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Kolumne der Redaktion

16.09.2017

Nach politischem Streit um christliche Symbole: Vier Glaubensgemeinschaften im Friedental friedlich vereint

Sie hatte hohe Wellen geworfen, die Neugestaltung der Abdankungs- und der Einsegnungshalle im Friedental Luzern. Und zwar wegen der Frage, ob die christlichen Symbole Gläubige anderer Religionen stören würden. Deswegen gabs gar eine Abstimmung (siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»).


Mächtige Bäume prägen das Friedental, einen der fünf Stadtluzerner Friedhöfe und fraglos einer der schönsten und würdevollsten weit und breit.

Die neu gestaltete Abdankungshalle, hier mit Blick zum Eingang.

So präsentiert sich die Abdankungshalle, wenn ein Teil des bekannten Wandgemäldes mit einem Vorhang verhüllt ist, ...

... und so, wenn es ganz zu sehen ist. Zum Vergrössern: Anklicken.

Neu ist in der Abdankungshalle auch dieses Rednerpult aus Ulmenholz. Hier spricht ...

... Pastoral-Assistent Winfried Bader von der Kirche St. Maria Franziskanern, der an der heutigen Einweihung die Römisch-Katholische Kirche vertrat und die renovierten Räume einsegnete.

Islam-Theologe Petrit Alimi ist Präsident der Islamischen Gemeinde Luzern.

Pfarrerin Verena Sollberger von der Evangelisch-Reformierten Lukaskirche.

Scharmapriester Saseetharen Ramakrishna von der Hinduistischen Gemeinde Luzern.

Auch dieses christliche Kreuz in der Einsegnungshalle lässt sich mittels Vorhängen (links und rechts) durch wenige Handgriffe verhüllen und lässt so einen «konfessionsneutralen» Raum entstehen.

Bilder: Herbert Fischer

Heute Samstag (16. September) sind diese beiden Hallen links und rechts des Haupteingangs des Friedentals feierlich eingeweiht worden. lu-wahlen.ch war dabei und zeigt Bilder (rechts). Hier folgen auch die Texte der Voten, welche bei diesem Anlass die Vertreter von vier Religionen und Stadtrat Adrian Borgula abgegeben haben.

Fürs erste liegt der Redaktion von lu-wahlen.ch als schriftlicher Text vor, was Pfarrerin Verena Sollberger von der Lukaskirche als Vertreterin der Evangelisch Reformierten Kirche gesagt hat:

«Hier, in dieser Halle, gehen täglich Menschen ein und aus.

Trauernde meist. Mit schwerem Herzen und Tränen in den Augen. Denn: Abschiednehmen und Loslassen, das schmerzt. Zerreisst einem fast das Herz.

Wie nur soll es jetzt weitergehen? So die bange Frage, die viele in diesem Moment umtreibt, wenn sie hier in dieser Halle sitzen. Alles ist anders. Das Leben ist nicht mehr, wie es war. Ein Schatten hat sich auf ihr Leben gelegt. Ein geliebter Mensch fehlt.

Vielleicht trösten in diesem Moment ja die Worte aus der Bibel. Vermögen das Dunkel etwas aufzuhellen. Die vertrauten Verse aus dem 23. Psalm zum Beispiel:

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.

Und dann brennt hier vorne eine Kerze. Zeichen für Licht und Wärme. Das Licht der Kerze, der Osterkerze, Symbol für den auferstandenen Christus, es erinnert daran, dass Gottes Licht uns leuchtet auf allen unseren Wegen.
Im Leben und im Sterben. Immer. 

So segne Gott alle Menschen, die hier ein- und ausgehen.

Heute. Morgen. Alle Tage.

Gott segne ihr Kommen und Gehen, in Freude und Schmerz, in Trauer und Glück. Gott sei an ihrer Seite und stärke sie auf allen ihren Wegen.

Amen.»

Pfarrerin Verena Sollberger, Lukaskirche, Luzern

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Übersetzung der Koran-Rezitation, die Imam Petrit Alimi (Kriens) als Vertreter der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL) vorgetragen hat: 

«Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen!

Lob sei Allah, dem Weltenherrn, dem Erbarmer, dem Barmherzigen, segne Muhammed und seine Familie, wie Du Abraham und seine Familie gesegnet hast: Du bist der Gütige, der Höchste.

Oh unser Erhalter, heute suchen wir Zuflucht in Deinen perfekten Worten von allen bösen, schädlichen Dingen. Wir suchen für diese Abdankungshalle, für unseren Verstorbenen und Angehörigen Deinen Segen und Deine Gnade!

Oh Gott, gib Deine Vergebung unseren Lebenden und Verstorbenen, unseren Zeugen und Abwesenden, unseren Jungen und Alten, unseren Männern und Frauen. 

Oh Gott, welchen von uns Du leben lässt, lass ihn im Frieden leben und welchen von uns Du abberufst, lass ihn im Glauben und Frieden sterben. 

Oh Gott, verweigere unseren Verstorbenen die Belohnung nicht und setzte uns keinen Prüfungen aus nach unserem Tod.»

«Das Paradies (aber) wird den Gottesfürchtigen nahegebracht werden und nicht fern sein.

Das ist es, was euch versprochen war – einem jeden Bussfertigen, (das Gottesbewusstsein) Bewahrenden, der den Erbarmer, ohne ihn zu sehen, fürchtete und mit reuigem Herzen (zu ihm) kam.

Tretet in Frieden ein! Dies ist der Tag der Ewigkeit. Sie werden darin haben, was sie begehren, und bei uns ist noch weit mehr.»

Koran, Sure 50, Kaf: 31-35

Petrit Alimi, Präsident Islamische Gemeinde Luzern (IGL), Islam-Theologe (Bereich: Dogmatik und Komparative Religionen), Kriens

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Es folgen weitere Voten. Diese Seite ist also noch in Bearbeitung.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/