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Kolumne der Redaktion

13.01.2017

Abschied von Walter Zimmermann: was Johann Schneider-Ammann sagte - mit Bildern (3)

An der Trauerfeier in der Luzerner Hofkirche sprach auch Bundesrat Johann Schneider Ammann. Er lernte Walter Zimmermann im Stab der Gebirgsdivision 9 kennen. Als ihm ein älterer Herr nach dem Gottesdienst vor der Hofkirche zu seiner Rede über seinen Freund gratulierte, sagte Schneider Ammann: «Die Rede kam von Herzen.» Johann Schneider-Ammann hat lu-wahlen.ch das Manuskript zur Verfügung gestellt.


Nach dem Gottesdienst in der Hofkirche lud die Trauerfamilie alle, die dort von Walter Zimmermann Abschied genommen hatten, zu einem Apéro ins Armeeausbildungszentrum Allmend Luzern (AAL) ein. Dort entstanden diese Bilder.

Rosmarie Zimmermann-Urben und Rolf T. Spörri (Luzern) kennen sich seit 1980 vom Vorstand des Vereins Tagesschule Luzern.

Kurt Lötscher (Cham) mit Tochter Joëlle, einer Enkelin von Walter Zimmermann.

Der Safranzünfter und frühere CVP-Grossstadtratspräsident Thomas Gmür (Luzern).

Maria Galliker und Alois Lustenberger (beide Luzern).

Hans (links) und Robert Ruckli (beide Luzern) sind seit Kindsbeinen mit Hans-Thomas Scherrer befreundet, dessen Mutter eine Schwester von Walter Zimmermann war. Dadurch entstanden freundschaftliche Beziehungen auch zur Familie von «Zimbo», der zudem als Pfarreirat den Vater der Beiden sehr gut kannte: den populären Hofkirche-Sakristan Hans Ruckli.

Der frühere Stadtpfarrer Gerold Beck leitete den Gottesdienst und war nachher im AAL ein gefragter Gesprächspartner.

Von links: Gerold Beck (Sursee), Generalstabsoberst Pietro Donzelli (Luzern) und Divisionär Eugen Hofmeister (Sempach).

Oberst Hansruedi Hasler (Kriens).

Der Umweltschutzexperte Hans Niklaus Müller (Luzern).

Sehr geehrte Frau Zimmermann, liebe Familie, sehr verehrte Trauergemeinde,

Walter Zimmermann bezeichne ich seit meinen Diensterlebnissen mit ihm als einen meiner Ziehväter.

Später - und besonders in den letzten paar Jahren - hat er mir, wo und wann immer ihm dies möglich war, Unterstützung geleistet. Er kam an Anlässe, er verlor ein gutes Wort, er quittierte mit «Kopf hoch» und vielem anderen mehr.

Lieber Walter, Du bist nicht mehr unter uns. In bester Erinnerung wirst Du uns bleiben. Deine Begeisterungsfähigkeit und Dein Schalk sind uns Rezepte in kommenden schwierigen Zeiten. 

Liebe Familie, sehr verehrte Gäste,

Wir nehmen Abschied von einem guten Menschen, von einem harten Forderer und Förderer, von einem unkomplizierten, gradlinigen Offizier, der dann im Element war, wenn es zu stürmen begann, wenn es rasche Auffassungsgabe und dezidierte Entscheide brauchte, kurz, von einem Staatsdiener, der in grösster Loyalität und Uneigennützigkeit sein Bestes gab.

Meine Damen und Herren,

Erlauben Sie mir, Walter Zimmermann über ein paar typische Stationen unseres gemeinsamen Wirkens in der Schweizer Armee zu würdigen:

Es war Frühjahr 1988, wie ich im Kommandoposten der Gebirgsdivision 9 als frischgebackener Generalstabshauptmann an die Türe des Kommandanten klopfte und dann eintrat, um mich zum Dienst zu melden.

Als Berner brachte ich die Achtungsstellung fast hin, bis er von seinem Schreibtisch aufschoss mit den Worten: «Ich häisse Walti, wie häissisch Du?» Welch eine Aufnahme. Ich war gleich in seinem Team vereinnahmt. Divisionär Walter Zimmermann, wie er leibte und lebte.

Er liess mich bei dieser ersten Begegnung im Stab auch wissen, dass ich seine Inspektion zwei Jahre vorher nur bestanden hätte, weil er eine halbe Stunde vor der fixierten Zeit auf den Platz gekommen war und feststellen konnte, dass ich mich durch sein bewusst zu frühes Erscheinen nicht hatte aus der Ruhe bringen lassen. «Ihr ohnmächtigen Berner», sein anerkennender Stoßseufzer. 

Und er fuhr weiter: «Im Wiederholungskurs 83 in La Rösa habe ich dich entdeckt. Wir, Moccetti und ich, wir kamen auf eine kurze Wachtkontrolle und siehe da: der Kommandant der Gebirgsinfantrie Kompanie I/36 beanspruchte meine Hilfe, als ich mich im Wachtlokal so hinstellte, dass Moccetti nicht erkennen konnte, dass du eine Gewehrpatrone herumliegen hattest. Hier hast du sie.»

Glauben Sie mir, ich war «paff». Und der Herr Divisionär lachte schallend, sammelte sich sofort und liess mich wissen: «Das machsch dänn nöd wider».

Keine Angst, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich zähle nicht noch mehr der militärischen Schlüsselmomente rund um Walter Zimmermann auf. Sie haben verstanden, dass er ein gütiger Förderer war. 

Sie haben erkannt, dass der manchmal auch grimmige, Zigarillos rauchende «Zimbo» einen ganz menschlichen, weichen und väterlichen Kern hatte. Diese Qualitäten haben ihn zu unserem militärischen Chef werden lassen.

Auch Walter Zimmermann wurde mit dem zunehmenden Alter erstens weiser und zweitens ungeduldiger. Es war 2011 hier in Luzern im KKL. Ich war Redner am Medien Event. Walter ahnte, dass ich mir dort die Finger verbrennen könnte. Und was machte der «Guerilla-Spezialist»: erstens mischte er sich unerkannt unter das journalistische Publikum und zweitens hielt er mir beim Verlassen der Bühne ein IVP (Individuelles Verbandspaket) entgegen. «Nimm es für ein nächstes Mal, heute hast du dank mir bestanden und bist verschont geblieben.» Für mich war die unerwartete Zusammenkunft mit ihm, wie wenn jemand den Knüppel aus den Rädern zieht und den Karren wieder anschiebt. Walter Zimmermann wusste, wo hinstehen, wenn man das Gefecht am nachhaltigsten beeinflussen wollte. Das Dienstbüchlein war ihm in Fleisch und Blut übergegangen.

Liebe Familie, liebe Gäste,

Ich verbeuge mich vor einem Chef, Förderer und Freund. Ich wünsche Ihnen, liebe Frau Zimmermann, liebe Familie, die Kraft und die Zuversicht, die Walter eigen war. Walter will sie und uns in seinem Sinne weiterziehen lassen. Lieber Walter Zimmermann: wenn Du Dich jetzt für immer von uns verabschiedest, dann nicht im militärischen Tone, «Ich melde mich ab», sondern mit der freundschaftlichen Aufforderung «Seid stets zu Diensten». 

«Hier, verstanden, mon commandant».

In vier Worten: A dieu, mon Cher!

Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Bern  

Siehe auch unter «In Verbindung stehende Artikel».


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/