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Kolumne der Redaktion

29.06.2016

Salle modulable: Übung abbrechen und zwar subito

Die Stadt und der Kanton Luzern sowie die Stiftung Salle modulable schieben eine Wolke vor sich hin, vielleicht ist es auch eine Blase, die aber mit Gewissheit bald platzt, beziehungsweise sich bald verflüchtigt. Konkret geht es um die Salle modulable, eine ebenso monströse wie verlockende Infrastruktur für allerlei Vorführungen.


Entstünde die Salle modulable tatsächlich im Inselipark, wäre es mit dieser Idylle vorbei.

Bilder: Herbert Fischer

Wer sich auch nur halbwegs zur Kulturstadt Luzern bekennt, wird regelrecht «giggerig», wenn von einem Quantensprung, wie ihn dieses Projekt Luzern bescheren würde, die Rede ist; zumal bei der Finanzierung dieses – jedenfalls für hiesige Verhältnisse – «Megatools» eine Stiftung Millionen freimacht.

Schon da aber beginnt das Dilemma: diese Stiftung – über sie ist anderswo ebenso wie auf lu-wahlen.ch längst vieles geschrieben und spekuliert worden – schreibt vor, wann, wo und wie sie es denn gerne genau hätte mit dieser Salle modulable.

Und genau das geht nicht. Dass man «einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut», das funktioniert hier gar nicht! Das ist der Sargnagel 1 dieses Projekts. Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» lässt grüssen. 

Sargnagel 2: Ursprünglich hatte Gönner Christoph Engelhorn für die Salle modulable leckere 120 Millionen bereitgestellt. Davon sind nach einem jahrelangen Rechtsstreit inzwischen noch 80 Millionen vorhanden. Man fragt sich: Wie viel wird noch zur Verfügung stehen, falls das Projekt dereinst tatsächlich umsetzungsreif würde? Zu stark nämlich hat sich inzwischen der üble Verdacht verfestigt, die inzwischen verbrauchten 40 Millionen hätten Rechtsanwälte, «Berater» jedwelcher Art, vor allem auch «PR-Fritzen» vergoldet. Sagen wir es so: Das ist keine vertrauensbildende Massnahme. 

Sargnagel 3: Es gibt für die Salle modulable keine «positive Grundstimmung», keine «Ja, das wollen wir»-Haltung mit einer klaren Mehrheit in der Bevölkerung. Zum Vergleich: Als in den Achtziger Jahren die ersten Planungsarbeiten für das neue KKL anliefen, war Hinz und Kunz klar, dass hier die besten Sinfonieorchester der ganzen Welt in einer unzumutbaren Hütte mit unzumutbarer Akustik und überhaupt unzumutbarer Infrastruktur auftreten. Die Botschaft war einfach und sie war einfach zu vermitteln: Wenn wir diese Orchester auch in Zukunft hier haben wollen, müssen wir ihnen einen Rahmen bieten, der ihrem Niveau entspricht. Glücklicherweise haben damals zwei Leute zusammengefunden, die sich grossartig verstanden und ergänzt und die dieses Projekt mehrheitsfähig gemacht und erfolgreich umgesetzt haben: Franz Kurzmeyer und Thomas Held.

Sargnagel 4: Genau dies ist derzeit weit und breit nicht zu erblicken. Niemand verkörpert bezüglich der Salle modulable auch nur halbwegs das überragende Profil und Format, den Charme, die Weitsicht und die Glaubwürdigkeit eines Franz Kurzmeyer.

Sargnagel 5: Seitens der Stadt tritt Kulturministerin Ursula Stämmer-Horst (SP) für das Dossier Salle modulable auf; sie tritt Ende August allerdings ab. Das Dossier wird ihr Nachfolger in dieser Funktion übernehmen, Beat Züsli (ebenfalls SP), der zugleich ab 1. September als Stapi amten wird. Stämmer gelang es zwar halbwegs, so etwas wie eigene Begeisterung für diese Idee zu bekunden, allerdings war immer und überall klar, dass ihre Partei eine andere Haltung hat. Züsli hingegen wird Kreide fressen müssen, um öffentlich für die «Salle» zu weibeln, weil von ihm bekannt ist, dass er sich in anderen Aufgaben wohler fühlen würde... Zudem hat seine Partei gerade gestern Dienstagabend (28. Juni) ihre Skepsis gegenüber dem Projekt von Neuem mehr als deutlich bekundet. 

Sargnagel 6: Am nächsten Montag (4. Juli) treten Ursula Stämmer Horst – eben: die Kulturministerin der Stadt – und der kantonale Kulturminister Reto Wyss in der Causa Salle modulable vor die Medien (siehe unter «Dateien»: die Einladung zu dieser Medienkonferenz). Beide wissen es und auch alle dort anwesenden Medienschaffenden wissen es heute schon: der Kanton pfeift finanziell aus dem letzten Loch! Unter anderem streicht er Dienstaltersgeschenke beim Staatspersonal, führt Zwangsferien an Schulen ein, veräppelt seit Jahren das Polizeikorps, indem er längst zugesagte Stellenerhöhungen auf die lange Bank schiebt; und, und, und; peinlich! Irgendwelche kantonalen Mittel für die Salle modulable flüssig machen zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das gilt ebenso für die Stadt, die ihrerseits darbt, dass sich der Teufel graust. 

Sargnagel 7: Am 27. November stimmt der Stadtluzerner Souverän als erste Instanz über die «Salle» ab: erstens über einen Baurechtsvertrag und zweitens über eine Initiative der JungsozialistInnen, welche Cars für immer vom Inseli verdrängen will. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: es wird einen Nein-Stimmen-Anteil von allermindestens 75 Prozent zu diesem Salle modulable-Standort geben! Bereits dann also wird dieses Phantom ein für allemal versenkt. Man kann das gut finden oder nicht, aber so wirds kommen!

Die Frage ist berechtigt, sie lautet: Warum ist das alles jetzt und hier zu lesen?

Ganz einfach: Weil es schlichtweg unverständlich ist, dass am nächsten Montag (4. Juli) – eben: an besagter Medienkonferenz von Stadträtin Stämmer und Regierungsrat Wyss – für eine Totgeburt ein solcher Aufwand veranstaltet wird.

So schmerzlich es ist und so schön es wäre, wenn wir uns das leisten könnten: die «Übung Salle modulable» ist subito abzubrechen. Sie ist ein Luftschloss, verlockend und verführerisch zwar, aber angesichts der normativen Kraft des Faktischen jenseits von gut und böse.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/