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Kolumne der Redaktion

03.05.2014

Ueli Maurer in Dagmersellen: die Bilder

VBS-Chef Ueli Maurer trat vorgestern Abend (1. Mai) in der «Arche» in Dagmersellen auf, um für den «Gripen» zu werben. Hier folgt ein Bericht aus den «Luzerner Nachrichten» und dem «Zofinger Tagblatt» vom Samstag, 3. Mai.


Erst lange, nachdem die anderen drei Par-teien ihre Transparente längst über der Bühne montiert hatten, zeigte auch die FDP Flagge und montierte ihr Logo doch noch. Was will uns dieses Bild sagen? Kommt die FDP Dagmersellen zu spät?

Bilder: Herbert Fischer

Vereint brachten die Präsidenten der vier Ortsparteien einen publikumswirksamen Anlass zustande. Von links: Christian Affentranger (CVP), Silvio Walther (SP), Bruno Leuenberger (SVP) und Anton Wyss (FDP.die Liberalen).

Vor seinem Auftritt wird Ueli Maurer «ver-drahtet» und mit Mikrofon ausgerüstet.

Die 320 Plätze in der «Arche» waren alle besetzt, um Ueli Maurer zu sehen und zu hören, hier im Saal mit den Nationalräten Felix Müri (SVP) und Peter Schilliger (FDP), bevor er ...

... die Bühne besteigt und schon vor seinem Auftritt Applaus erntet.

Dieser Blick auf das Revers seines Anzugs lässt nur einen Schluss zu: FDP-Nationalrat Peter Schilliger ist ein zweihundertprozen-tiger «Gripen»-Befürworter.

Ueli Maurer sprach während einer halben Stunde völlig frei und beantwortete auch Fragen aus dem Publikum.

Zwischendurch wedelte er mit einer Hun-derternote, um zu erklären: pro hundert Franken, die der Bund ausgibt, gehen die nächsten elf Jahre bloss 14 Rappen in die «Gripen»-Beschaffung.

Diese vier Herren aus Dagmersellen waren die jüngsten Besucher des Events in der «Arche». Vorne: Silvan Kaufmann (14, links) und Alain Gernet (12); hinten: Mario Bühler (14, links) und Eric Fellmann (14).

Nur vereinzelte Damen besuchten den Anlass zur «Gripen»-Beschaffung mit der Rede von VBS-Ueli Maurer und dem kontradiktorischen Podium.

In Dagmersellen bringen vier Parteien vereint zustande, was im Alleingang kaum gelänge. So füllten sie am Donnerstagabend die «Arche» dank dem derzeit so begehrten Wehrminister. FDP-Präsident Anton Wyss lobt denn auch ihr heutiges Verhältnis – «im Gegensatz zu früher», als sich CVP und FDP nichts schenkten. Seit aber auch die SVP und die SP in Dagmersellen wirken, habe sich die Einsicht durchgesetzt, dass sich die aufwendige Organisation solcher Events und erst recht die Kosten verteilen lassen. Konkret waren dies für das vorgestrige Gripen-Podium laut Wyss immerhin etwa 3000 bis 4000 Franken.   

Gutgelaunt redete Bundesrat Ueli Maurer vor dem eigentlichen Podium 30 Minuten völlig frei, platzierte einzelne Lacher und zeigte auf, wo aus seiner Sicht heute Gefahren drohen, die lage- und zeitgerechte Reaktionsmöglichkeiten auch aus der Luft erfordern. Er wedelte mit einer Hunderternote und machte klar: von 100 Franken, die der Bund ausgibt, würden in den nächsten elf Jahren bloss 14 Rappen für den «Gripen» ausgegeben, falls das Volk ihn am 18. Mai will. «Etwa der zehnte, vielleicht der zwölfte» derartige Auftritt sei das, verriet er zuvor den «Luzerner Nachrichten»; fand das «wahnsinnig spannend»; von Überdruss keine Spur, schliesslich müsse über dieses Thema «informiert» werden. Er wollte so offensichtlich die Frage nach der «Behördenpropaganda» vorwegnehmen. Als SVP-Präsident nämlich hatte er solche bundesrätlichen Auftritte für oder gegen Abstimmungsvorlagen immer wieder gegeisselt. 

Könnten sie abstimmen, wären Silvan Kaufmann (14) und Alain Gernet (12) gegen den Gripen, während Eric Fellmann (14) «gespannt ist, wie die hier so reden werden». Und Mario Bühler (14) will schlicht und einfach «Ueli Maurer einmal persönlich sehen». 

Berufsmilitär Willy Siegenthaler aus Dagmersellen nützte Ueli Maurers Auftritt, um sich in seine Brigadiersmontur zu kleiden und vor ihm stramm zu stehen. Ansonsten wars ein lockerer Anlass, kaum gehässig, klar dominiert von den Befürwortern des Gripen. Ueli Maurer schien nach seinem eigenen Auftritt das Podium zu gefallen, denn er blieb bis zu dessen Ende in der «Arche» und posierte am Schluss gar für ein Bild mit allen Beteiligten. 

Am Podium nach Maurers halbstündigem Auftritt beteiligte sich auch der Historiker grüne Kantonsrat Hans Stutz (Luzern), ein Gegner des «Gripen»-Kaufs. Gefragt, wie er den Auftritt Maurers bewerte, sagte Stutz: «Er will aus seiner Geschichtsschreibung den Schluss ziehen können, dass es militärische Aufrüstung brauche und man folglich den Wünschen von Offizieren und Militärverwaltung unkritisch zu folgen habe. Sein politischer Wunsch ist das Motiv seiner historischen Andeutungen, darum geht er nicht auf die Widersprüchlichkeit und die Interessengebundenheit von politischen Entscheiden ein.»

Herbert Fischer

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Dieser Bericht ist (leicht gekürzt) am Samstag, 3. Mai  2014 in den «Luzerner Nachrichten» und im «Zofinger Tagblatt» erschienen
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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/