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Kolumne der Redaktion

14.04.2016

Mit dem «Kripochef» ist wieder ein Luzerner Stadtoriginal für immer gegangen

Die Güüggali Zunft trauert um Eduard Linder, alias «Kripochef», verschieden im «Staffelnhof», wo er seit zwei Jahren ein neues Zuhause gefunden hatte.


So gesittet und vornehm trat «Kripochef» Eduard Linder selten auf. Aber als Hotelier Mike Hauser am 17. Juni 2015 die Güggali Zunft und ihre Schützlinge, die Luzerner Stadtoriginale, in den noblen «Schweizerhof» zu einer gediegenen Tafelrunde lud, hielt auch er Hof und stellte ausnahmsweise seine Ermittlungen ein.

Bild: Herbert Fischer

Dies ist den amtlichen Todesmeldungen in der heutigen «NLZ» zu entnehmen (siehe unter «Dateien»).

Damit muss die Zunft schon wieder den Abgang eines Stadtoriginals hinnehmen. Und die halbe Stadt fragt sich: Kommen denn überhaupt welche nach, wenn wieder eines von ihnen den Weg in die Ewigkeit hat gehen müssen?

Eine Antwort weiss niemand, aber eine These haben viele: Es harzt mit dem Nachwuchs, denn so einmalige Figuren wie «Besen-Edi», Manseremil, «Radio Müüsli» oder «Frau Derendinger» sterben schlicht und ergreifend aus und die heutige Gesellschaft verlangt vom Individuum soviel Angepasstheit und Stromlinienförmigkeit, dass sich kaum mehr jemand wagt, «sich selber zu sein», öffentlich auf- und allenfalls gar ab-zufallen und somit eventuell gar als «Original» zu gelten; wie wenn nicht eh schon jeder Mensch ein Unikat wäre...

«Frau Derendinger» hiess übrigens eigentlich Agnes Reinhard, aber wegen ihrer unbeschreiblichen Oberweite eben «Frau Derendinger», weil sie «solche», also (mundartlich) «dere» Dinger vor sich hinschob. Immer wieder, wenn von ihr die Rede ist, entflammt an Stammtischen noch heute die hochspannende Frage, ob eigentlich die Tabakändlerin in Federico Fellinis «Amarcord» das Vorbild von Agnes war, oder ob handkehrum allenfalls der Meisterregisseur seinerzeit seinerseits Agnes Reinhard oder eben «Frau Derendinger» irgendwo erblickt hatte, sich entsprechend inspirieren liess und deswegen die Rolle der Tabakhändlerin in dieses Werk einfliessen liess.

Der nun verschiedene «Kripochef» hatte nicht den Bekanntheitsgrad anderer Stadtoriginale, aber wenn sie irgendwo au grand complet auftraten, war auch er stets dabei. Immer mit einer Kappe und einem Spazierstecken bewehrt, pausenlos seine neuen Erkenntnisse, vorab aus dem Moosmattquartier kundtuend, egal, ob sie jemanden interessierten oder nicht. 

Er war unglaublich «gwundrig», glaubte alles wissen zu müssen, kombinierte und kommentierte Halb- und Unwahrheiten und vor allem kolportierte er sie ungeniert, egal, welche Gerüchte daraus wurden und wucherten und ihrerseits neuen Gesprächsstoff erzeugten. So handelte er sich den «Titel» Kripochef ein.

Die Trauerfeier für den am 6. April im Alter von 78 Jahren verschiedenen Eduard Linder findet statt am Mittwoch, 20. April um 9h in der Kirche St. Paul. Anschliessend um 10.30h Beerdigung im Friedental.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/