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Kolumne der Redaktion

03.11.2014

Sparpaket zulasten der Schwächsten: Stadtoriginal Willy Ammann schreibt dem Parlament einen Offenen Brief

Er ist in Luzern eine der populärsten und vor allem nach wie vor eine der wahrhaft gewichtigsten Persönlichkeiten überhaupt. Wenn er irgendwo auftritt, sind ihm die Sympathien unterschiedlichster Leute gewiss. Angesicht der geplanten Sparmassnahmen, die auch die Schwächsten der Gesellschaft treffen, ist ihm nun der Kragen geplatzt. Er hat den Mitgliedern des Kantonsrates einen Offenen Brief geschrieben.


Willy Ammann (links), viele Jahre Quartier-polizist und nach wie vor eine der gewich-tigsten und populärsten Persönlichkeiten Luzerns überhaupt, nach der Trauerfeier im September 2012 in der Lukaskirche für «Radio Müüsli». Ammann würdigte den Verstorbenen in bewegenden und bewegten Worten und umrahmte die Feier mit seinen Künsten auf Mundharmonika und Gitarre mit Melodien ganz nach Geschmack von «Radio Müüsli». 1994 haben die HörerInnen von Radio Pilatus Willy Ammann zum «rüüdigen Lozärner» gewählt.

Bild: Herbert Fischer

Sehr geehrte Damen und Herren

Am 4. November 2014 verhandeln Sie über Sparmassnahmen im Behindertenbereich. Für die SSBL sehen diese Sparmassnahmen vor, dass rund sechs Prozent des Budgets eingespart werden müssten. Das heisst: In den Wohn- und Tagesgruppen der Behindertenstätten müssten möglicherweise Betreuungspersonen weggespart werden.

Ich bin der Vater eines 37-jährigen Sohnes mit einer geistigen Behinderung. Deshalb schreibe ich diesen Brief für meine Familie und für alle Eltern, die ein pflegebedürftiges Kind haben. Unser Sohn Daniel lebt in einem SSBL-Wohn- und Pflegeheim. 

Für die Betreuerin heisst das Folgendes:

. Von den Füssen bis zum Kopf der Körperpflege nachgehen; 

. beim Anziehen behilflich sein; 

. nach jedem grösseren Toilettengang das Gesäss putzen; bei jedem Spaziergang und bei Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln als Begleitperson dabei sein;

. Beschäftigungs-Therapie im Heim und ausserhalb;

. zum Doktor begleiten;

. bei jedem Coiffeur-Besuch mitgehen;

. nach Absprache mit den Eltern Kleider- und Schuhkauf besorgen; bei Krankheit die Pflege übernehmen.

Und das alles mit viel Liebe, und, und, und...,

Eine solche Fachkraft ist jeweils am Ende eines Arbeitstages mindestens so «kaputt», wie ein Schwerarbeiter auf dem Bau nach Feierabend. Bei der Pflegeperson ist jedoch in erster Line die Psyche für den Energieabbau verantwortlich.

Würden nun etwelche Stellen gestrichen, müsste diese anspruchsvolle Arbeit auf die Schultern der übriggeblienenen Fachkräfte verteilt werden. Die Folgen von solchen Überbelastungen sind uns allen bekannt. Damit wäre niemandem geholfen.

Angenommen, Sie, liebe PolitikerInnen, hätten alle ein behindertes Kind, so würden Sie, davon bin ich überzeugt, von den Sparmassnahmen im Behindertenbereich Abstand nehmen.

Nun wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen Gesundheit und hoffe, dass Sie für die kommende Entscheidung das nötige Einfühlungsvermögen (Empathie) zugunsten der schwächsten Mitmenschen haben.

Willy Ammann, früherer Quartierpolizist, rüüdiger Lozärner 1994, Luzern 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/