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Kolumne der Redaktion

23.08.2014

Kurt Bieder resümiert die Geschichte des Mega-Projekts Allmend-Umbau - mit Bildern vom Allmend-Fest (1)

Gestern Freitagabend ist in der Messe Luzern der einstündige Dokumentarfilm von Jürg Huwyler über die Geschichte und den Umbau der Luzerner Allmend uraufgeführt worden. Die Stadt Luzern lud gleichzeitig all jene Persönlichkeiten zu einem Allmend-Fest ein, die in den letzten Jahren die Projekte wie das neue Stadion, die Hochhäuser, die Sporthalle mit dem Hallenbad, die Tieflegung Zentralbahn mit Allmend-Station und die Messe Luzern geprägt und begleitet haben.


Bilder: Herbert Fischer

Es war ein ungezwungener und fröhlicher Abend, getragen vom unverkennbaren Stolz über all die vereint vollenden Werke. Altstadtrat Kurt Bieder hielt eine Rede, die hier ab Montag (24. August) zu lesen sein wird.

Die Gäste liessen sich vom Caterer Tavolago hervorragend verköstigen und bevor dazu ein politischer Vorstoss im Stadtparlament erfolgt oder gar erzürnte Leserbriefe zur Frage eintreffen, wer denn Speis und Trank berappt habe, sei hier Entwarnung gegeben: dieser Posten war im Baukredit für die Vorzone zur Messe Luzern enthalten. 

Siehe dazu neben den Bildern rechts weitere Bilder unter «In Verbindung stehende Artikel».

(hrf)

Altstadtrat Kurt Bieder hielt eine Rede, deren Manuskript hier folgt:

Lieber Stadtrat Adrian Borgula, liebe Allmend-Familie

Die Einladung zum heutigen Fest und die Möglichkeit, einige Worte an euch zu richten, haben mich sehr gefreut. Es ist eine noble Geste, bei einem so schönen Anlass einem alt Stadtrat das Mikrofon zu überlassen.

Der Allmend-Film ist nicht nur sehr schön, sondern auch instruktiv. Gezeigt werden die Geschichte der Allmend und die Umsetzung der Allmend-Planung, also die Realisierung der zahlreichen Grossprojekte. Wenn ich nach meinem persönlichen Rückblick auf die Allmend-Entwicklung  gefragt werde, so spreche ich über die Voraussetzungen, welche die Bauten ermöglichten. 

Was waren die Auslöser des Umbaus der Allmend?  Die beiden Haupttreiber waren das neue Fussballstadion und der Ausbau der Zentralbahn (zb).

Eine neue Infrastruktur für den Profifussballbetrieb haben wir im Stadtrat nicht aus eigenen Stücken angeschoben. Wir mussten aber einsehen, dass Spitzenfussball in unserer Region nur noch stattfinden kann, wenn eine moderne Fussball-Arena geschaffen wird. Im Stadtrat amtierten 2,6  angefressene Fussballfans, weshalb ein Ja zum nationalen Spitzenfussball klar war. Zusammen mit der kommerziellen Zusatznutzung, die für die Finanzierung unabdingbar war, ergab sich ein markant grösserer Platzbedarf mit entsprechendem Verdrängungseffekt zulasten anderer Nutzer. Eine heikle Ausgangslage.

Der Ausbau der zb hingegen war im Sinne des Stadtrates. Im städtischen Verkehrsstrategiepapier 2003 „Luzern macht mobil“ war die zweigleisige Neuführung der zb ein Schlüsselprojekt für die Verkehrsentwicklung Luzern-Süd. Aber auch hier: Die neue Linienführung mitten durch die Allmend hatte einen veritablen Verdrängungseffekt.

Verdrängen ist gleichbedeutend mit Verändern. Und hier, liebe Allmend-Familie, habt ihr grossartig mitgewirkt. Entgegen dem Zeitgeist habt ihr praktisch ausnahmslos die Chancen in der Veränderung gesehen, nicht die Risiken in den Vordergrund gestellt.

Einige Beispiele:

- Die Messe Luzern: Als Alfred N. Becker, Markus Lauber, Urs Hunkeler und Kons. von der Messe eröffnet wurde, am besten für den Bau der zb wäre, wenn die Festhalle abgerissen würde, war kein Schockzustand zu spüren. Vielmehr ging es gefühlte 5 Minuten, bis die Exponenten der Messe die Chancen für eine gute Entwicklung ihres Geschäftes erkannten.

- Die Boccianer: Die drei betroffenen Klubs haben über Jahrzehnte je ihre Spielstätten und ihre Klublokale zu einer schönen Heimat entwickelt. Dies zugunsten einer neuen modernen Halle aufzugeben war nicht leicht.

- Die LSC-Landhockeyaner: Sie mussten die Allmend verlassen und in den Utenberg zügeln. Auch dies war eine Neuorientierung, die niemand anstrebte.

- Die Schützen: Ihnen war im früheren Zustand wohl. Angesichts der hervorragenden Verhandlungsposition war es ihnen nicht zu verdenken, dass sie sich mit der neuen Halle vergolden liessen, so ein Zitat im Allmend-Film.

Diese gute Grundlage, die Flexibilität der Allmend Nutzer, hat die städtischen Verantwortungsträger enorm motiviert. Der Stadtrat hat sich jederzeit mit ganzer Kraft für die jetzt eingetretene Allmend-Entwicklung engagiert. Wir erkannten die Chance, im Rahmen der kommerziellen Zusatznutzung zum Stadion ein jahrzehntealtes Problem zu lösen, nämlich der Neubau eines zeitgemässen Hallenbades.  Es war für mich ein Privileg und eine Genugtuung, auf der Grundlage einer so überzeugten und einheitlich auftretenden Regierung die Allmend Entwicklung politisch federführend steuern zu dürfen.

Dieser unabdingbare Wille des Stadtrats war für die Verwaltung spürbar und hat zu Höchstleistungen geführt. Aus Zeitgründen kann ich nur einige Personen namentlich würdigen:

- Ruedi Frischknecht, städtischer Raumentwickler, hat in der ersten Projektphase den Boden gelegt. Einen Viertel verdichten,  drei Viertel frei lassen. Zudem hat er anwaltlich die Ausgewogenheit sichergestellt. Bildlich hat er dies zum Ausdruck gebracht, indem die Gelbbauchunke immer gleich gross abgebildet wurde wie der Profifussballer. Die Gelbbauchunke hat auch im Film die gebührende Erwähnung erfahren.

- Jean-Pierre Deville, seinerzeitiger Stadtarchitekt, hat einen innovativen, das grossartige Projekt von Marques/Bühler ermöglichenden Investorenwettbewerb kreiert und federführend durchgeführt. 

- Rosie Bitterli, Chefin Kultur und Sport, hat in der 2. Projektphase als Projektleiterin darauf geschaut, dass alle Nutzer fair behandelt werden, es keine substanziellen Verlierer gibt. Mit einer Ausnahme, nämlich dem Pferdesport, ist dies gelungen. Die Berichte und Anträge, die sie für das Parlament konzipierte, waren angesichts der Komplexität der Materie Meisterwerke.

- der ziemlich genau vor 2 Jahren leider allzu früh verstorbene Beat Heggli, seinerzeitiger Chef Immobilien, hat aufgrund seiner immensen Erfahrung bei Grossprojekten alle möglichen Fallstricke antizipiert und die Stadt vor Unheil bewahrt.

- Hanspeter Balmer und Andreas Glanzmann haben in den äusserst anspruchsvollen Verhandlungen mit den Investoren die Interessen der Stadt hervorragend vertreten. Es gibt keinen einzigen Aspekt, der zulasten der Stadt Schwierigkeiten bieten würde. Chancen und Risiken, die jedem Projekt innewohnen, wurden beim richtigen Beteiligten verortet.

Die Verwaltung und die Allmend Nutzer haben also zusammen die besten Voraussetzungen geschaffen, um den politischen Prozess gut zu bestehen. Trotzdem habe ich den politischen Teil der Arbeit als nervenaufreibend in Erinnerung. Für einige politische Akteure waren eine kommerzielle Nutzung auf der Allmend völlig falsch und der Bau von Hochhäusern geradezu eine Provokation. Es wurden gewaltige Ressourcen aufgefahren, um die heute gefeierte Allmend Entwicklung zu verhindern. Dank der professionellen Arbeit der stadteigenen Kommunikationsstelle konnten die guten, aber komplexen Vorlagen der Stimmbevölkerung verständlich gemacht und so Mehrheiten erwirkt werden. Die Zusammenarbeit mit Urs Dossenbach empfand ich als sehr bereichernd.

Die Umsetzung, sprich Realisierung der neuen Allmend, war für mich einfach nur schön und wohltuend. Ich durfte den Unterschied erfahren, wie im Gegensatz zur Politik die Wirtschaft mit Problemen umgeht. Man sitzt zusammen und sucht und findet eine allseits angemessene Lösung. Die Politik benutzt nur zu häufig Probleme, um ein eigenes Süppchen zu kochen, dem eigenen Standpunkt zum Durchbruch zu verhelfen. Und wenn es keine Probleme gibt, dann erfindet sie die Politik …

Mit der Umsetzung hatte ich nicht mehr allzu viel zu tun. Die Stadt war nur bei einem verhältnismässig kleinen Teil eigener Bauherr. Ich war dankbar und habe grossen Respekt, wie die Verantwortlichen für die neue Streckenführung  der zb, die Messehallen, die Hochhäuser, das Sportgebäude, usw. ihre Aufgaben meisterten. Wie eingangs gesagt, der Allmend-Film zeigt eindrücklich diese hervorragenden Leistungen.

Für die stadteigenen Bauten machten sich Mathis Meyer, Dario Buddecke und Karl Brassel verdient. Wer jemals ein öffentliches Hallenbad bauen will, wende sich vertrauensvoll an Kari. Er ist wie kein Zweiter bewandert beispielsweise in der Ausschreibung von Chromstahlbecken ...

Für mich war die Allmend-Entwicklung ein neuerliches wunderbares Zusammenwirken zwischen der öffentlichen Hand und Privaten. Hier hat die Stadt Luzern eine ganz tolle Tradition und ein grosses Knowhow. Es erfüllt mich mit grosser Genugtuung, dass gerade das Allmend Beispiel richtungsweisend für andere Vorhaben sein kann, welche Stadt oder Kanton alleine nicht stemmen könnten. Ich habe grosse Freude, dass gerade diese Erkenntnis den Abschluss des Filmes bildet.

Jetzt freue ich mich mit euch auf den Film und das Essen. Nach meinem Wissensstand hat die professionelle und vorausschauende Kreditierung der Vorzone auch noch die Verpflegung von heute Abend mitumfasst. Chapeau und Danke.

Kurt Bieder, Baudirektor der Stadt Luzern von 2000 bis 2012  


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/