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Kolumne der Redaktion

01.11.2016

Militärische Vereine ehrten verstorbene Kameraden

Immer an Allerheiligen findet im Luzerner Friedental eine Ehrung von Armeeangehörigen statt, die im Militärdienst ihr Leben verloren haben. Veranstaltet hatten auch die heutige Feier einmal mehr der Militär Campus Luzern und die ihn bildenden militärischen Vereine (siehe unter «Links»).


Bilder: Herbert Fischer.

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Bischofsvikar Ruedi Heim.

Hier folgt die Rede von Feldprediger-Hauptmann Ruedi Heim, Bischofsvikar, Luzern:

«Media vita in morte sumus» - mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. So lautet der Beginn eines gregorianischen Chorals, der bis ins 8. Jahrhundert zurück reicht. Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Dieser Grundwahrheit werden wir gewahr, wenn wir selber in unserem nächsten Umfeld, in Familie und im Freundeskreis mit dem Tod konfrontiert werden. – Und wir werden uns der Vergänglichkeit des Lebens auch in besonderer Weise jeweils an Allerheiligen gewahr. Wenn wir unserer Verstorbenen gedenken und unzählige Menschen auf den Friedhöfen sich begegnen – im Gedenken an ihre Verstorbenen. Auch wir tun dies heute am Soldatendenkmal im Friedental.

Wir gedenken unserer Verstorbenen und ehren sie damit gleichzeitig. Indem wir sie uns gegenwärtig setzen, erweisen wir ihnen die Ehre – für ihr Leben und ihr Sterben. Wie eine Gesellschaft, auch wie eine Armee mit den Verstorbenen umgeht – so zeigt sich darin wie sie lebt. Sie bleiben Teil von uns, wenn wir sie in dieser Zeremonie, an diesem Tag in den Mittelpunkt rücken. – Und wir versichern auch uns selber, dass wir eines Tages nicht vergessen sein werden. Wie wir mit unseren Verstorbenen umgehen – so wird eines Tages mit uns umgegangen werden. 

«Media vita in morte sumus» - mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Das erlebten wir dieses Jahr wohl in noch stärkerer Weise als sonst. Terrorakte und Anschläge Paris – es ist noch kein Jahr her. In Deutschland und Belgien. Der Tod in seiner grausamen Form des Mordes ist in unsere Nähe gerückt. An die grauenhaften Nachrichten und Bilder aus dem Mittelmeer, dem Nahen Osten, Syrien und Irak, hatten wir uns ja schon fast gewöhnt. Und nun ganz nahe – der Tod mitten im Leben.

Ein Flugzeugabsturz im Sustengebiet – ein Helikopterabsturz am Gotthard. Drei Armee-Angehörige aus der Schweiz sind in diesem Jahr bei tragischen Unglücken ums Leben gekommen. Medial breit kommentiert. Mitten aus dem Leben in den Tod gerissen. Bei der Erfüllung ihrer Pflicht, im Dienst, haben sie ihr Leben gelassen und sind nicht mehr nach Hause zurück gekehrt. Ihrer gedenken wir heute in besonderer Weise.

Selbstverständliches, Gewohntes ist nicht mehr sicher. Reisen nach Rom und Paris dieses Jahr haben auch mich aufgeweckt. Vieles ist nicht mehr so sicher, wie wir es uns gewohnt waren. Leben ist plötzlich bedroht. – Das Selbstverständliche in Frage gestellt. Unübersehbare Sicherheitskräfte, Polizei und Militär im öffentlichen Raum. Weckt es Unsicherheit und Angst? Ruft es Dankbarkeit für das eben nicht so Selbstverständliche hervor? Was begleitet uns?

«Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.» Und der uralte Choral führt dann weiter und fragt: «Welchen Helfer suchen wir?» 

Niemand kann sich dem Tod entziehen – er ist eine Grenze, an welche jede und jeder früher oder später geführt werden wird. Vorbereitet in vollem Bewusstsein oder überraschend und treffend gezeichnet mit der Figur des Schnitters Tod. Der Tod ist eine Grenze, über die jeder schreiten muss. Und darum ist er auch ein unglaubliche Macht, welche in unser Leben hinein Wirkung hat. Mächtig und unerbittlich. «Welchen Helfer suchen wir?» -

Als junger Student war ich von Rom aus nach Monte Cassino gefahren. Ein Hügel mitten in der Ebene zwischen Rom und Neapel. Mit dem Gründungskloster des Heiligen Benedikt oben seit dem frühen 6. Jahrhundert. Zerstört 1943 durch alliierte Bombardements 1943, um die Gustav-Linie der Wehrmacht zu überwinden.  – Aber nicht das Kloster ist mir in Erinnerung geblieben, sondern die riesigen Soldatenfriedhöfe an den Hügeln rundherum. Zehntausende von Gräbern von meist jungen Männern. Grabsteine und Kreuze – aufgerichtet über ihren Gräbern. Aufgerichtete Kreuze. Wie hier im Friedental.

Sie sind es, die uns an unsere Verstorbenen erinnern und uns mahnen. Wir begegnen ihnen auch an Strassenrändern und auf Berggipfeln. Kreuze. – Sie sind mehr als nur Schmuck. Sie sind mehr als nur die Leitkultur des Abendlands. Sie stehen für mehr als nur für Werte, um die sich unsere Parteien streiten,  wem sie gehören. Das Kreuz gehört in erster Linie und vor allem den Christen. Sie haben die Deutungshoheit reden nicht nur von dessen Bedeutung, sondern leben ihn auch. Das Kreuz gehört uns. Und es gehört zu uns.

Es steht dafür, dass wir als Christen daran glauben, dass der Anfang des gregorianischen Chorals «Media vita in morte sumus» - mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Dass dieser Choral ergänzt werden muss: «Media morte in vita sumus» - mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen. 

Ja, das ist die Kernbotschaft des Christentums. Wir glauben in Jesus Christus an einen Gott, der nicht dem Tod, nicht dem Hass, nicht dem Terror das letzte Wort gelassen hat. Sondern dessen Liebe sich durch den Tod hindurch gezeigt hat. Kreuze sind nicht nur Zeichen des Todes, sondern für uns Christen sind sie auch Zeichen des Lebens. «Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen.» Wir können unsere Toten auch deswegen ehren und ihrer gedenken, weil sie nicht einfach nur in unseren Herzen weiterleben. Sondern weil wir mit dem Kern unseres Glaubens davon überzeugt sind, dass sie bei Gott seien.

Wir schauen also nicht nur in die Vergangenheit – sondern auch in die Gegenwart und damit in unsere eigene Zukunft.

Weil wir eine Zukunft haben – über die Grenze und die Macht des Todes hinaus. Weil der Tod nicht das letzte Wort hat, haben wir auch ein Mittel gegen die Angst, welche der Terror in unsere Herzen zu setzen sucht.

«Media vita in morte sumus» - mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Das ist und bleibt die bestimmende, wahrnehmbare, Grenze. Aber wir dürfen angesichts der vielen Kreuze auch glauben: «Media morte in vita sumus» - mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen. Das verheisst uns Zukunft.

Nur wer Zukunft hat und an sie glaubt, kann zurück schauen, ohne Nostalgiker zu werden. Kann im Hier und Jetzt Vertrauen haben. Ich danke Ihnen.

Ehren wir unsere Verstorbenen und beten wir für sie mit dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat: Vater unser...

Feldprediger-Hauptmann Ruedi Heim, Bischofsvikar, Luzern 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/