das gesamte meinungsspektrum lu-wahlen.ch - Die Internet-Plattform für Wahlen und Abstimmungen im Kanton Luzern

Spenden für Verein lu-wahlen.ch

Diese Website gefällt mir! Um weitere Beiträge darauf zu ermöglichen, unterstütze ich lu-wahlen.ch gerne mit einem Betrag ab CHF 10.-

Kolumne der Redaktion

09.03.2017

Was will CVP-Regierungsrat Guido Graf mit diesem Text erreichen?

Ein Gastbeitrag des Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektors Guido Graf in der «NZZ» wirft Fragen auf. Die will er aber schriftlich gestellt haben und auch schriftlich beantworten. Das macht lu-wahlen.ch nicht mit.


Im Gastbeitrag Guido Grafs, der am Dienstag (7. März) auf Seite 9 der «NZZ» erschienen ist (siehe unter «Dateien»), finden sich zum Beispiel diese beiden Sätze:

«Fehlende Zukunftsperspektiven führen dazu, dass viele Flüchtlinge sich auf den Weg nach Europa machen; dies, obwohl seit 1960 ungefähr zwei Billionen US-Dollar nach Afrika geflossen sind.»

Wer sowas liest, kann nur den Kopf schütteln. Was hat zum Beispiel die aktuelle Lage in Eritraea mit dem Umfang der Entwicklungshilfe-Leistungen der reichen Industrieländer zu tun? Mit Verlaub: das ist purer und allerbilligster Populismus, eines Regierungsrates des Kantons Luzern und erst recht eines Vertreters der CVP schlicht unwürdig! 

Gerne hätte ich Regierungsrat Guido Graf dazu direkt ein paar Fragen gestellt. Er aber stellte unannehmbare Bedingungen.

Zuerst liess er (gestern Mittwoch) ausrichten, das Interview habe schriftlich stattzufinden. Das lehnte ich ab, weil ich von ihm nicht einen Fragebogen beantwortet haben, sondern ihm gegenüber sitzen will, um ihm konkrete Fragen zu seinen Ausführungen in der «NZZ» zu stellen. Graf ist übrigens dafür bekannt, dass er immer wieder Interviews schriftlich «geführt» haben will. Die «LZ» liefert dafür Beweise zuhauf. Sie lässt sich dies gefallen und macht devot mit, wenn Graf vom hohen Ross herab derlei Bedingungen diktiert. 

Also bat ich um einen Termin mit Guido Graf. Den wollte mir eine Mitarbeiterin von ihm (heute Donnerstag) für nächste Woche (!) vorschlagen. Und wieder: die Fragen seien vorgängig zu unterbreiten. Auch das lehnte ich ab. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund.

Das Thema ist klar umrissen: Es geht um seinen Gastbeitrag in der «NZZ», also darum, was er geschrieben hat, was jedenfalls unter seinem Namen gedruckt worden ist. Ich will also von Guido Graf Fragen zu seinem Text beantwortet haben; nur von ihm beantwortet haben; zu seinem Text, von dem er doch wohl wissen wird, was drin steht. 

Der Verdacht drängt sich auf: Graf wollte die Fragen vorgängig auf dem Tisch haben, um ihre Beantwortung intern abzusprechen und nachher schriftlich vorzulegen. Also eben doch ein «schriftliches Interview». Was aber gibt es abzusprechen?

Steht er zu dem, was er geschrieben hat oder braucht er zusätzlichen Support, um unangenehme Fragen beantworten zu können, einzelne Äusserungen hinterher vielleicht zu relativieren?

Interessant wäre auch zu erfahren, warum sich Guido Graf mit dieser Themensetzung erneut aufs eidgenössische Parkett begibt. Glaubt er nach wie vor, im Falle einer Wahl Konrad Grabers in den Bundesrat dessen Ständeratssitz zu erben? Gewichtige Stimmen in der CVP des Kantons Luzern hätten da mit Sicherheit erhebliche Vorbehalte. 

Stimmungen zu schüren und zu befeuern, um sich bei bestimmten Elektoraten anzudienen: das ist keine politische Qualität auf dem Weg zu höheren Weihen.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern 


Teilen & empfehlen:
Share    
Kommentare:

Keine Einträge

Kommentar verfassen:

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Letzte Beiträge von Herbert Fischer:

Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

treten Sie mit lu-wahlen.ch in Kontakt

Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/