu «No Billag».

Edwin Beeler, Filmschaffender und Historiker, Emmen / Luzern 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/