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Kolumne der Redaktion

18.05.2015

David Roth als Kantonalpräsident der Luzerner SP wäre eine plumpe Provokation

Eine heikle Personalie gärt zurzeit in der SP des Kantons Luzern; eine, deren Brisanz offenbar die SP-Führung selber noch nicht so ganz gekopft hat. In einem Satz: Kantonsrat David Roth will Präsident werden. Wohl nicht zuletzt mangels Alternativen.


Bekanntlich hatte die bisherige Kantonalpräsidentin Felicitas Zopfi am SP-Parteitag vom 28. Februar in Ebikon bekanntgegeben, diese Funktion niederzulegen. Dies war zwar ohnehin schon länger vorgesehen gewesen, aber eigentlich erst für den Juni 2015. Zopfi argumentierte damals (sinngemäss), die Doppelbelastung als Regierungsratskandidatin und Kantonalpräsidentin habe zu viele Nachteile.

Interimistisch übernahm seinerzeit Vizepräsident Daniel Gähwiler das Präsidium; allerdings nur, bis im Juni ein Parteitag einen neuen Präsidenten wählen würde. Also eröffnete die Partei so etwas wie ein parteiinternes Bewerbungsverfahren. Interessenten hatten sich bis letzten Montag (11. Mai) anzumelden. Und siehe da: eine einzige Bewerbung ging ein, wie der interimistische Kantonalpräsident Gähwiler gegenüber lu-wahlen.ch inzwischen bestätigt. 

Und diese Bewerbung stammt von David Roth, SP-Kantonsrat aus Luzern, bis vor nicht allzu langer Zeit Präsident der JungsozialistInnen Schweiz und in selbiger Rolle landauf landab unermüdlich mit der rhetorischen Schrotflinte und dem Zweihänder unterwegs, vorab gegenüber Medienschaffenden, die in ihrer Gier nach heftigen und deftigen Roth-Zitaten jede noch so schräge Aussage dieses jungen Wilden ergebenst dem Rest der Welt kundtaten. 

David Roths Zitatesammlung hat inzwischen ein beachtliches Ausmass und strotzt von Bösartigkeiten und Entgleisungen.

Eines aber muss man ihm lassen: er lässt sich nicht biegen und schon gar nicht beugen, ist zwar ein Wadenbeisser, hat aber – wer weiss es: mehr der Not gehorchend, denn dem eignen Triebe? – inzwischen das Talent erkennen lassen, seine gepfefferten Worte mitunter in Watte zu wickeln. 

Mit anderen Worten: Roth hat das Potential, in der Luzerner SP dereinst eine zentrale, ja führende Figur zu werden; allein, dass er derzeit (noch) derlei Kanten und Ecken hat und zeigt, spricht langfristig nicht gegen ihn.

Womit der unterhaltende Teil dieses Beitrags beendet sei und wir zu den ernsthafteren Aspekten der Causa David Roth kämen.

Denn: Ob der Wolf bereits wirklich Kreide gefressen hat, ist insgesamt doch noch höchst fraglich. Erinnern wir uns etwa des unerträglichen Angriffes der SP im Februar dieses Jahres auf Facebook auf den 2007 gescheiterten SVP-Regierungsrat Daniel Bühlmann, also an eines der jüngeren «Werke», das David Roths Handschrift trägt (siehe unter «In Verbindung stehende Artikel» am 22. Februar 2015: Die Luzerner SP läuft Amok). Damit hat die Partei sich und ihrer Regierungskandidatin schwer geschadet.

Die nunmehr derart darniederliegende SP des Kantons Luzern tut deshalb gut daran sich zu überlegen, welches Signal sie aussenden würde, falls sie David Roth im Juni tatsächlich zu ihrem Leader kürt.

Will sie sich nämlich für die Wahlen 2019 wirklich neu aufstellen und den soeben so schmerzlich verlorenen Sitz im Regierungsrat – auf wessen Kosten auch immer – dann zurückgewinnen, so kann sie nun nicht im Ernst eine solche Provokation lancieren, die mittelfristig rein gar nichts, ausser Unruhe in ihre Reihen bringt. Und den politischen Gegnern Gratis-Munition liefert.

Denn Regierungsratswahlen werden im Kanton Luzern nicht in der Stadt, sondern zwischen Dierikon und Dagmersellen, Meggen und Marbach, Horw und Honau, Ebikon und Ermensee gewonnen. Und dort sind nicht Schreihälse gefragt, sondern gut geerdete und im Volk fest verankerte Persönlichkeiten. 

Herbert Fischer, Redaktor www.lu-wahlen.ch, Luzern


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Kommentare:
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Piero Caduzzi aus Luzern

Dienstag, 19.05.2015, 17:23 · Mail

Wieso eine Provokation? Vielmehr wäre das ein Grund, nach Jahren wieder die SP zu wählen. Mir ist eine eigenständige, mal über die Stränge hauende SP lieber als eine, die, um wieder in die Regierung gewählt zu werden, die eigenen Positionen den Bürgerlichen zuliebe aufgibt...

Piero Caduzzi, Luzern

 
 
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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/