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Kolumne der Redaktion

10.04.2015

Hans Erni ist 106 Jahre alt geworden. Ein Greis war er nie

Stadtpräsident Stefan Roth sprach an der heutigen Feier für Hans Erni im Verkehrshaus als zweiter Redner. Hier folgt sein Redemanuskript.


Auch Stadtpräsident Stefan Roth würdigte Hans Erni. Rechts: Altstadtpräsident Urs W. Studer, in dessen Amtszeit der Künstler im Jahr 2004 zum Ehrenbürger ernannt worden ist.

Bild: Herbert Fischer

Doris Erni-Kessler war seit 1949 mit Hans Erni verheiratet.

Lily Waldis, die Witwe des Verkehrshaus-Pioniers Alfred Waldis, ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Luzern.

Liebe Familie Erni,
Angehörige, Freunde und Verehrer von Hans Erni,
sehr geehrte Damen und Herren

Hans Erni war ein Gigant. Als Künstler, als Mensch ein Phänomen. Zweifacher Schweizer Meister im Landhockey, Träger des Kunstpreises und der Ehrennadel der Stadt Luzern, Ehrenbürger, ausgezeichnet mit dem Swiss Award für sein Lebenswerk, mit der UNO-Friedensmedaille und, und, und. Er blickte auf acht Jahrzehnte künstlerischen Schaffens zurück! Während andere ein eigenes Museum erst nach dem Tod erhalten, ist seines längst im Bewusstsein aller Kunstinteressierten. 

Seine Werke kennen zwischen wenigen Quadratzentimetern und etlichen Aren jedes Format. Kaum ein Material war ihm fremd: Kohle oder Acryl, Bronze oder Wolle, Ölfarbe oder Bleistift hat er genützt. Mosaike hat er geschaffen, Porträts, Cibachrom-Prints oder Freskos. 

Hans Ernis Werk war und ist omnipräsent: In unserer Region beispielsweise im Krematorium im Friedental, im Schulhaus Würzenbach, bei der Energie Wasser Luzern AG an der Industriestrasse, im Pflegeheim Eichhof, im Seehotel Pilatus in Hergiswil, oder an der Bugspitze des SGV-Schiffes Gotthard. Dazu kommen das Landibild 1939, zahlreiche Schulwandbilder, Buchgestaltungen, Plakate, Briefmarken, Weinflaschen des Château Mouton Rothschild, der PC-12 der Pilatuswerke und, und, und...

Der Künstler Hans Erni hinterlässt ein unüberblickbares, unverwechselbares Oeuvre. Er war oder ist der international berühmteste Luzerner Künstler. Die Stadt Luzern hat Hans Erni mehrfach ausgezeichnet. 1968 mit dem Kunstpreis der Stadt Luzern, 1984 mit der Ehrennadel und 2004 mit dem Ehrenbürgerrecht

Es ist bloss eine Frage der Zeit, bis ein Ort im öffentlichen Raum nach ihm benannt wird.

Hans Erni war der älteste Bürger der Stadt Luzern. Sein Leben umfasst eine unglaubliche Zeitspanne: 

. In seinem Geburtsjahr lebten auf der Erde gerade mal 1,7 Milliarden Menschen, viermal weniger als heute.
. 19 US-Präsidenten hatte er erlebt, und 85 Bundesräte.
. 1909 wurde die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern gegründet, in der gleichnamigen Klinik hier in Luzern haben später Generationen das Licht der Welt erblickt.
. Hans Erni erlebte auch die Anfänge der Schweizer Luftfahrt. Der hundert Meter von hier hängende Doppeldecker Dufaux 4 stammt aus dem Jahr 1909; seine ersten Hüpfer tat er im Mai 1910.

Hans Erni war und ist mit der Welt verbunden. Luzern blieb er stets treu, auch wenn er in den 50-er-, den 60-er-Jahren (und teilweise darüber hinaus) gerade hier verfemt worden war. Er war und ist Luzerner: Hier geboren und ausgebildet, haben ihn Neugier und berufliche Engagements in viele Länder Europas und der übrigen Erdteile geführt. Er hatte Metropolen dieser Welt gekannt und die schönsten Flecken dieser Erde gesehen. Überall ist er den besten und klügsten Menschen begegnet. Gewohnt, gelebt und gewirkt hat Hans Erni aber hauptsächlich in Luzern. Nach der Eröffnung des Hans Erni Museums war es auch für Leute ausserhalb unserer Region definitiv klar geworden, wo Hans Erni seinen Lebensmittelpunkt sieht.

Sein Leben war von ständiger Beschäftigung geprägt. Konsequent ermahnte er auch zur steten Erneuerung. Bei der Übergabe des Lifetime Awards im Jahr 2009 erinnerte er daran. Bei der Eröffnung des Hans Erni-Museum im Jahr 1979 hielt er fest, ich zitiere aus dem damaligen Manuskript: «Wer jedoch glaubt, die Erneuerung sei Sache der Gesellschaft, täuscht sich, es ist die Sache eines Jeden. Als Einzelner versuche auch ich so zu handeln, wie ich mir früher idealistisch gesamtgesellschaftliches Handeln vorstellte.» Ende des Zitats!

Hans Erni ist zeitlebens seinen Ansprüchen an sich selbst und an die Gesellschaft treu geblieben. Er ist für uns ein Vorbild, ihm nachzueifern steht jedem von uns gut an. 

Hans Erni ist 106 Jahre alt geworden. Ein Greis war er nie.

Stefan Roth, Stadtpräsident von Luzern 

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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/