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Kolumne der Redaktion

03.11.2014

Schwerzmann will, dass die «Rodtegg» bei der Administration spart, verursacht aber zugleich administrativen Mehraufwand

Finanzdirektor Marcel Schwerzmann verlangt einen Abbau in der Verwaltung. Doch gleichzeitig sieht das Sparpaket Massnahmen vor, die einen unweigerlich erhöhten Verwaltungsaufwand mit sich bringen. So soll in den Institutionen die Erhebung des Individuellen Betreuungsbedarfs (IBB) mit 5 Stufen eingeführt werden.


Die Betreuung Schwerbehinderter ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die neben fachlicher Kompetenz ausserordentliche charakterliche Qualitäten erfordert.

Bild: Herbert Fischer

Zudem sollen Institutionen mit viel Pflegeaufwand wie die Rodtegg auf die Pflegeheimliste aufgenommen werden, um den Pflegeteil mit dem BESA (13 Stufen) zu Lasten der Krankenkassen abzurechnen.

Es ist undenkbar, solche Vorgaben zu erfüllen und gleichzeitig Verwaltung abzubauen, denn sie sind aufwändig und kosten Geld.

Uns ist der sorgfältige Umgang mit unseren Finanzen seit jeher ein grosses Anliegen. In unserem Leitbild haben wir verankert, dass «wir unsere finanziellen Mittel zielgerichtet und ökonomisch einsetzen».

Leider sehen wir uns zunehmend mit administrativen Ansprüchen konfrontiert, die wir nicht beeinflussen können. So wird zum Beispiel vom Kanton gefordert, dass wir trotz unserer EFQM- und ISO-Zertifizierung seitenweise zusätzliche Fragen zur Qualität bearbeiten müssen.

Oder es werden Formulare gefordert, welche anders sind als in den anderen Kantonen üblich. Mindestens im Jahrestakt werden in den einzelnen Angeboten administrative Anpassungen nötig, sei es in der Berechnung der Tarife oder in der Aufteilung der Rechnungsempfänger. Gar nicht zu sprechen von den verschiedensten Einheiten und Berechnungsarten denen wir ausgesetzt sind: Verrechnung nach Kalendertagen, Arbeitstagen, Aufenthaltstagen, Schultagen, etcetera.  

Obwohl wir über gute Informatiksysteme verfügen, haben auch wir keinen «goldenen Knopf». Das heisst: wir sind auf unsere gut ausgebildeten Mitarbeitenden, die sich den stets veränderten Bedingungen anpassen, angewiesen.

Und zuletzt noch: die Rodtegg hat in den letzten Jahren die Ein- und Ausgaben kontinuierlich bewirtschaftet. Durch monatliches Überprüfen des Lohn- & Pensenverbrauchs und wegen den hohen Auslastungen in den Jahren 2010 bis 2012 konnten wir in diesem Zeitraum Reserven von 770 000.- Franken schaffen. Diese dürfen wir aber nur für die Deckung von zukünftigen Verlusten verwenden. Jetzt sollen wir aber gemäss Leistungsvereinbarung für das kommende Jahr 800 000.- Franken «als Solidaritätsbeitrag» - ohne rechtliche Grundlage - abgeben. 

Begründung: «Ihr habt Eure Zahlen im Griff und gut gewirtschaftet». So belohnt der Kanton jene, die unternehmerisch handeln und ihre Strukturen laufend optimieren.  

Wer bezahlt denn als Solidarität unseren Verlust in den nächsten Jahren? Wer behauptet, in den sozialen Einrichtungen könne ohne Qualitätsverlust sowohl in der Betreuung und der Verwaltung gespart werden, spielt mit dem Feuer.

Emil Ziegler, Bereichsleiter Dienste, die rodtegg, Stiftung für Menschen mit körperlicher Behinderung, Luzern  


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/